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Spielschulden: Buchhalterin aus Vlotho hat 250.000 Euro für Lebenspartner veruntreut

„Er hat mich nicht angestiftet“

Vlotho (WB)

Es geht um Spielschulden, um skrupellose Geldeintreiber und um die Frage, ob die jetzt arbeitslose Buchhalterin aus Vlotho von ihrem Lebenspartner angestiftet worden war, 250.000 Euro vom Firmenkonto abzuzweigen, um damit dessen enorme Verbindlichkeiten zu begleichen.

Jürgen Gebhard

Im Zeugenstand bezeichnete sich die bereits vor einiger Zeit wegen Veruntreuung zur Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilte Vlothoerin als Verlobte des Angeklagten. Ganz im Stillen hätten sich beide im November das Eheversprechen gegeben. Mit dieser Aussage überraschte sie Amtsrichter Dr. David Cornelius. Der zog sich für eine Viertelstunde zurück und stellte dann ohne Widerspruch klar: Das Zeugnisverweigerungsrecht greift nicht, der Angeklagte hat die Zeugin stets nur „Lebensgefährtin“ genannt.

Hatte der Angeklagte die Frau im Zeugenstand in 123 Fällen zwischen März 2015 und November 2018 tatsächlich dazu angestiftet, insgesamt rund eine Viertelmillion Euro vom Konto der kleinen Vlothoer Firma auf eigene Konten umzuleiten, um es ihm anschließend zur Begleichung seiner Schulden zu geben? Diese Frage konnte am Donnerstag im Amtsgericht Bad Oeynhausen noch nicht geklärt werden.

Bei den Schulden handelte es sich offensichtlich um Spielschulden, die der seit Jahren arbeitslose Mann angehäuft hatte. Ursprünglich seien es 200.000 Euro gewesen, im Laufe der Zeit seien daraus 400.000 Euro geworden. Details wurden nicht genannt. Nur soviel: Über ein Prepaid-Handy sei der Angeklagte an irgendwelche Orte geordert worden, um Teile seiner Schulden mit größeren Bargeldsummen zu begleichen. Einmal hätten die Geldeintreiber ihm mit dem Baseballschläger die Finger der linken Hand verletzt. „Ich bin eingeschüchtert worden. Sie haben mein Leben kaputt gemacht“, sagte er vor Gericht. Mit seiner Lebensgefährtin habe er nie über Details gesprochen.

Die Zeugin stellte sich vorbehaltlos hinter den Mann, mit dem sie seit mehr als drei Jahrzehnten zusammenlebt. Die Staatsanwältin unterbrach die Aussage und wies auf die Folgen einer Falschaussage bei laufender Bewährungsfrist hin. Die Zeugin blieb dabei: Sie allein habe das Geld unterschlagen. Er habe nicht gewusst, dass das Geld aus der Firma komme. Er habe sich mit Leuten angelegt, die nicht zimperlich seien und er habe Schulden gehabt: „Er hat mich nicht angestiftet. Er hat mich nur gebeten, ihm zu helfen.“

Ähnliches hatte auch der Verteidiger in einer schriftlichen Erklärung festgestellt: Der Angeklagte habe seine Lebensgefährtin wiederholt um Geld gebeten, was sie ihm auch immer wieder gegeben habe. Der Angeklagte habe angenommen, dass das Geld aus einer Erbschaft stamme.

Als die Veruntreuungen schließlich aufgeflogen seien, habe er sich gegenüber seiner Lebensgefährtin schuldig gefühlt und habe beim Notar ein Schuldanerkenntnis unterschrieben: „Ich wollte sie damit nicht alleine lassen.“ Als Zeuge geladen war auch der Rechtsanwalt der geschädigten Firma. Ihm, dem Notar und den Geschäftsführern gegenüber habe der Angeklagte damals sehr wohl zugegeben, die treibende Kraft gewesen zu sein, sagte er.

Die Verhandlung wird Mitte März mit drei weiteren Zeugen fortgesetzt.

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