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Giftiges Jakobskreuzkraut wuchert an Vlothoer Wiesenrändern – Mähaktionen laufen

Gefährliche Blütenpracht

Vlotho (WB). Teppiche von leuchtendem Goldgelb sind zurzeit auf Wiesen und in Randstreifen eine Augenweide fürs menschliche Auge, nicht aber eine bekömmliche Weide fürs Vieh. In den örtlichen Straßengräben und auf zahlreichen Grünflächen blüht die hochgiftige Pflanze Jakobskreuzkraut (Senecio Jacobaea), ein optisch schönes Kraut, wie kleine Margeriten aussehend.

Gisela Schwarze

Fleißige Sammler, die Jakobskreuzkraut in Sorge um die Gesundheit von Tier und Mensch ausrotten möchten, sind von links: Louis Hense, Melanie Hense, Merle Hense auf ihrem Pony, Enrica Obernolte, Sabine Flörkemeier, Ina Bohlmeier und Ludwig Hense. Foto: Gisela Schwarze

Die engagierte Wehrendorferin Melanie Hense hat es sich zur Aufgabe gemacht, in den Straßengräben an der Neuen Landstraße, der Salzuflener Straße und ihrer gesamten Wohnumgebung die hochgiftige Pflanze zu entfernen. Auch ihre beiden Kinder Louis (9) und Merle (7) sind inzwischen kleine Experten in Sachen Jakobskreuzkraut, können es von dem ähnlich aussehenden Johanniskraut unterscheiden.

„Wir reißen das wild wuchernde Kraut möglichst mit seinen Wurzeln aus und sammeln es ein“, erzählt Louis. Die Schaufel seines kleinen Traktors hat er bereits mit dem Giftkraut beladen.

Gefahr für Nutztiere

„Die Pflanze ist sehr giftig, besonders für Pferde, und darf nicht verfüttert werden“, weiß Melanie Hense. Pflanzenteile enthalten Pyrollizidin-Alkaloide (sekundäre Pflanzenstoffe, die vor Fraßfeinden schützen). In der Leber werden die Schadstoffe nach Nahrungsaufnahme zu giftigen Substanzen umgewandelt. Auch für Rinder sei das Kraut giftig, habe aber nicht so verheerende Auswirkungen wie bei Pferden.

„Alle Nutztiere reagieren unterschiedlich auf die Giftstoffe“, weiß Melanie Hense. Die höchsten Giftmengen vertrügen Schafe und Ziegen. Die Giftstoffe wirken in den frischen Pflanzen, im Heu und in der Silage. Im Juli ist die Hauptblütezeit des dekorativen Korbblütlers, der auf einem kräftigen Stängel bis zu einem Meter hoch werden kann.

Aussamen verhindern

„Ein hohes Risiko besteht bei der Heunutzung. Bei der Trocknung bauen sich die Bitterstoffe ab, die Giftstoffe bleiben erhalten“, nennt Ina Bohlmeier die Riesengefahr für Leib und Leben von Pferden. Als Eigentümerin des Pferdehofs Bohlmeier an der Dornberger Heide hat sie dem Jakobskreuzkraut seit Jahren die Kampf angesagt.

„Nur ein regelmäßiger Schnitt kann das Jakobskreuzkraut eindämmen. Keineswegs darf es zur Blüte gelangen, um ein Aussamen zu vermeiden“, so Ina Bohlmeier. Zweimal jährlich sei unbedingt ein Mulchen der befallenen Flächen erforderlich, dabei sei es wichtig, frühzeitig zu mulchen. Die Blütezeit von Jakobskreuzkraut beginnt im Juni und endet im Oktober.

Schädlich für Menschen

Negative Auswirkungen können die hübschen gelben Blüten auch auf die Gesundheit von Menschen in Form von Leberschäden haben. Sekundäre Pflanzenstoffe, in geringen Mengen nachgewiesen im Honig, können schädliche Beeinträchtigungen bewirken. Ein gesetzlicher Grenzwert für sekundäre Pflanzenstoffe im Honig wurde bisher nicht festgesetzt.

Weil die Blüten des Jakobskreuzkrautes nur wenig Nektar spenden, werden sie zwar von Bienen angeflogen, aber meistens nur mangels anderer nektarreicher Blüten. Dennoch ist eine Verunreinigung durch die Alkaloide über den Nektar der Pflanze möglich.

Bauhof ist im Thema

„Auf jeden Fall werde ich unsere Mitarbeiter sensibilisieren, auf die Ausbreitung von Jakobskreuzkraut auf städtischen Flächen zu achten, dann dort tätig zu werden und zu mähen. Gifte setzen wir grundsätzlich nicht ein, eine mechanische Bekämpfung schon“, äußerte sich Christian Homeier, Leiter der Vlothoer Wirtschaftsbetriebe. Futterverwertung erfolge ja durch den Bewuchs auf städtischen Flächen nicht.

Wichtig sei eine solche Maßnahme zum Entfernen des Giftkrauts auf jeden Fall, denn bei Massenvorkommen an Straße- und Wegerändern könnten direkt benachbarte Weideflächen betroffen werden, so Ina Bohlmeier. „Wer helfen möchte, das gefährliche Jakobskreuzkraut zu entfernen und sich nicht auskennt, kann sich gern bei mir melden. Ich erkläre die Merkmale, vor allem den Unterschied zum Johanniskraut“, bietet Ina Bohlmeier Interessierten an.

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