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Interview: Vlothos Stadtsportverbandsvorsitzender über Auswirkungen der Corona-Krise

Ansturm auf Online-Kurse

Vlotho (WB). Die Corona-Krise ist noch lange nicht vorbei. Unter besonderen Hygienemaßnahmen ist der Sportbetrieb in Vlotho allmählich wieder angelaufen. Stadtsportverbandsvorsitzender Guido Koch (32) spricht im Interview über die damit verbundenen Herausforderungen für die Vereine, über ausgefallene Großveranstaltungen, über Weihnachtsmärkte sowie über notwendige Sanierungsarbeiten im Jahnstadion.

Jürgen Gebhard

Stadtsportverbandsvorsitzender Guido Koch im Jahnstadion: „Ideal auch für Leichtathletik-Wettbewerbe. Foto: Jürgen Gebhard

Der Sport hat auch in Vlotho wegen Corona eine lange Zwangspause machen müssen. Wann wird es wieder einen normalen Spiel- und Trainingsbetrieb geben?

Guido Koch: Mit dem Ende der Sommerferien ist der Trainingsbetrieb mit Einschränkungen aufgenommen worden. Der Spielbetrieb zum Beispiel im Fußball soll ab September wieder starten. Wir warten hierzu noch auf die Infos der Verbände. Die Vereine müssen Hygieneauflagen sehr genau beachten. Beispielsweise müssen Netze, Tore und Bälle bei Spiel und Training regelmäßig desinfiziert werden. In den Umkleiden sind maximal sechs Personen erlaubt und die Duschen bleiben ganz geschlossen.

Reitturniere, Tischtennisturniere, Triathlon und Schützenfeste: Viele Vereine finanzieren sich durch Großveranstaltungen, die es derzeit nicht geben darf. Das Geld fehlt…

Koch: Das ist ein großes Problem. Viele Vereine hoffen, dass solche Veranstaltungen bald wieder möglich sein werden.

Gibt es Weihnachtsmärkte?

Dazu gehören wohl auch die Weihnachtsmärkte, die in Exter und Valdorf von den Sportvereinen mit ausgerichtet werden. Wann entscheidet sich, ob es in diesem Jahr überhaupt Weihnachtsmärkte gibt?

Koch: Ich selber gehöre in Uffeln zum Arbeitskreis Adventszauber. Wir müssen bis spätestens Ende September wissen, was geht und was nicht. Wir alle sind auf die Vorgaben und die Empfehlungen des Landes angewiesen. Ich möchte da noch keine Prognose abgeben.

Haben die Mitglieder während des Lockdowns den Sportvereinen scharenweise die Kündigungen geschickt?

Koch: Vom Turnverein Eintracht Valdorf weiß ich, dass es dort in dieser Zeit keine besonderen Auffälligkeiten gegeben hat. Das gilt wohl auch für die anderen Vereine. Mehrere Vereine wie der TuS Bonneberg und die SG Exter hatten Online-Kurse angeboten. Sie wurden sehr gut angenommen und erreichten auch einige Menschen, die sonst Hemmungen haben, sich in einer Gruppe sportlich zu betätigen.

Wegen Corona sind die Stadtsportler-Ehrungen ausgefallen. Werden sie nachgeholt?

Koch: Aus heutiger Sicht kann ich mir das nicht vorstellen. Eine Großveranstaltung, bei der mehr als 250 Kinder geehrt oder mit Laufabzeichen ausgezeichnet werden, zu der dann auch noch Eltern und Großeltern kommen – das geht nicht und wäre nicht zu verantworten. Aus ähnlichem Grund fällt in diesem Jahr auch die Senioren-Sportlerehrung aus.

Vereine investieren

Beim Stadtsportverband ist die für Anfang April geplante Jahreshauptversammlung ausgefallen. Wird sie nachgeholt?

Koch: Sie soll Ende September stattfinden. Das ist nicht nur deshalb notwendig, weil die Satzung das fordert. Im Februar hatten wir den Vereinen in einer Infoveranstaltung das Landes-Förderprogramm „Moderne Sportstätten“ vorgestellt. 400.000 Euro stehen für Vlotho zur Verfügung. Projekte werden mit maximal 90 Prozent bezuschusst. Für die Verteilung des Geldes sind in den Kommunen die Stadtsportverbände zuständig. Wir möchten nicht mehr lange warten. Wir möchten kurzfristig im Einvernehmen mit unseren Vereinen entscheiden, was in welchem Umfang gefördert werden kann, damit die ersten Maßnahmen noch in diesem Jahr durchgeführt werden können.

Wofür möchten die Vereine die Fördermittel bekommen?

Koch: Der Reit- und Fahrverein Fridericus Rex möchte eine Beregnungsanlage anschaffen. Der SC Vlotho möchte die Duschräume sanieren. Der Luftsportverein plant eine Dachsanierung am Hangar. Der Schützenverein Winterberg möchte einen digitalen Schießstand anschaffen. Das sind nur einige Beispiele von vielen. Die Vlothoer Vereine wollen insgesamt 480.000 Euro investieren. Das ist gerade in der jetzigen Zeit auch ein wichtiger Beitrag zur Wirtschaftsförderung.

Ideales Jahnstadion

Für die marode Bonneberger Sporthalle zeichnet sich eine Lösung ab: Es besteht die große Chance, ohne Eigenmittel zu einem Neubau zu kommen. Gibt es auch Pläne für das zweite Sorgenkind, das Jahnstadion auf dem Amtshausberg?

Koch: Wir als Stadtsportverband können uns da einiges vorstellen. Zum Glück wird die Idee nicht mehr weiter verfolgt, das Gelände mit Wohnhäusern zu bebauen. Ein solches Vorhaben wäre aus meiner Sicht schon deshalb nur sehr schwer umsetzbar, weil auf allen Vlothoer Plätzen Spielzeiten fehlen. Außerdem hat das Stadion den am besten gepflegten Rasenplatz weit und breit. Allerdings sind die Umkleiden und die Sozialräume unzumutbar. Möglicherweise wäre hier ein Neubau die wirtschaftlichste Lösung.

Das Jahnstadion könnte doch auch intensiver für die Leichtathletik genutzt werden?

Koch: Die Laufbahn, die Weitsprung- und die Kugelstoßanlage müssen zunächst saniert oder erneuert werden. Eine mobile Hochsprunganlage wird benötigt. Dann hätten die Leichtathleten auch wieder die Möglichkeit, hier ihre Kreismeisterschaften auszurichten. Im vorigen Jahr fanden auf dem Amtshausberg bereits die Crosslauf-Kreismeisterschaften statt. Der Verband möchte sie im nächsten Jahr dort wieder haben. In einem sanierten Jahnstadion könnten auch die meisten Disziplinen fürs Sportabzeichen abgenommen werden.

Sportplatz Exter

Der Sportplatz Exter wird in einen Kunstrasenplatz umgewandelt. Wann geht es los?

Koch: Am 8. September ist der beauftragte Projektplaner vor Ort. Er wird dann mit den Sportvereinen die Details der bevorstehenden Ausschreibung besprechen. Ich rechne damit, dass die Arbeiten spätestens im November starten werden und dass der Platz dann bis Sommer 2021 zur Verfügung steht.

Sind auch im Rudolf-Kaiser-Stadion Arbeiten erforderlich?

Koch: Die Kunstrasendecke muss im nächsten Jahr ganz dringend ausgetauscht werden. Als sie eingebaut wurde, war man davon ausgegangen, dass sie nur 15 Jahre halten wird. Jetzt ist der Kunstrasen schon 20 Jahre alt. Der Platz ist völlig verschlissen. Ein Aufschub ist nicht mehr möglich. Der Verein hätte sonst kein Spielfeld mehr. Im nächsten städtischen Haushalt müssen dafür dringend 250.000 Euro eingestellt werden.

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