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Lucy Becker (9) aus Spenge stürzt mit dem Rad, ihr Fuß verkeilt sich – Prezero-Mitarbeiter zerschneiden Speichen

Wenn die Müllabfuhr zum Retter wird

Spenge (WB)

Sie sind die Helden für ein neunjähriges Mädchen: zwei Mitarbeiter der Müllabfuhr. Lucy Becker stürzt am Dienstag so unglücklich mit dem Fahrrad auf die Fahrbahn der Dorfstraße in Lenzinghausen, dass sich ihr Fuß zwischen Speichen und Gestänge verkeilt. Stark abgeknickt bekommt sie ihn selber nicht mehr herausgezogen.

Kathrin Weege

Lucy Becker – hier mit ihrer Mutter Viktoria Becker in der Dorfstraße – hat noch einmal Glück gehabt. Beim Sturz mit dem Rad hat sie sich nichts gebrochen und kann schon wieder durchstarten. Den beiden Männern vom Entsorger Prezero ist sie sehr dankbar, dass sie ihr geholfen haben. Foto: Kathrin Weege

Keiner sieht weg, ein Auto stoppt. Anwohnerin Sonja Jüchem steigt sofort aus. Und ein Müllwagen der Firma Prezero hält ebenfalls an. Die beiden Männer Nikolai Nickel und Tayfun Acil springen aus dem Fahrzeug und schauen nach dem weinenden Kind und beruhigen es. „Wir haben auf unserer Tour den Unfall des kleinen Mädchens gesehen und keine Sekunde gezögert. Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass man Menschen in Not hilft – vor allem, wenn es sich um Kinder handelt“, sagen die beiden.

Zuerst hätten die Männer versucht, Lucy den Schuh auszuziehen. „Doch der Fuß war so verkeilt und abgenickt, dass das gar nicht möglich war“, berichtet die Mutter Viktoria Becker.

Sie selber wird schnell verständigt. Ihr Haus ist nur ein paar Meter entfernt. „Als ich all die anhaltenden Autos gesehen

Nikolai Nickel (links) und Tayfun Acil, Mitarbeiter der Prezero Service Westfalen in Halle, haben Lucy geholfen. Foto: Prezero

habe, dachte ich: Oh nein! Lucy hatte einen Verkehrsunfall. Gott sei Dank war sie ‚nur‘ gestürzt, als sie mit ihrer Freundin unterwegs war“, sagt die Mutter. Das Mädchen erzählt: „Ich saß auf dem Gepäckträger meiner Freundin und beim Abbiegen ist mein Fuß irgendwie eingeklemmt worden. Dann sind wir gestürzt.“

Da der Fuß immer noch feststeckt, bitten die beiden Männer vom Entsorger die Mutter, ob sie Werkzeug holen könne. „Ich bin dann los und habe den kompletten Kasten zur Unglücksstelle gebracht“, erinnert sich Becker. Die beiden Müllmänner schauen in den Werkzeugkoffer und nehmen den Seitenschneider zu Hilfe. Damit knipsen sie Speichen ab und befreien den Fuß. „Die beiden haben mit ihrem Vorgehen nicht nur Lucy, sondern auch mich beruhigt und mir empfohlen, sofort ins Krankenhaus zu fahren“, sagt Beckmann. Und das macht sie umgehend.

Anwohnerin Sonja Jüchem war als erste an der Unfallstelle. Foto: Kathrin Weege

Lucy hat Glück, der Fuß ist nicht gebrochen, nur gequetscht. Zwei Tage später kann sie schon wieder Gas auf ihrem Fahrrad geben. „Jetzt bin ich aber vorsichtiger“, sagt die Grundschülerin. Später postet die Mutter in einer Spenger Facebook-Gruppe, wie dankbar sie für die schnelle Hilfe ist. „Leider ist so etwas heute nicht immer selbstverständlich – gerade vielleicht auch in Coronazeiten“, meint sie.

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