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Carla Berling liest aus „Pechmaries Rache“

Die Leiche im Borstenbach

Vlotho (WB). Da stimmt doch was nicht“, denkt Ira Wittekind. Die Hauptfigur von Carla Berlings neuem Roman „Pechmaries Rache“ schreibt als Reporterin über den Hellberger Hof in Bad Oeynhausen. Was sie dort findet, ist grausam. Die Autorin hat die Geschichte in der Kulturfabrik vorgelesen.

Frank Lemke

Die Krimi-Autorin Carla Berling liest in der Vlothoer Kulturfabrik aus ihrem neuen Werk „Pechmaries Rache“- Foto: Frank Lemke

„Sind sie von der Zeitung?“, fragt ein Gaffer, der hinter dem Absperrband der Polizei bleibt. Zwei Tote in fünf Tagen ziehen viele Schaulustige zum Hellberger Hof. Ira Wittekind arbeitet in dem Roman für eine seriöse, renommierte Zeitung. Die Spannung in der Szene mit den Schaulustigen ist subtil. Carla Berling beschreibt ungehobelte Nachbarn, Blaulicht und mittendrin eine Frau, die von den Ereignissen überrascht wird.

„In meinen Romanen verarbeite ich viele eigene Erlebnisse“, sagt Carla Berling. Ab 1995 hatte sie sieben Jahre lang für das WESTFALEN-BLATT als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Der Job sei für sie Berufung gewesen. Am liebsten habe sie die Rubrik „Menschen in unserer Stadt“ geschrieben. Damals ging sie einfach auf die Straße, interviewte eine fremde Person und schrieb ihre Geschichte in einem Artikel für die Leser nieder. „Das hat mir am meisten Spaß gemacht. Von diesen Lebensentwürfen zehre ich heute noch“, sagt Carla Berling.

Erstes Buch vor 20 Jahren veröffentlicht

Ihr erstes Buch hat die gebürtige Bad Oeynhausenerin vor 20 Jahren veröffentlicht, damals unter dem Namen Peggy Wehmeier. Der Verlag war klein. Die Werbung fehlte. Sie verkaufte wenig. Später entschied sie sich für den Selbstverlag. Sie schrieb Krimis, Komödien, Ratgeber, gab Lesungen in etwa 300 Städten. Mit Ira Wittekind hatte sie großen Erfolg. Sie reiste bis in die Schweiz, um dort aus Büchern wie „Mordkapelle“, „Sonntags Tod“ oder „Tunnelspiel“ zu lesen. Schließlich kamen der Heyne- und der Ullstein-Verlag auf sie zu. Heute steht ihr Name in Bestseller-Listen, unter anderem in der des Spiegels.

Ihr Krimi „Pechmaries Rache“ ist voller lebendiger Figuren, die trauern, wütend sind und Gefühle verarbeiten. Viele Orte, an denen sie sich bewegen, kennen die meisten Zuhörer aus ihrer Kindheit: Das alte Sägewerk nahe der Weser-Kuss-Brücke ist Kulisse. Im Borstenbach in Bad Oeynhausen liegt eine Leiche. Die etwa 50 Gäste hatten konkrete Bilder vor Augen und hörten sehr aufmerksam zu.

Zum Ausgleich Komödien schreiben

„Beim Schreiben eines Krimis muss der Autor in seine Figuren eintauchen“, sagt Carla Berling. Beim Schreiben wird sie in Gedanken zum Opfer, Täter, zu trauernden Verwandten, Freunden, akribischen Ermittlern. Bad Oeynhausen biete viel Stoff. Ideen hat sie reichlich. Als Ausgleich schreibt sie gerne Komödien. Derzeit arbeitet sie an einem Buch über eine misslungene Silberhochzeit.

Der Plot von „Pechmaries Rache“ besteht aus vielen Rätseln und Details, die am Ende zu einer überraschenden Einsicht führen. Das Taschenbuch mit 352 Seiten ist am 9. Dezember im Heyne-Verlag erschienen. Bei der Lesung in der Kulturfabrik haben die Gäste den Büchertisch leer gekauft.

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