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Bauarbeiten sollen im Herbst starten – Stadt hat angrenzenden Güterbahnhof gekauft

Empfangsgebäude wird Hotel

Vlotho (WB). Die Bauarbeiten im Vlothoer Bahnhof sollen im Herbst starten. Nach der umfangreichen Sanierung des denkmalgeschützten Empfangsgebäudes soll hier nunmehr ein Hotel mit Gastronomie eröffnen. Und auch der unmittelbar an das Gelände angrenzende Güterbahnhof soll verschwinden. Den hat die Stadt Vlotho jetzt gekauft.

Jürgen Gebhard

Der äußere Eindruck täuscht: Auch wenn sich seit Monaten nichts mehr am alten Vlothoer Bahnhof tut, so haben die Investoren ihr Interesse nicht verloren. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, soll die Umgestaltung beginnen. Foto: Jürgen Gebhard

Der Stadt geht es mit dieser Investition vor allem darum, den Eingangsbereich aus Richtung Bad Oeynhausen optisch aufzuwerten. Obwohl das Gelände etwa 9000 Quadratmeter groß ist, sei eine Bebauung kaum möglich.

Bürgermeister Rocco Wilken weist auf die zwingend einzuhaltenden Abstandsflächen auf dem schmalen Grundstück hin: »Ab Teerkante der Straße sind 20 Meter Abstand zu einem Gebäude einzuhalten, größere Abstandsflächen gibt es auch zu den Gleisen hin.« Eine zukünftige Nutzung werde im Zusammenhang mit dem Bahnhofsprojekt entwickelt. Nach dem Abriss der Ruine könnten Parkplätze geschaffen werden.

Das Gelände des Güterbahnhofs hatte einem Vlothoer Unternehmer gehört, der noch einige andere Objekte in Vlotho besitzt. Gespräche über die Zukunft des Güterbahnhofs hatte die Stadt schon zu Zeiten von Bürgermeister Bernd Stute und Kämmerer Herbert Obernolte geführt. »Dem Kauf jetzt sind in den vergangenen zwei Jahren sehr intensive Verhandlungen vorausgegangen«, freut sich Rocco Wilken.

Gärtner haben den Bahnhof freigeschnitten

Das Grundstück des Güterbahnhofs hatte bislang auch die Entwicklung des direkt angrenzenden Bahnhofs-Empfangsgebäudes eingeschränkt. Vor einigen Monaten war das halb verfallene Backsteingebäude freigelegt worden: Gärtner hatten ringsherum den dichten Bewuchs entfernt. Seitdem hatte sich an dem Objekt allerdings kaum etwas getan.

Die Planer haben die Umgestaltung weiter vorangetrieben. »Inzwischen liegen die Fachgutachten unter anderem zum Brandschutz, zum Licht- und Schallschutz und auch zum Artenschutz vor«, sagt Karl H. Ueckermann, der die für Konzept und Entwicklung zuständige ReCon, die Realty Consulting Group aus Bad Salzuflen, vertritt. Alle Anforderungen und baurechtliche Vorgaben könnten eingehalten werden.

Eingestürzte Decken müssen erneuert werden

Auf der Grundlage dieser Fachgutachten werde derzeit der Bauantrag erarbeitet. Beantragt werde hier in unmittelbarer Nähe zum Autobahnzubringer der Bau eines Hotels mit angeschlossener regionaler Gastronomie. »Wir rechnen damit, dass wir im Herbst mit den Bauarbeiten beginnen können«, so Ueckermann. Eine Entkernung ist erforderlich.

Gleich zu Beginn der Bauarbeiten müssten die teilweise eingestürzten oder durchgefaulten Decken segmentweise erneuert werden. Ein Termin für die geplante Fertigstellung könne noch nicht genannt werden. Erste Gespräche mit Handwerkern seien bereits geführt worden.

Nutzungsänderungsantrag verzögert die Genehmigung

Für erhebliche Verzögerungen im Genehmigungsverfahren hat bislang unter anderem die Nutzungsänderung gesorgt. Weil das Gebäude zukünftig keinen Bahnhof mehr beherbergen wird, sind zahlreiche Vorschriften zu beachten, die sonst nicht zum Tragen gekommen wären.

Im März 2017 hatten die Investoren den Bahnhof übernommen, dessen Erhalt zuvor Bürgerbahnhofsverein und Bahnhofsgenossenschaft vorangetrieben hatten. Nach dem ursprünglichen Zeitplan sollte das sanierte Bahnhofsgebäude bereits im Herbst 2018 eröffnet werden.

Kommentar

Auch wenn es von außen nicht so aussieht: Die Arbeiten zur Sanierung des verfallenen Vlothoer Bahnhofs sind nicht eingestellt worden. Ganz im Gegenteil. Hinter den Kulissen haben die Investoren ihre Hausaufgaben gemacht. Sie haben die erforderlichen Fachgutachten erstellt, um die hohen Hürden des Baurechts einhalten zu können. Es spricht nun einiges dafür, dass sie hier tatsächlich in absehbarer Zukunft ein Hotel eröffnen können. Das ist die erste gute Nachricht. Die andere gute Nachricht ist die, dass das völlig vergammelte Gelände des Güterbahnhofs endlich an die Stadt verkauft worden ist. Zwei Schandflecke direkt am Ortseingang werden hoffentlich schon bald der Vergangenheit angehören. Damit hatte kaum noch jemand gerechnet.

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