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Erst Brustkrebs, dann Hirntumor: Suzan Demirel (35) ist ein Pflegefall

Mit Rollstuhl in vierten Stock? Verzweifelte Wohnungssuche einer Herforder Familie

Herford

Sie hatte den Brustkrebs gerade besiegt, da diagnostiezieren Ärzte einen Hirntumor: Mit einer Not-OP können ihr die Mediziner das Leben retten. Heute, ein halbes Jahr später, ist Suzan Demirel halbseitig gelähmt. In ein paar Tagen kommt sie aus der Klinik nach Hause. Doch wie soll sie mit dem Rollstuhl in den vierten Stock? Die verzweifelte Suche einer Familie nach einer Erdgeschosswohnung.

Von Moritz Winde

Suzan Demirel (35) hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Das linke Foto zeigt sie vor den Krebserkrankungen, das rechte danach. Ihre Mutter Cordula kümmert sich liebevoll um sie. Foto: privat

Viel Zeit bleibt nicht mehr: Ende September endet die neurologische Rehabilitation der 35-Jährigen in den Johanniter-Ordenshäusern in Bad Oeynhausen. „Meine Tochter ist jetzt ein Pflegefall. Trotzdem wollen wir sie unbedingt nach Hause holen. Sie gehört doch zu uns“, sagt Mutter Cordula Demirel.

Nach Hause, das ist ein Häuserblock in der Halberstädter Straße in der Nordstadt. Und in jenem Hochhaus bewohnt die vierköpfige Familie ausgerechnet die vierte Etage. Dutzende Stufen führen durchs enge Treppenhaus zur Drei-Zimmer-Wohnung (75 Quadratmeter) unterm Dach. Fahrstuhl? Fehlanzeige!

Die Freude über die Rückkehr ihrer Suzan sei groß, sagt die Mama. Seit dem 28. Februar ist ihrer Tochter nicht mehr in ihrer gewohnten Umgebung. An jenem Montag wird die Geschwulst im Schädel der jungen Frau festgestellt. „Sie klagte über höllische Kopfschmerzen“, erzählt Cordula Demirel.

Die Ärzte versetzen die 35-Jährige ins künstliche Koma, öffnen ihren Schädel, weil der Hirndruck zu groß ist. In mehreren Eingriffen wird der Fremdkörper entfernt. Nach einer Woche wacht sie aus der Bewusstlosigkeit auf.

Die Krankheit bleibt nicht ohne Folgen. Ihr Kurzzeitgedächtnis ist beeinträchtigt, sie leidet an einer halbseitigen Lähmung. Ausmaß und Dauer ihrer Behinderung können noch nicht abgesehen werden. Und auch die Frage, ob der Tumor in ihrem Kopf langfristig verschwunden bleibt, können die Experten nicht mit Sicherheit beantworten.

Es ist die zweite schwere Erkrankung in Suzan Demirels noch jungem Leben. Vor sechs Jahren wird bei ihr ein Knoten in der linken Brust entdeckt. Es folgt eine Tortur aus Chemotherapie, Bestrahlung, Brustabnahme.

„Sie war auf einem guten Weg, krebsfrei zu werden. Und dann bekommen wir die Hirntumor-Diagnose. Weshalb muss meine Suzan so viel ertragen? Gerecht ist dies nicht“, findet Cordula Demirel. Sie sei mal ein bildhübsches Mädchen gewesen. „Jetzt ist sie gezeichnet. Und trotzdem liebe ich sie über alles!“

In Gefühle wie Trauer, Wut und Hilflosigkeit mische sich auch Dankbarkeit, dass ihrer Tochter überhaupt noch am Leben sei und in nicht einmal zwei Wochen nach Hause komme. „Aber ich habe auch große Angst, wie wir das schaffen sollen“, sagt die 55-Jährige, die nach eigenen Angaben seit Monaten alle Hebel in Bewegung setzt, um eine neue Bleibe zu finden.

Vieles habe sie versucht, ohne Erfolg. Auch soziale Träger hätten ihr keine alternative Unterkunft anbieten können. „Wir benötigen im Raum Herford so schnell wie möglich eine Vier-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss, die kalt nicht teurer als 800 Euro sein sollte - am besten barrierefrei. Es wäre das Größte, wenn uns jemand helfen könnte“, sagt Cordula Demirel, die genau wie ihr Mann einen festen Job hat. Zur Familie gehören neben zwei Kindern noch drei Katzen.

Cordula Demirel befürchtet, dass die jetzige Wohnung in der vierten Etage für Suzan zum Gefängnis werden könnte. „Dabei ist sie doch so gerne an der frischen Luft.“

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