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Digitalisierung und Breitbandversorgung im Fokus des Wirtschaftsgespräches

IHK debattiert mit Vlothoer Unternehmern

Vlotho (WB). Damit die Ausfahrt Vlotho-West nicht zur Sackgasse für die Global Player unter den heimischen Wirtschaftsbetrieben wird, brauchen sie freie Fahrt auf der Datenautobahn. Das ist die Essenz des IHK-Wirtschaftsgespräches in Vlotho, bei der den Themen Digitalisierung und Ausbau der Breitbandversorgung oberste Priorität eingeräumt wurde.

Joachim Burek

Gastgeber Martin Kannegiesser (vorne) begrüßt die Teilnehmer des IHK-Wirtschaftsgespräches, von links: Rocco Wilken, Hans-Dieter Tenhaef, Arno Sturm, Moderator Harald Grefe, Jürgen Finkhäuser und Rainer Döring. Foto: Joachim Burek

Grundlage der Podiumsdiskussion, zu der die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) Vertreter der Vlothoer Wirtschaftsbetriebe, des Einzelhandels und der Verwaltung in die Räume der Firma Kannegiesser eingeladen hatte, war die IHK-Standortumfrage im Kreis Herford vom Frühjahr 2016. Dabei hatte der Wirtschaftsstandort Vlotho die Note 3,3 bekommen, was den vorletzten Platz im Vergleich der neun kreisangehörigen Kommunen bedeutete.

Die Ergebnisse der Umfrage diskutierten – moderiert vom stellvertretenden IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe – mit Vlothos Bürgermeister Rocco Wilken folgende Teilnehmer: Rainer Döring, geschäftsführender Gesellschafter von Expert Döring und IHK-Vizepräsident, Jürgen Finkhäuser (Geschäftsführer Textilhaus Finkhäuser) aus Vlotho, Arno Sturm (Geschäftsführer 3Tec automation, Vlotho-Bonneberg), Hans-Dieter Tenhaef (geschäftsführender Gesellschafter MIT Moderne Industrietechnik, Exter).

Große Veränderungen in Industrie und Wirtschaft

Zu Beginn des Gespräches hatte Gastgeber Martin Kannegiesser den großen Bogen gespannt zu dem Veränderungsprozess, dem Industrie und Wirtschaft gerade im Zeichen der Digitalisierung und des Konkurrenzdrucks aus Asien unterworfen sind.

Kannegiesser: »Wir sind auch jetzt wieder – auch das eigene Unternehmen – in einer Umbruchphase. In 54 Ländern aktiv, steuern wir von Vlotho aus verschiedenste Technologien. Unsere Mitarbeiter werden für die Kunden immer mehr zu Beratungsmanagern. Das erfordert heute von den Belegschaften eine hohe Bereitschaft zur Flexibilität.«

Wilken: Vlotho punktet bei »weichen Faktoren«

Vlothos Bürgermeister Rocco Wilken verwies auf die Stärken der Weserstadt angesichts der gewissen Unzufriedenheit, auf die die Bewertung des Wirtschaftsstandortes Vlotho in der Umfrage hindeute. Vlotho könne unter anderem gerade mit weichen Standortfaktoren wie Wohnqualität, touristischen Attraktionen sowie seinem Bildungs- und Weiterbildungsangebot punkten.

Schwächen wie Bahnanbindung oder lange Genehmigungsdauer bei Behörden lägen vielfach in der Verantwortung anderer Ebenen wie der Bahn, dem Kreis oder der Bezirksregierung (Landesplanung). »An der Attraktivitätssteigerung unserer Innenstadt arbeiten wir seit geraumer Zeit erfolgreich in Kooperation von Verwaltung, Marketing und Werbegemeinschaft. Da legen wir uns für die Wirtschaft ins Zeug und wollen mit ihr im Dialog bleiben.«

Das sagt der Einzelhandel

Jürgen Finkhäuser (Textilhaus Finkhäuser) konnte diese Entwicklung für den Vlothoer Einzelhandel bestätigen. »Bei allen Problemen unter anderem aufgrund der Durchgangsstraße spüren wir jetzt durch den Strategiewechsel beim Marketing mit vielen kleinen Märkten und lokalen Festen einen positiven Wandel«, sagte er.

Rainer Döring, Geschäftsführer von Expert Döring, forderte von der Politik und den Behörden ein schnelleres und flexibleres Handeln zum Beispiel bei der Genehmigung und Änderung von Bebauungsplänen. »Urbanität muss wieder attraktiv werden. Sonst haben die Einzelhändler auch ein Problem bei der Unternehmensnachfolge. Den Innenstädten droht dann das Ausbluten.«

Das sagt die Industrie

Einen deutlichen Appell an die Politik, insbesondere an die Bundes- und Landespolitik, richteten dagegen die Sprecher der größeren Vlothoer Unternehmen, die auch international agieren. Arno Sturm von der Bonneberger Firma 3TEC automation stellte unmissverständlich klar: »Die Industrie in Vlotho braucht synchrone Internetverbindungen mit direktem Anschluss an einen Knotenpunkt und hoher Geschwindigkeit. Der aktuelle Ausbau der Telekom ist etwas für Privatkunden.«

Die Internetanbindung sei für die Industrie ein Standortfaktor, den der Staat anbieten müsse. Ändere sich das nicht, werde 3Tec auch über den Erhalt des Standortes am Vlothoer Bonneberg nachdenken müssen.

MIT-Geschäftsführer Hans-Dieter Tenhaef betonte ebenfalls: »Steuern oder weiche Standortfaktoren sind vor dem Hintergrund der Herausforderungen, die die Digitalisierung an uns stellt, eher zweitrangig. Die Politik muss hier endlich wach gerüttelt werden.«

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