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Liedermacher tritt zum 150-jährigen Bestehen des Weser-Gymnasiums Vlotho auf

Sebastian Krämer gibt ein Heimspiel

Vlotho (WB). Wenn Sebastian Krämer am Freitag, 14. September, im Weser-Gymnasium Vlotho auftritt, ist es für ihn ein besonderes Konzert. Denn es handelt sich um seine alte Schule. Im Interview spricht der Musiker über ehemalige Lehrer, sein Lieblingslied, Medien-Ranking und den Traum vom Ruhm. Die Fragen stellt Hartmut Horstmann.

Sebastian Krämer verbrachte seine Kindheit und Jugend in Vlotho und Kalletal. Zum Jubiläum des Weser-Gymnasiums kehrt er für ein Konzert an seine alte Schule zurück. Im Interview spricht er über besondere Lehrer und den Traum vom Erfolg. Foto: Frank Lemke

Gemeinsam mit Ihrem Bruder Felix treten Sie zum 150. Geburtstag des Weser-Gymnasiums auf. Was bedeutet Ihnen ein solches Ereignis in Ihrer alten Schule?

Sebastian Krämer: Es bedeutet vor allem, dass ich keine Routine abliefern darf, sondern einer Menge persönlicher Bezüge Rechnung tragen sollte. Viele meiner Stücke handeln von der Schule, der Kindheit, der Umgebung Vlotho und Kalletal. Dem werde ich am 14. September ein wenig mehr Raum geben als sonst.

Wenn man das mit Leuten teilen kann, die wissen, wovon man spricht, sollte man sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Ich freue mich auf viele Begegnungen mit alten Bekannten. Vielleicht gibt es sogar einen Überraschungsgast auf der Bühne, der ebenfalls mit der Schule in Verbindung steht...

Ganz ehrlich, wären Sie beleidigt gewesen, wenn man Sie nicht eingeladen hätte?

Krämer: Nein, denn dann hätte ich von dem Jubiläum gar nicht erfahren. Nein, im Ernst, ich weiß ja nicht, was zu solchen Anlässen üblich ist, aber sicher nicht so ein Festival, wie es Sigrid Knollmann abfackelt. Man könnte sich ja auch vorstellen, dass einfach ein paar Herren in grauen Anzügen feierliche Reden halten und ein Streichquartett spielt.

Sebastian Krämer

Schulen sonnen sich gerne in der Prominenz ihrer früheren Schüler. Was würden Sie denken, wenn Sie jemand als »prominenten Sohn der Schule« bezeichnet?

Krämer: Dann würde ich denken, dass mich jemand für prominent hält, was ja meistens als Kompliment gemeint ist.

Von den Schülern bleiben den Lehrern meist die Rabauken in Erinnerung. Wie sieht es bei den Lehrern aus? Denken Sie eher an die Lehrer, die von Ihnen gemocht wurden, oder an die, die Sie nicht mochten?

Krämer: Aus heutiger Sicht, mit langsam einsetzender Reife, mag ich fast alle. Es gibt aber auch welche, die schon damals sehr wichtige Erkenntnisse vermittelt und die Schulzeit wertvoll gemacht haben. So bin ich dankbar, noch bei Reinhard Garl Religion und bei Herrn Butschke Biologie gehabt zu haben. Frau Knollmann, die nun der Schule vorsteht und mich eingeladen hat, habe ich ja schon genannt.

Was können Sie über das Programm sagen, das Sie mit Ihrem Bruder zu Gehör bringen?

Krämer: Kaum mehr, als bereits im Titel steht. 25 Lieder sind eine ganze Menge. Wenn man die schaffen will, darf man zwischendurch nicht so viel quatschen. Ich lege mich übrigens nicht auf ein exaktes Sortiment fest, alle dürfen Wünsche äußern, und dann wird umdisponiert... sofern ich die Lieder drauf habe.

Manche kann ich auch nicht mehr. Deswegen schreibt man mir, um sicher zu gehen, seinen Wunsch schon vorher ins Gästebuch meiner Homepage, dann kann ich mich vorbereiten.

Sebastian Krämer

Ihr aktuelles Programm heißt »25 Lieder aus 25 Jahren«. Wenn Sie die Lieder vergleichen: Hat sich in der langen Zeit viel verändert – musikalisch oder thematisch?

Krämer: Hoffentlich. Mehr Ausdrucksmittel zu erwerben, souveräner mit seinem Metier umzugehen, das ist der wichtigste Ertrag. In den letzten Jahren hat es mich vor allem fasziniert, andere Musiker bis hin zu ganzen Orchestern um mich zu scharen und für diese Besetzungen Arrangements zu entwickeln.

Inhaltlich werden meine Platten und Konzerte immer ernster. Die Auflage, komisch sein zu müssen, ist eine äußere, keine innerliche, und je selbstsicherer man wird, desto mehr scheißt man drauf.

Im Pressetext zum Programm heißt es ausdrücklich, es sei kein Best of. Haben Sie dennoch ein Lieblingslied?

Krämer: Schon die Auswahl von 25 Stücken fällt schwer. Hält man sich mal ans gleichnamige Album, würde ich sagen: »Unser Hund und Arafat« ist das beste Lied, das persönlichste und beinah auch das traurigste.

Als Sprachartist und Chansonnier sind Sie nicht gerade Mainstream. Träumen Sie trotzdem heimlich von einem Millionenhit?

Krämer: Von großem Erfolg träumt wohl jeder ab und zu. Die Frage ist doch, welchen Stellenwert dieser Traum hat, welche Kompromisse man für ihn macht, ob er die wahre Motivation darstellt für das, was man tut. Im Pop- oder Schlagerbusiness ist das wahrscheinlich so. Da gibt es nur top oder flop, kommerziellen Erfolg oder Frustration.

Es ist aber wichtig, herauszustellen, dass ein kleiner Fankreis, eine ernsthaft interessierte Zuhörerschaft, die sich für genau das begeistern lässt, was einem selbst am Herzen liegt, nicht gar nichts ist, sondern zum Schönsten gehört, was man erreichen kann.

Oder lassen Sie es mich noch pathetischer sagen: Dass die Medien einen ständig ranken müssen, einem einen Platz zuweisen auf der Erfolgsskala, darf unsere Herzen nicht korrumpieren. Es spielt für die Frage, was ein gutes Lied ist, nicht die geringste Rolle.

An anderer Stelle im Pressetext heißt es, künftig sollten andere diese Lieder singen. Eine Sebastian-Krämer-Coverband ist damit nicht gemeint, oder?

Krämer: Doch, warum nicht? Jedenfalls ist nichts damit gemeint, was ich zu entscheiden hätte. Ich habe mich gefreut, als Tim Fischer angefangen hat, einige Titel von mir ins Programm zu nehmen, und ich freue mich auch, wenn Bands das tun. Wissen Sie, ich könnte sie ja eh nicht alle selber singen, es sind mittlerweile an die 200.

Vorverkauf beginnt am Montag

Sebastian Krämer, der 1975 in Bad Oeynhausen geboren wurde, ist im Kalletal aufgewachsen. 1995 machte er am Vlothoer Weser-Gymnasium sein Abitur. Dort sammelte er auch erste musikalische Erfahrungen. Sebastian Krämer wirkte im Chor und im Orchester mit, nutzte viele seiner Freistunden, um Klavier zu üben.

Im Jahr 1996 zog er nach Berlin, wo er bis heute lebt. Seit 2003 ist Sebastian Krämer Vater von drei Kindern, mit Laura Stölzl verheiratet, der Tochter des ehemaligen Berliner Kultursenators.

Sein aktuelles Programm »25 Lieder aus 25 Jahren« stellt er am 14. September ab 20 Uhr im Weser-Gymnasium vor. Vorverkaufskarten gibt es ab dem 20. August unter Telefon 05733/96330.

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