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Exteraner Nils Riesner gibt Tipps zum Schutz der Jungtiere vor der Heuernte

Jäger rettet Rehkitze

Vlotho (WB). Das war knapp. Zwei neugeborene Rehkitze haben einem aufmerksamen Landwirt und dem herbeigeeilten Jäger Nils Riesner ihr Leben zu verdanken. Beide Männer verhinderten, dass schweres Gerät den Jungtieren bei der Heumahd gefährlich werden konnte.

Joachim Burek

Nils Riesner birgt ein erst vor wenigen Tagen geborenes Kitz aus einer hohen Wiese nahe der Dornberger Heide, die gerade gemäht werden sollte. Vorsichtig fasst er es nur mit einem Grasbüschel an, damit das Tier den Menschengeruch nicht annimmt. Foto:

»Der Landwirt hat beim Mähen seiner Wiese nahe der Dornberger Heide ein Ricke aus dem Feld laufen sehen. Da er vermutete, dass ihr Nachwuchs noch im hohen Gras verborgen ist, hat er sofort gestoppt und mich als zuständigen Revierjäger gleich alarmiert«, berichtet Riesner im Gespräch mit dieser Zeitung. Damit habe der Landwirt alles richtig gemacht, erklärt der erfahrene Jäger weiter.

Tiere in einen Blühstreifen in Sicherheit gebracht

Nils Riesner, der seit 24 Jahren Jäger ist, wusste gleich, was zu tun ist. Vorsichtig habe er die hochstehende Wiese nach den Kitzen abgesucht. Schließlich habe er das nur wenige Meter nebeneinander liegende, etwa zwei Tage alte Rehkitz-Geschwisterpaar entdeckt. »Ich habe die Stellen mit einem Papiertaschentuch markiert und dann die Kitze in einen angrenzenden schützenden Blühstreifen getragen, wo die Ricke sie gleich finden konnte.« Wichtig sei, die Jungtiere nur mit Gras in den Händen anzufassen, damit der menschliche Geruch sich nicht auf sie übertragen könne. Riesner: »Sonst rührt die Ricke sie nie wieder an.«

Solche Rettungseinsätze seien in diesen Tagen nicht selten. »Gerade jetzt in den trockenen Maitagen machen die Landwirte den ersten Schnitt bei der Heumahd. Gerade für die Bauern, die Kühe halten, ist es wichtig, das jetzt energiereiche Heu zu ernten. Anfang Juni folgen die Betriebe, die Pferde halten. Sie wollen das Heu, das dann schon weniger Eiweißgehalt hat, einholen«, erläutert Riesner.

Große Vorsicht vor dem ersten Heuschnitt

Genau aber in diese Erntezeit jetzt falle genau die Phase, in der das Rehwild seine Kitze zur Welt bringt. Daher sei bei der Mahd zu großer Vorsicht geraten, sagt der Exteraner Jäger. Immerhin seien die Rehkitze in den ersten Tagen nur so klein wie Kuchenteller und vom Trecker aus kaum zu sehen. Da sie außerdem erst nach etwa drei Wochen vor heran nahender Gefahr fliehen können, seien auch akustische Signale am Mähgerät nicht wirklich effektiv. »In den ersten Tagen bleiben die Kitze bei Gefahr einfach schockstarr liegen«, erläutert der Jäger.

Um eine Gefährdung für den Rehnachwuchs bei der Mahd zu vermeiden, rät Riesner den Landwirten, auf jeden Fall ein bis zwei Tage vor der geplanten Mahd Kontakt mit den zuständigen Jägern aufzunehmen und zu klären, was man vorbeugend tun kann.

Tipp: Wiese von Drohne überfliegen lassen

Sehr gute Erfahrungen habe er mit folgender Methode gemacht: am Abend vor der Ernte einen Stock, an dem eine Papiertüte befestigt ist, in die Wiese stecken. Dies alarmiere das dort eventuell befindliche Rehwild und es werde sich rasch mit seinen Jungen einen neuen Platz suchen.

Eine weitere Möglichkeit sei, am Morgen vor der Mahd die Wiese von einer Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, überfliegen zu lassen, um dort verborgene Kitze aufzuspüren

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