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Andreas Gruber kommt nach Vlotho und kündigt im Interview Publikumsnähe an

Humor hilft gegen die Beklemmung

Vlotho (WB). Wer Spaß an Spannung hat, an schwarzem Humor und auch am Plausch mit einem mitteilungsfreudigen Autor, sollte am Freitag, 14. Februar, den Abend mit Andreas Gruber in der Kulturfabrik Vlotho nicht verpassen. Im Interview mit Redakteurin Heike Pabst gibt der österreichische Autor schon einen Vorgeschmack auf das, worauf sich das Publikum freuen darf.

Seine wahre Stärke ist das Wort: Autor Andreas Gruber liest bei seinem Auftritt in Vlotho aus dem Thriller „Todesmal“, in dem eine Nonne ankündigt, in sieben Tagen sieben Morde zu begehen. Foto: Barbara Wirl

In Ihrem Buch „Todesmal“ zeigt sich Profiler Maarten S. Sneijder erneut von seiner besten Seite. Angesichts der genüsslich zur Schau gestellten Arroganz dieses Herrn fragt man sich: Was macht den Reiz von Ermittlern mit zwischenmenschlichen Problemen aus? Man denke nur an John Rebus von Ian Rankin, an Logan McRae von Stuart McBride….

Andreas Gruber: Zunächst mal: Maarten S. Sneijder hat keine zwischenmenschlichen Probleme. Alle anderen haben Probleme mit ihm, weil er so ein arroganter Kotzbrocken ist, der jeden spüren lässt, für wie genial er sich selbst hält. Und das ist das Reizvolle für mich als Autor, dass ich über eine Figur schreiben kann, die jeden zur Sau macht, nur weil sie das Pech hatte, auf Maarten S. Sneijder zu treffen. Ich bin charakterlich das genaue Gegenteil von Sneijder, weil ich einfach zu gut erzogen bin, aber er wagt es, bestimmten Menschen das zu sagen, was ich mich niemals trauen würde. So gesehen ist er die dunkle Seite meines Alter Ego, mein Mr. Hyde.

Wer glaubwürdig über schwere Verbrechen, die psychischen Folgen für Opfer von Gewalt und Entführungen schreiben will, muss tief in die Materie eintauchen. Ist es schon vorgekommen, dass Sie schlechte Träume bekommen haben oder Ihnen ein Thema zu nahe gegangen ist?

Andreas Gruber: Ja, stimmt, die Themen sind düster, die Mörder sind völlig abartige Charaktere, die Mordvarianten sind alles andere als normal, und genau aus diesem Grund ist es wichtig, dass ich ab und zu mal im Roman ein paar humorvolle, zynische oder schwarz-humorige Szenen einbaue. Zur Auflockerung, damit man zwischendurch über einen Dialog befreit auflachen und die beklemmende Szenen wieder abschütteln kann. Das ist wichtig für die Leser, aber auch wichtig für mich als Autor, der ja ein Jahr Arbeit mit diesem Stoff verbringt. Der Humor im Subtext tut mir gut und lässt mich nicht vergessen, dass das alles – zum Glück – nur ein Roman ist.

Lesen Sie auch Bücher, die man nicht auf Ihrem Nachttisch erwarten würde? Rosamunde Pilcher? Jane Austen?

Andreas Gruber: Ja, das kommt sogar sehr häufig vor. Ich lese gerne Kinder- und Jugendbücher, etwa „Die drei ???“ oder die Knickerbocker-Bande von Thomas Brezina. Gern Sachbücher über Psychologie, Gehirnforschung, Astronomie, Film und Kino – allerdings nicht zu Recherchezwecken, sondern weil es mich einfach interessiert. Aktuell liegen ein Bildband über Blockhütten auf meinem Nachttisch und ein Sachbuch übers Mittelmeer. Was ich definitiv nicht lese, sind Liebesromane. Damit kann man mich quer über den Globus jagen.

Sie hören gerne Heavy Metal. Haben Sie eine unangefochtene Lieblingsband?

Andreas Gruber: Da meine Frau Phil Collins, Elton John und Herbert Grönemeyer liebt, kann ich Heavy Metal bei uns zu Hause nicht spielen, ohne eine Ehekrise zu riskieren. Also höre ich meine Musik nur in meinem Auto, wenn ich allein unterwegs bin, in meinem so genannten Metal Mobil. Am liebsten höre ich natürlich für mich Neues, weil ich gern neue Bands entdecke, aber auch meine All-Times-Favorites-Lieblingsbands wie Anthrax, Overkill, Motörhead, Slayer, Judas Priest, Death Angel, Exodus, Testament oder Metal Church – also das gute alte Zeug aus den 80er Jahren, mit dem ich aufgewachsen bin.

Welches war das beste Buch, das Sie je gelesen haben, und welches das mit Abstand schlechteste?

Andreas Gruber: Auf die Gefahr hin, dass mich jetzt tausende Leserinnen teeren, federn und steinigen werden, aber das mit Abstand schlechteste Buch, das ich gelesen habe, war „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky, ein Buch, das seit Jahren auf den Bestsellerlisten steht. Für mich war das aber nur einen flache und banale Aneinanderreihung von so genannten „Lebensweisheiten“, die man schon zu oft auf billigen Management-Seminaren gehört hat, und die Strelecky nicht mal selbst erfunden hat. Dagegen eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe, war von Rolf Dobelli, einem Schweizer Philosophen. In „Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen“ schreibt er sehr amüsant über Denkfallen, in die das Hirn stolpert. Dieses Buch hat mir die Augen für viele Denk- und Lebensprozesse geöffnet.

In Büchern und Kinofilmen gibt es manchmal ikonische Sätze („Es reibt sich die Haut mit der Lotion ein“). Gibt es einen Satz aus Ihren Sneijder-Büchern, der für Sie einen ähnlichen Stellenwert hat?

Andreas Gruber: Ja, das stammt sogar aus einem meiner Lieblingsfilme. Danke dafür! Tatsächlich gibt es einige Sätze, die von Sneijder stammen, die bereits in meinem Freundes- und Bekanntenkreis übernommen wurden oder die ich mittlerweile auch vom Publikum bei meinen Lesungen höre. Beispielsweise „Die Antwort in drei knappen und präzisen Sätzen bitte!“, was Sneijder oft sagt, weil er Smalltalk hasst und nie Zeit hat. Oder: „Versuchen Sie mir gerade ein Gespräch aufzuzwingen?“ Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, wie ich diese Sätze verwende, was mir dann sehr peinlich ist, weil ich ja nicht so werden möchte wie meine Hauptfigur.

Gibt es einen Sprecher, den Sie am liebsten mit auf Lesereise nehmen würden?

Andreas Gruber: Da ich beim Walken im Wald gern Hörbücher und Hörspiel über meinen mp3-Player höre, habe ich sehr viele Lieblingssprecher. Da wäre zum Beispiel Lutz Riedel (die Synchronstimme von Timothy Dalton), der die Doctor-Who-Hörbücher liest. Oder den österreichischen Schauspieler Cornelius Obonya, der die Hörbücher von Alex Beer liest und eine unfassbare Bandbreite an Stimmen hat. Sehr gern mag ich auch Dietmar Wunder, Uve Teschner und Achim Buch, der Sneijders niederländischen Akzent so toll spricht.

Welche Filmfigur würden Sie gerne selbst synchronisieren?

Andreas Gruber: Ha, ha, gar keine. Meine Stimme ist nicht so gut, und ich fürchte mein österreichischer Dialekt würde die Zuseher nur verwirren. Stellen Sie sich doch einmal mal Arnold Schwarzenegger im neuen Terminator-Film vor, wenn er sagt: „Waun’st überleben wülst, daum kum mit mia!“

Werden Sie in Vlotho auch Bücher signieren?

Andreas Gruber: In Vlotho werde ich, wie sonst auch überall, gern Bücher signieren. Ich fordere die Fans sogar via Facebook dazu auf, dass sie von zu Hause alle Bücher mitnehmen können, die sie signiert haben wollen. Ich plaudere meist schon vor der Lesung mit den Zuhörern, mache im Anschluss an die Lesung immer eine kleine Fragerunde mit dem Publikum und nehme mir danach noch viel Zeit zum Signieren. Auf Lesereisen habe ich ja immer meine Walking-Ausrüstung mit, um die Gegend zu erkunden. Da sind Gespräche mit Ortskundigen sehr interessant und aufschlussreich – vielleicht ergibt es sich ja einmal, dass ich in einem der nächsten Romane eine Leiche in Vlotho verstecken muss.

• Andreas Gruberliest am Freitag, 14. Februar, in der Kulturfabrik ab 20 Uhr aus seinem Buch „Todesmal“ auf Einladung des Fördervereins der Stadtbücherei Vlotho. Karten gibt es im Vorverkauf für 16 Euro, ermäßigt 14 Euro, mit Ehrenamtskarte 11 Euro, an der Abendkasse 18 Euro, ermäßigt 16 Euro, mit Ehrenamtskarte 13 Euro.

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