Anstiftung zur vorsätzlichen Veruntreuung: Verfahren gegen 56-jährigen Vlothoer wird fortgesetzt

Richter kommt Falschaussagen auf die Spur

Vlotho/Bad Oeynha...

Hat er seine Lebensgefährtin zu vorsätzlicher Veruntreuung von etwa 250.000 Euro angestiftet oder wusste der 56-Jährige aus Vlotho tatsächlich nichts davon, wie er erneut vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen beteuerte?

Wilhelm Adam

Für den noch anstehenden Prozesstag am Amtsgericht Bad Oeynhausen wird das Urteil in dem Prozess gegen den Mann aus Vlotho erwartet. Foto: Heike Pabst

Überraschend eng wurde es dort nun für ihn, als ihn der Vorsitzende Dr. David Cornelius mit Falschaussagen vor der Polizei konfrontierte.

Nach Angaben des Richters ist für die Verfahrensbeteiligten bisher nur „unstreitig, dass die Frau das Geld falsch verbucht, ihm dann bar übergeben hat, und er es verbrauchte.“ Nach Erhebung des Gerichts macht der Mann zum genauen Verwendungszweck des Geldes aber keine Angaben. Die Summen will er vor allem zur Tilgung von Spielschulden eingesetzt haben, die ihn auch gegenüber dubiosen Gläubigern in arge Bedrängnis brachten.

Um ihm zu helfen, buchte seine Frau 2015 als Buchhalterin Gelder ihres Betriebs auf ihre Konten um: 2015 waren es etwas mehr als 26.000 Euro, im Jahr darauf 51.000 Euro, dann weitere 47.000 Euro, sowie im Jahr 2018 knapp 120.000 Euro. Die Summen hatte sie in den Bilanzen als fingierte Verträge mit Lieferanten oder Lohnkosten ausgegeben und war dafür zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Anders als ihr nun beschuldigter Mann hatte die Frau von Beginn an die Taten eingeräumt, den Schuldspruch akzeptiert und vor einem Notar alle Schuldansprüche gemeinsam mit dem 56-Jährigen bestätigt. Nach Angaben von Amtsrichter Dr. Cornelius hat das Paar bisher davon einen Betrag „zwischen 10.000 und 15.000 Euro“ beglichen. Vollständig werde dies am Ende des Monats der Fall sein, beteuerte der Angeklagte, „das wird noch harte Arbeit.“

Doch den „Pluspunkt glaubhafter Reue“ zeigte er im Gegensatz zu seiner Frau nach Ansicht des Gerichts nicht. Auch in Hinblick auf ihre Bewährungsstrafe mache dies die Lage für ihn nicht einfacher, wie Dr. Cornelius betonte. Zu seinem Pech flog der 56-Jährige nun auch noch mit Falschaussagen auf, die aus einer polizeilichen Vernehmung des Jahres 2016 stammen.

Weil er im bisherigen Prozess stets beteuert hatte, seit 2008 arbeitslos zu sein, war Dr. Cornelius nun im Strafregister des Angeklagten über eine Geldbuße in Höhe von stattlichen 2000 Euro gestolpert, die sich der Mann in Hamburg wegen Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung zugezogen hatte. Der Betrag war nur deshalb so hoch ausgefallen, weil der Beschuldigte dem vernehmenden Beamten vortäuschte, seit zehn Jahren auf dem Schiff eines Kreuzfahrtanbieters für ein Gehalt von 3200 Euro monatlich beschäftigt zu sein.

„Das war wohl etwas geschwindelt“, hielt ihm der Vorsitzende seine protokollierten Aussagen entgegen. „Das haben Sie unterschrieben.“ Dringend mahnte er ihn zudem, die ausstehenden Beträge seiner aufgehäuften Schulden zurückzuzahlen, denn bei einem Urteilsspruch mache es „einen Unterschied, ob man mehr als 200.000 Euro nur beiseite schafft oder einfach beiseite schafft ohne Rückzahlung.“

Den Polizisten, der die Falschaussagen des Mannes protokollierte, will Amtsrichter Dr. Cornelius am folgenden Prozesstag abschließend noch vernehmen. Dann wird auch das Urteil für den 56-Jährigen erwartet.

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