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Wald am Kleinen Selberg weicht für den Erhalt der Wacholderheide

Pflanzen- und Tierwelt wird geschützt

Vlotho (WB). Bagger und Motorsägen im Naturschutzgebiet Kleiner Selberg in Vlotho: Es klingt wie ein Gegensatz, dient aber tatsächlich dem Erhalt der Wacholderheide und der Wiederherstellung einer offenen Kuppe, teilt der Kreis Herford mit.

Luftbildaufnahme des Naturschutzgebietes (NSG) Kleiner Selberg bei Vlotho nach den durchgeführten Naturschutzmaßnahmen. Im Vordergrund ist die Wacholderheide und im Hintergrund die freigestellte Kuppe erkennbar. Ziel ist auch der Schutz der dort lebenden Pflanzen- und Tierwelt.

Im Winter 2019/2020 wurden hier bereits zahlreiche Maßnahmen durchgeführt. Fichten aber auch andere Teile des Waldes sind im Kuppenbereich des Selberges gerodet worden. Auf den freigestellten Bereichen soll sich nun künftig wieder ein artenreicher Magerrasen mit Strauchgruppen und Hecken sowie die Wacholderheide entwickeln und ausdehnen.

Die durchgeführten Maßnahmen wurden bereits im Landschaftsplan (Vlotho), der seit 1998 rechtskräftig ist, festgesetzt. Der Kreis Herford hat diese Maßnahmen jedoch erst jetzt umsetzen können, da er erst kürzlich Eigentümer der Flächen geworden ist und zuvor auf die Fläche nicht zugreifen konnte.

Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten

Das Naturschutzgebiet Kleiner Selberg ist landschaftlich geprägt durch Magerrasen, Gebüsche trockenwarmer Standorte, Wacholderheiden und historisch entstandene Mergelgruben. Gemeinsam bieten diese Merkmale einen Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Der Artenreichtum und die besondere geologischen Eigenschaft machten den Vlothoer Selberg damit zu einem herausragenden Gebiet im Kreises Herford, heißt es in dem Bericht weiter.

Dort wechselten sich Sandstein und Kalkmergel ab und ermöglichten sowohl das Wachstum von säureliebenden als auch von kalkliebenden Pflanzenarten. Hierzu zählten beispielsweise der extrem seltene Englische Ginster (Genista anglica), der im Kreis Herford nur in zwei Gebieten vorkomme, so die Experten der unteren Landschaftsbehörde.

Zudem lebten am Kleinen Selberg verschiedene Schmetterlingsarten wie der auffällige Schwalbenschwanz, der seine Eier vor allem an der Wilden Möhre ablegt. Über 100 nachgewiesene Wildbienenarten, darunter auch Erdbienen reihten sich ein und auch stark bedrohte Vogelarten wie der Baumpieper oder Neuntöter fänden hier optimale Lebensbedingungen.

In den 60er und 70er Jahren sei am Selberg der Fichtenwald aufgeforstet worden. Große Teile gerade im südlichen Teil seien zugewachsen. Für viele Arten der halboffenen Landschaft sei somit auch ihr Lebensraum verschwunden. Durch die nun erfolgten Freistellungsmaßnahmen würden nicht nur die Wacholderheide und Magerrasen erweitert, sondern auch gezielt Lebensraum für bedrohte Tier und Pflanzenarten entwickelt, heißt es weiter.

Ehrenamtliche Naturschutz hilft mit

Nach Angaben des Kreises helfen dabei der ehrenamtliche Naturschutz in Vlotho (BUND) und ein Schäfer. Seine Heidschnuckenherde pflege das Gebiet optimal, verhindere, dass sich wieder Baumsetzlinge durchsetzen und helfe, diese wertvolle Kulturlandschaft zu erhalten und zu entwickeln.

Bereits jetzt, so die Fachleute, wachsen über 60 kleine Wacholdersetzlinge, sie werden in den kommenden Jahren ausgepflanzt und vergrößern damit die Wacholderheide. „Sie ergänzen den überalterten und stark abgängigen Wacholderbestand auf der bestehenden Wacholderheide und werden zudem auf die neuen freien Flächen gepflanzt. Später werden Weißdorn- und Hunds-Rosen Büsche das natürliche Bild ergänzen“, so die Experten.

Würde man die Natur gestalten lassen, die Beweidung einstellen und die Bäume wachsen lassen, würde die Wacholderheide zunehmend zuwachsen und die Wacholder zunehmenden absterben. Seltene Magerrasenvegetation würde verschwinden und der halboffene Charakter der Landschaft mit einzelnen Gebüschstrukturen und Hecken und der Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten verloren gehen, heißt es in der Mitteilung der Behörde abschließend.

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