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Stadt Vlotho rechnet noch vor Baubeginn mit 780.000 Euro Mehrkosten

Höltkebruchstraße wird viel teurer

Vlotho (WB). Der Ausbau der Höltkebruchstraße wird schon jetzt 780.000 Euro teurer als bisher kalkuliert. Die Stadt geht inzwischen von 3,87 Millionen Euro Kosten für das Gesamtprojekt aus – ein Plus von rund 25 Prozent.

Jürgen Gebhard

Anwohner haben schon vor Wochen Schilder an Bäumen aufgehängt, um gegen den Ausbau der Höltkebruchstraße zu protestieren. Es geht ihnen auch um die erheblichen Kosten, die die Grundstückseigentümer zu tragen haben. Foto: Jürgen Gebhard

Diese Zahlen stehen in einer vom Bürgermeister unterzeichneten Verwaltungsvorlage, über die der Ausschuss für Baubetriebshof und Straßen an diesem Donnerstag, 29. August, beraten soll (17 Uhr, Sitzungssaal der Stadtwerke, Weserstraße 9). Unter dem Tagesordnungspunkt Sieben geht es dann in öffentlicher Sitzung um das Thema »Ausbau der Höltkebruchstraße im Abschnitt Einmündung Kaitenweg bis Einmündung von-Bodelschwingh-Straße, Bauprogramm«.

In der Vorlage wird darauf hingewiesen, dass »nach dem jetzt fertiggestellten Leistungsverzeichnis« mit »bereinigten Gesamtprojektkosten von 3.870.000 Euro« gerechnet werde: »Diese liegen damit um 780.000 Euro über der bisherigen Kalkulation.«

Entwurfsplanung aus Jahr 2008

Die Begründung für diese Kostensteigerung findet sich in einem der Verwaltungsvorlage beigefügten Schreiben eines beauftragten Ingenieurbüros. Kernaussage: Die vor zwei Jahren für den Förderantrag vorgenommene Kostenberechnung beruht auf einer Entwurfsplanung aus dem Jahr 2008. Diese Entwurfsplanung habe man »im Zuge der Erstellung des Förderantrags weisungsgemäß geringfügig angepasst, ohne eine grundsätzliche Überprüfung des Entwurfs durchzuführen«. Bereits berücksichtigt habe man allerdings einen Zuschlag für die aktuellen Mehrkosten im Bausektor.

Kostensteigerungen würden sich unter anderem durch Schadstoffbelastungen des Bodens, durch die teilweise notwendige Erneuerung des Oberbaus, durch Änderungen bei Entwässerungseinrichtungen und vor allem beim Kanalbau ergeben.

Ende Mai war das Bauprogramm für die Höltkebruchstraße im Ausschuss für Baubetriebshof und Straßen unter Protest der Anlieger beschlossen worden . Als Gesamtkosten für die rund 1,3 Kilometer lange Strecke waren da noch 3,1 Millionen Euro genannt worden. »Das Land gibt 945.600 Euro Fördermittel. Der städtische Anteil würde 1,3 Millionen Euro, der Anliegeranteil 800.000 Euro betragen«, hieß es damals.

Änderung des Bauprogramms

In der Ausschusssitzung soll nun auch eine Änderung des Bauprogramms in einem etwa 290 Meter langen Abschnitt beschlossen werden. Dadurch könnten 96.000 Euro eingespart werden. Hierzu heißt es in der Verwaltungsvorlage: »Der Neubau eines Regenwasserkanals erfolgt von der Einmündung der Schwedenstraße bis zur Einmündung der Ernst-Albrecht-Straße und von der Einmündung der Oberbecksener Straße bis zur Einmündung der von-Bodelschwingh-Straße.« Das nach den bisherigen Planungen in den Wegeseitengraben abzuführende Oberflächenwasser könne in den vorhandenen Mischwasserkanal abgeleitet werden.

Bürgermeister Rocco Wilken verweist darauf, dass es sich beim Ausbau der Höltkebruchstraße keinesfalls um einen »Luxusausbau« handele. DIN-Normen würden den Rahmen festlegen. Bei möglichen Abweichungen müsse man mit Problemen bei den Fördermitteln oder bei Haftungsfragen rechnen. Eine komplette Neuplanung sei keine sinnvolle Alternative, zumal dann das gesamte Verfahren erneut durchlaufen werden müsste. Wilken: »Für die Verwaltung steht der Plan nicht zur Diskussion.«

Die Ausschreibung der Gesamtmaßnahme »Ausbau der Höltkebruchstraße« soll unmittelbar nach der Sitzung des Fachausschusses erfolgen.

Kommentar

Erst Ende Mai hatte der Ausschuss das Bauprogramm beschlossen. 3,1 Millionen Euro sollte die »neue« Höltkebruchstraße kosten. Bevor der erste Bagger seine Arbeit begonnen hat, steht fest, dass alles noch viel teurer wird. Nun sollen es 3,87 Millionen Euro sein. Den bislang gültigen Kalkulationen lagen Zahlen aus dem Jahr 2008 zugrunde. Wegen der Kostensteigerungen im Bauwesen hatte man die vorsichtshalber um 21 Prozent nach oben korrigiert. So weit, so gut, aber trotzdem nicht ausreichend. Denn leider hat sich erst beim genaueren Hinsehen herausgestellt, dass die elf Jahre alte Entwurfsplanung in verschiedenen Punkten korrigiert werden muss. Vor allem beim Kanalbau. Dort gehen die Ingenieure einer knappen halben Million Euro Mehrkosten aus. Die Anlieger, die auch nach einer KAG-Änderung einen Teil der Gesamtkosten bezahlen müssen, werden kaum Verständnis für die Kostensteigerung haben, zumal die mit einiger Sicherheit auch nicht die letzte sein wird. Niemand würde es wundern, wenn am Ende 5 Millionen Euro oder noch mehr unter dem Strich stehen bleiben. Jürgen Gebhard

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