Vlotho soll von ISEK und Regionale-Projekt erheblich profitieren

Attraktiver und lebenswerter

Vlotho (WB)

Vlotho soll attraktiver und lebenswerter werden. Profitieren sollen am Ende alle – der Wirtschaftsstandort, die Lebensqualität der Bevölkerung, die Innenstadt, der Naturschutz und auch der Tourismus samt Naherholung. Die Neuauflage des Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) in Verbindung mit dem 2022er-Regionale-Projekt „Erlebnisraum Weserlandschaft“ soll es möglich machen.

Jürgen Gebhard 

Der Bereich rund um die Weserbrücke ist alles andere als ein Schmuckstück. . Foto: Jürgen Gebhard

„In den siebziger Jahren hat Vlotho viel Charme und Flair verloren“, sagt Bürgermeister Rocco Wilken. Straßen für Autos haben damals die Stadtentwicklung vorangetrieben. Die Weserstadt ist seitdem zerschnitten, schon Jahrzehnte vorher hatte der hohe Bahndamm den Blick auf den Fluss genommen. Einiges soll sich nun ändern. Bis zum Jahr 2030 soll das Konzept „Vlotho AN der Weser“ oder auch „Vlotho 2030“ Realität sein.„Im städtischen Haushalt sind Mittel dafür bereits enthalten“, betont der Bürgermeister.

„Es ist kein Selbstzweck“, stellt Stadtentwickler Michael Fißmer fest. Politik und Bürgerschaft hätten hierzu in den nächsten Jahren viel zu entscheiden. Unabhängig von der Regionale habe die Bezirksregierung bereits erforderliche Fördergelder angekündigt.

Die Unterführung auf dem Bahnhofsgelände könnte in Richtung Weser und Radweg geöffnet werden. Foto: Jürgen Gebhard

Es geht dabei um sechs Einzelprojekte:

1. Die Weseraue zwischen zwischen Bahnhof und Ende Hafen/Anfang Naturschutzgebiet: ein „absolut wichtiges Projekt“ (Fißmer) mit den vier Bereichen Hafen, Bolzplatz, Einmündung Forellenbach und Bahnhof – hier könnte eines Tages die vorhandene Fußgänger-Unterführung zu den Bahnsteigen geöffnet und Richtung Weser zum Radweg und zu einem neuen Kanuanleger weitergeführt werden. Weiterhin aktuell bleibe in diesem Zusammenhang der Lückenschluss des „alternativen Weserradweges“ im Ortsausgang Richtung Kalletal.

2. Der Bereich zwischen Bahndamm (Zollweg), Seniorenheim und Klosterstraße (einschließlich Brückenauffahrt und Parkplatz unter der Brücke): Die hier besonders schwierigen Möglichkeiten einer positiven Veränderung sollten durch einen Wettbewerb im Rahmen von ISEK aufgezeigt werden.

In der Innenstadt stehen zahlreiche Geschäfte leer. Die Stadt will neue Nutzungsmöglichkeiten entwickeln. Foto: Jürgen Gebhard

3. Die Innenstadt ab Rathaus etwa bis Roseneck: Die Stadt möchte mit den Immobilien-Eigentümern ins Gespräch kommen, Fördermöglichkeiten aufzeigen und den Wandlungsprozess hin zur Schaffung von Wohnraum oder attraktiven Geschäftslokalen für Gewerbe oder Tourismus unterstützen. Wer sich angesprochen fühle, solle bereits jetzt Kontakt mit der Stadt aufnehmen.

Das Burggelände als touristisches Ziel könnte optimaler mit Weser und Innenstadt vernetzt werden Foto: Jürgen Gebhard

4.Der Burghang im Bereich der ehemaligen Gärten zwischen Apothekerweg und Coringweg: In sehr enger Zusammenarbeit mit dem Naturschutz wolle man den wilden Bewuchs entfernen, die Artenvielfalt erhöhen, aber keinesfalls hochwertige Baumbestände aufgeben. Das Ziel, so der Bürgermeister: „Umweltschutz, Naturschutz und Tourismus sollen profitieren.“

5. Die Burg: Nachdem mit der Regionale im Jahr 2000 bereits viel Vorarbeit geleistet worden sei, sollen nun die Burgruine und deren Geschichte erlebbar gemacht werden. Unter anderem durch einen begehbaren Zeitstrahl und durch Veränderungen am Burgparkplatz. Der solle „in großen Teilen“ erhalten bleiben. Unmittelbar vor der Burg solle ein neuer Aufenthaltsbereich mit einem attraktiven Spielplatz (auch als Ersatz für den am Jahn-Stadion) geschaffen werden.

Im Zusammenhang mit diesem Einzelprojekt könnte auch die Schwedenschanze in der Nähe samt ihrer jahrhundertealten Geschichte in den Fokus genommen werden.

6. Die touristische und ökologische Entwicklung auf Uffelner Seite im Rahmen eines Weser-Gesamtkonzeptes mehrerer Anrainer-Gemeinden unter Federführung des Kreises Höxter.

Kommentar von Jürgen Gebhard

„Prägend für das Image von Vlotho muss die Anbindung des Weserareals an die Innenstadt werden.“ Dieser Satz könnte aus dem zur Regionale 2022 erstellten Rahmenkonzept „Erlebnisraum Weserlandschaft“ stammen. Tatsächlich entnommen ist er der im Jahr 2001 veröffentlichten „Rahmenplanung Innenstadt Vlotho“. Aus jener Broschüre stammt auch das folgende, weiterhin hochaktuelle Zitat: „Die Innenstadt Vlotho muß ihre weitere städtebauliche Entwicklung zur Stärkung der vorhandenen Potenziale nutzen. Denn nicht die Quantität des Angebots, sondern die Qualität kann die Wahrnehmung Vlothos verändern.“ Auch die Aufwertung des Burggeländes ist keinesfalls eine neue Idee: Bereits zum Expo-Jahr 2000 geschah dort einiges – zum Beispiel die Herrichtung des Pallas, der Bau der neuen Bühne und des Weser-Ausgucks oder die längst wieder eingestellte Illumination des Brunnes und des Funkturms als „Lichter der Höhe und der Tiefe“. Die Umgestaltung des Sommerfelder Platzes und der Fläche vor der Kulturfabrik, die neuen Pflastersteine in der Innenstadt, der Busbahnhof, die touristische Nutzung des Hafenareals und vieles mehr sind heute sichtbare Ergebnisse der vor mehr als zwei Jahrzehnten angestoßenen Planungen. Selbst die gerade gestartete Neugestaltung des Kirchplatzes vor St. Stephan stammt aus jener Zeit. Nur für den Autoverkehr war in den 1970er Jahren eine brutale Schneise durch die einst idyllische Weserstadt geschlagen worden. Schon allein vor diesem Hintergrund ist es richtig und erforderlich, dass seit mehr als 20 Jahren jedes Förderprogramm und jede Regionale genutzt werden, um die Stadtentwicklung mit neuen – aber auch mit alten – Ideen voranzubringen.

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