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Bisher keine Verletzten – Feuerwehren zerlegen zahllose umgestürzte Bäume

Sturmtief Ylenia: So ist die Lage im Kreis Herford

Kreis Herford

Das angekündigte Unwetter ist in der Nacht zu Donnerstag auch im Kreis Herford eingetroffen und hält die Feuerwehren und die Polizei noch immer in Atem. Vor allem müssen sich die Einsatzkräfte um umgestürzte Bäume und andere Gefahrenquellen kümmern.

Von unseren Lokalredaktionen

Viel Kleinholz: Die Herforder Wehr muss sich immer wieder um umgestürzte Bäume im Stadtgebiet kümmern. Foto: Feuerwehr Herford

In Herford ist der Sturm Ylenia seit Mitternacht deutlich stärker zu spüren. Wie die Feuerwehr Herford mitteilt, ließen die ersten Einsätze nicht lange auf sich warten. Bis 7.30 Uhr gab es im Stadtgebiet Herford 17 sturmbedingte Einsätze.  Verletzte waren nicht zu beklagen. 

Im Einsatz waren die hauptamtliche Wache und der Löschzug Herford-Mitte sowie der Einsatzführungsdienst. Die Feuerwehr bittet alle Herforder um Vorsicht, da die Sturmlage weiter anhält. Dieser Bitte schließt sich die Kreispolizei Herford an: "Der Sturm sorgt nach wie vor für Gefahren im gesamten Kreisgebiet. Aus diesem Grunde bitte wir die Verkehrsteilnehmer, vorsichtig zu fahren. Nicht erforderliche Fahrten sollten, sofern möglich, unterbleiben. Ebenso muss weiterhin im Kreisgebiet mit verschmutzten Fahrbahnen gerechnet werden." 

Die Polizei verzeichnet kreisweit aufgrund des Sturms bislang etwa 60 Einsätze seit Mittwochabend.

Am Ortseingang des Spenger Ortsteils Wallenbrück ist ein riesiger Baum vom Sturm entwurzelt worden und auf die Neuenkirchener Straße gestürzt. Er liegt nun zersägt auf beiden Seiten der Fahrbahn.

Baum kracht in Löhne auf ein Haus

Im Feuerwehrhaus Löhne-Ort hat sich am Mittwoch die örtliche Einsatzleitung auf die Nacht vorbereitet. Von dort führte der Führungsstab den Einsatz der Löhner Feuerwehr von 3.30 bis 5 Uhr. Den ersten sturmbedingten Einsatz gab es in der Nacht um 2.42 Uhr. Seither hat es bis 12 Uhr 28 Einsätze im gesamten Stadtgebiet gegeben. Dabei handelte es sich überwiegend um umgestürzte Bäume. Alle Einheiten der Wehr sind vor allem am frühen Morgen im Einsatz gewesen.

Schwere Schäden verursachte in der Nacht ein Baum, der in der Keplerstraße auf das Dach eines Hauses fiel. "Bei der Erstalarmierung hatte es zunächst geheißen, dass zwei Hausbewohner vermisst würden", berichtet Löhnes Feuerwehrchef Christian Ehlert. Das habe sich am Einsatzort zum Glück jedoch als nicht zutreffend herausgestellt. Die Bewohner waren wohlauf.

Regionalbahn stellt Verkehr vorübergehend ein

Auch Bahnreisende aus dem Kreis Herford waren von den Auswirkungen des Sturms betroffen. So wurde der Betrieb der Regionalbahn RB 77 (Bünde/Herford – Löhne – Hameln – Hildesheim) am frühen Morgen eingestellt. Am Mittag fuhren die Züge im Abschnitt von Elze nach Löhne mit einigen Abweichungen wieder. Der Bahnverkehr zwischen Löhne und Bünde war allerdings nicht möglich, die Strecke blieb weiterhin vollständig gesperrt. Stattdessen waren Busse im Einsatz.

Löhner Musikschule ist betroffen

Der Sturm hat in der Nacht zu Donnerstag auch Schäden an der Fassade des Musikschulgebäudes in Löhne verursacht. Um die Schülerinnen und Schüler nicht zu gefährden, bleibt die Einrichtung nach Auskunft von Leiter Gerhard Sowa bis zum Wochenende geschlossen: „Die Musikschule bietet daher ihren Unterricht soweit möglich und gewünscht online an. Die Lehrkräfte nehmen hierzu Kontakt mit ihren Schülerinnen und Schülern auf.“

Wann wieder in Präsenz unterrichtet werden kann, sei abhängig von der weiteren Entwicklung der Wetterlage und den Sicherungsmöglichkeiten. „Das wird am Wochenende entschieden. Wir werden rechtzeitig informieren“, teilt Gerhard Sowa mit.

Fahrzeuge unter Bäumen begraben

Die Feuerwehr Bünde ist seit 2.30 Uhr  mit allen Einheiten (außer der Löschgruppe Muckum) im Einsatz. Aufgrund der steigenden Anzahl der „Sturm-Einsätze“ ist die Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) der Feuerwehr hochgefahren worden. Es besteht somit eine Verbindung zwischen der Leitstelle Kreis Herford und der ÖEL. Die Notrufe laufen auf der Leitstelle ein und die „Sturm-Einsätze“ werden über ein Programm der ÖEL zugewiesen. Die Organisation der Einsätze erfolgt vor Ort.  

Von Einsatzbeginn (2.30 Uhr) bis 6 Uhr gab es 17 Einsätze; gegen 11 Uhr bereits über 40.  Die Einsatzart beläuft sich derzeit auf umgefallene Bäume/Gegenstände auf Straßen und ähnliches. Es wurden mehrere Fahrzeuge unter Bäumen begraben. Auch im Bünder Land gibt es derzeit keinen Personenschaden  durch den Sturm. 

Laut Polizei beschädigten zwei umgestürzte Bäume an der Ostlandstraße mindestens sechs Autos. Außerdem wurden mindestens drei weitere Autos von Bäumen an der Wittekindstraße beschädigt. 

Wie die Polizei mitteilt, gab es zwischenzeitlich eine Verkehrsbeeinträchtigung an der Osnabrücker Straße in Bünde Ahle. Dort wurden Bäume von der Feuerwehr beseitigt. Es sei nicht auszuschließen, dass weitere Bäume aufgrund der immer noch starken Windböen umkippen. 

In der Bünder Fußgängerzone musste die Feuerwehr mit einer Drehleiter Plexiglas-Elemente von einem Dach entfernen. Der Sturm hatte sie gelöst. Sie drohten in die Straße zu fallen. Foto: Hilko Raske

Auch für die Feuerwehr in Kirchlengern wurde es eine kurze Nacht. „Wir waren ab 2.45 Uhr bis etwa 9.30 Uhr mit 25 Einsatzkräften der Löschgruppen Mitte und Nord unterwegs“, sagt Frank Rieke, Feuerwehrchef der Elsegemeinde. 14 Bäume seien aufgrund des Sturms umgestürzt – „überwiegend im Norden des Gemeindegebiets“.

An der Oberbauerschafter Straße sei ein Baum auf ein Haus gekippt. Dabei sei der Dachüberstand beschädigt worden, so Rieke. Zu weiteren Sachbeschädigung beispielsweise an Autos sei es nicht gekommen. Allerdings habe man von der Fahrbahn der Quernheimer Straße ein Trampolin entfernen müssen, das der Sturm von einem Grundstück auf den Asphalt geschoben habe. Auf dem Hökenbrügger Weg habe der Sturm außerdem einen Telefonmast abgeknickt.

Wurzeln reißen Gehweg heraus

Die Feuerwehr Rödinghausen musste sturmbedingt erstmals um 2.35 Uhr ausrücken. „Ein Baum war auf die Kilver Straße gestürzt“, informiert Marcel Breitenfeld, Leiter der Feuerwehr Rödinghausen. Die Wurzeln des Baumes – immerhin 60 Zentimeter Stammdurchmesser – hätten beim Sturz auch Teile des Gehweges weggerissen.

Danach seien die Meldung praktisch im Minutentakt eingegangen, die komplette Gemeindefeuerwehr – etwa 50 Personen – sei etwa 30-mal im Einsatz gewesen. Im Wesentlichen hätte es sich um umgestürzte Bäume und größere Äste auf Fahrbahnen gehandelt. Ein Ast sei auf einen Stromverteilerkasten gefallen. Man habe deshalb den zuständigen Energieversorger davon in Kenntnis gesetzt.

Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, so Breitenfeld. Größere Sachbeschädigungen habe es dort, wo die Feuerwehr im Einsatz gewesen sei, auch nicht gegeben. Allerdings habe er bei der Fahrt durch den Ort festgestellt, dass vom ein oder anderen Haus Dachpfannen herabgeweht wurden. Im Wiehengebirge seien stellenweise Bäume zu Fall gekommen. Dafür seien aber die Forsteigner der jeweiligen Bereiche zuständig.

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