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Wilderei ist in Vlotho kein großes Thema

 Schüsse in der Nacht

Vlotho

Anders als in Rheinland-Pfalz, wo zwei Polizisten wohl von Wilderern erschossen worden sind, sind im Kreis Herford bislang kaum Fälle von Wilderei bekannt geworden. Vlothos Hegeringleiter berichtet allerdings von nächtlichen Schüssen, die keinem seiner Jagdkollegen zugeordnet werden konnten.

Von Kathrin Weege und Jürgen Gebhard

In der Region  sind nur sehr wenige Fälle von Wilderei bekannt. Foto: dpa

Die mutmaßlichen Polizistenmörder aus dem rheinland-pfälzischen Kusel hatten den Kofferraum voll mit gewilderten Tieren. Werden auch in Vlotho Wildtiere illegal erlegt? Hegeringleiter Bernd Stute schließt das nicht ganz aus. In den vergangenen beiden Jahren sei ihm aus den Vlothoer Revieren allerdings kein Fall bekannt geworden. Vorher habe es Einzelfälle gegeben. Und er sagt auch, dass er schon mal nachts Schüsse gehört habe, die er nicht habe zuordnen können: „Vielleicht war es kein Wilderer, sondern jemand, der im Wald illegal Schießübungen gemacht hat.“

Schlingen aus Metall

Matthias Ebmeyer, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Herford (KJS) kann einen konkreten Fall benennen: „Der liegt schon acht bis zehn Jahre zurück.“ Damals sollen Schlingen aus Metall in Enger-Oldinghausen ausgelegt worden sein. „Die waren wohl für Fasane oder Hasen gedacht“, sagt der Engeraner Landwirt.

Man habe dem Wilderer auflauern können, so dass er erwischt und gefasst werden konnte. „Ich selber war damals nicht dabei, kenne diese Angelegenheit nur aus den Erzählungen meiner Jagdgenossen“, so der 41-Jährige. Das Schlimme an den Schlingenfallen sei zudem, dass Tiere, wenn sie hineingeraten sind, extrem qualvoll verenden. Es gebe nicht umsonst Gesetze, die vorschreiben, wie welche Tiere erlegt werden dürfen.

Wildunfälle melden

Von Wilderei spricht man auch in ganz anderen Fällen: Fährt ein Autofahrer zum Beispiel ein Reh tot, sollte er auf jeden Fall die Polizei anrufen, sagt Hegeringleiter Bernd Stute: „Das ist der richtige Weg. Die Kreispolizeibehörde kennt die zuständigen Jäger.“ Die Polizei bescheinige auch für die Versicherung den Schaden am Auto. Wer das angefahrene Tier einfach in den Kofferraum lädt, um es mitzunehmen, begeht Wilderei.

Kriminalstatistik

Pro Jahr zählt die polizeiliche Kriminalstatistik etwa 1000 Fälle von Jagdwilderei, Die Tendenz war zuletzt leicht gestiegen. Da Experten eine hohe Dunkelziffer befürchten und weil Wilderei laut Gesetz eben auch bei der Mitnahme des Tieres nach einem Unfall vorliegt, sei die Zahl von 1000 nicht sehr belastbar. Wer bei der Wilderei erwischt wird, dem können je nach Schwere des Falles bis zu fünf Jahre Haft drohen.

2000 Hektar Jagdfläche

Anzeigen bei der Polizei

Im Kreis Herford hat es zwischen 2017 und 2021 zwischen einem und drei Fällen an Wilderei gegeben, die die Polizei als Anzeige erfasst hat. „Da wurde jedes Jahr Fisch-Wilderei bei uns angezeigt, 2018 und 2019 kamen je zwei Jagd-Wildereien dazu“, sagt Polizeisprecherin Simone Lah-Schnier auf Anfrage.

Die unterschiedlichen Beweggründe für Wilderei kann der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Herford schwer nachvollziehen. „Vielleicht wollen Menschen günstig an Fleisch kommen“, mutmaßt Matthias Ebmeyer.

Wild aus der Region

Wer gerne Wild esse, der könne sich immer an die Jagdpächter wenden. Bei ihnen könne man gutes Fleisch kaufen. Das bestätigt auch Bernd Stute. Wild aus der Region wird außerdem regelmäßig auf dem Vlothoer Abendmarkt und in der Herforder Markthalle angeboten.

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