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Haus und Grund: Immobilien auf dem Land schwer verkäuflich

Haus und Grund: »Da werden Werte vernichtet«

Vlotho (WB). Wohneigentum auf dem Land kann sehr oft nur mit hohem Wertverlust verkauft werden. Die Ursache liegt nach Ansicht von Martin Mücke, dem OWL-Bezirksvorsitzenden des Eigentümervereins Haus und Grund, in der Vernachlässigung des ländlichen Raums durch die Politik.

Bernhard Hertlein

Von links: Der Vorsitzende Martin Mücke, Stellvertreter Norbert Stukenbröker und Geschäftsführer Jürgen Upmeyer bilden die Spitze des OWL-Bezirksverbands von Haus und Grund. Foto: Bernhard Hertlein

»Die Bundes- und in der Vergangenheit auch die NRW-Landesregierung konzentrieren sich allein auf die Großstädte und Ballungszentren«, sagte Mückes Stellvertreter Norbert Stukenbröker aus Lemgo. Dabei könnte die dortigen Mieten sinken, wenn wieder mehr Menschen ins Umland zögen. »Doch dazu müssen sich die Lebensbedingungen auf dem Land verbessern«, forderte er am Freitag am Rande der Mitgliederversammlung von Haus und Grund OWL in Vlotho.

Mücke nannte die schwindenden Einkaufsmöglichkeiten und fehlenden Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs als Haupthindernis vor allem für ältere Menschen, ihren Wohnsitz auf dem Land zu nehmen. Filialschließungen der Geldinstitute und Defizite in der ärztlichen Versorgung seien weitere Gründe für zunehmende Leerstände. Im Falle junger Familien komme die mangelhafte Versorgung mit Kitas und Schulen auf dem Land hinzu.

Scharfe Kritik an Plänen der SPD

In diesem Zusammenhang begrüßte Jürgen Upmeyer, Geschäftsführer des Bezirks OWL, kommunale Projekte, die es Senioren ermöglichen, ihr Haus zu verlassen und am Ort in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Ihre bisherige Liegenschaft könne dann von Familien genutzt werden.

Scharfe Kritik übte Mücke an Plänen der SPD, die gesetzlichen Regelungen zur Mietpreisbremse zu verschärfen: »Auf diese Weise bremsen die Politiker die Neubauten in den Ballungszentren, die dringend notwendig sind.« Auf dem Land seien die Mieten ohnehin in vielen Fällen nicht einmal kostendeckend. Die vor wenigen Tagen erfolgte Warnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vor einer unbegrenzten Ausweisung von Neubaugebieten im ländlichen Raum werde von Haus und Grund geteilt. Die Kommunen sollten sich stattdessen auf Lückenschließungen und Renovierungen im Bestand konzentrieren.

Keine steigenden Mieten zu befürchten

Ausgesprochen gute Noten erteilte Haus und Grund der neuen Regierungskoalition in Düsseldorf. Der Plan, die Grunderwerbssteuer erst ab einer Freigrenze von 250.000 Euro zu erheben, stütze vor allem junge Familien. Nachdem der Steuersatz in NRW in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt worden sei, betrage er bei der genannten Summe jetzt schon mehr als 16.000 Euro – ein Wert, der Familien abhalten könne, Wohneigentum zu bilden. Bezahlbare Wohnungen seien nur durch bezahlbares Bauen möglich.

Auch wenn die neue Landesregierung einige Verschärfungen bei der Mietpreisbremse rückgängig mache, sind nach Ansicht Mückes keine steigenden Mieten zu befürchten. Den kleinen und mittleren Wohnungseigentümern seien verlässliche Mieter am wichtigsten. Dafür würden die allermeisten auf höhere Rendite verzichten, meinte Mücke. Mit Sorgen blickt der Vorsitzende auf den bevorstehenden Bundestagswahlkampf: »Offenbar eignet sich der Immobilienmarkt in besonderer Weise, um mit Ideologien zu punkten.

Den 46 Ortsvereinen von Haus und Grund in OWL gehören 21.757 Immobilieneigentümer an. Bundesweit zählt der Interessenverband 900.000 Mitglieder.

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