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Pfarrerin Gerda Gödde hat die Vertretung in Exter Bonneberg übernommen

Sie hat Vertrauen

Vlotho (WB)

Manchmal läuft nichts mehr in den gewohnten Bahnen. Auf einmal ist es völlig unmöglich geworden, die eigenen Pläne zu verwirklichen. Aufgrund von Corona befinden sich viele Menschen und Institutionen in dieser Situation – auch die Kirche. In der evangelischen Kirchengemeinde Exter Bonneberg hat Gerda Gödde die Vertretung für Pfarrer Ralf Steiner übernommen. Das Kennenlernen der Gemeinde hatte sie sich anders vorgestellt.

 

Pfarrerin Gerda Gödde hat die Vertretung für den schwer erkrankten Ralf Steiner übernommen. Foto: Frank Lemke

„Aufgrund der Corona-Auflagen komme ich so gut wie gar nicht in die Gemeinde“, sagt die Pfarrerin. Das Presbyterium habe sie mit offenen Armen und unendlich viel Liebe empfangen. Doch auf die Gemeindemitglieder kann sie nur per Telefon oder postalisch zugehen. Auch die Gottesdienst an Heiligabend und an den Weihnachtstagen fallen aus. Stattdessen übertragen die Kirchengemeinden Online-Gottesdienste.

„Gerade in der Seelsorge fehlt die Nähe“, sagt die 54-Jährige. In einem Gespräch sei es sehr wichtig, jemanden die Hand auf die Schulter zu legen oder ihn in einem Moment der Trauer einfach in den Arm nehmen zu können. Beides darf sie nicht mehr. Sie darf noch nicht einmal vorbei kommen. Geburtstagsglückwünsche schreibt sie per Post an Gemeindemitglieder, die sie noch nicht richtig kennt. Die Möglichkeit, persönlich für andere da zu sein, fehlt ihr sehr.

Schon als junge Frau wollte sie beruflich etwas mit Menschen machen: Zuspruch geben, Hoffnung in schweren Zeiten wecken. Zuerst dachte sie an Musik. Sie spielte Geige. Doch die innige Verbindung mit dem CVJM Minden leitete damals ihren Weg. Die Gemeinschaft gab ihr das, was sie im Leben suchte: Gespräche, die zu Herzen gingen. Erleichterung im Leben. Die Nähe zu Gott im Miteinander.

„Dort haben wir in der Gemeinschaft erfahren, wie lebendig der Glaube sein kann und wie schön die Nähe zu Gott ist“, erinnert sich Gerda Gödde. Sie studierte in Münster Theologie. Die Bibelexegese war eine Prüfung für fast jeden Studenten. Die Texte wurden zerpflückt. Sie lernte, dass viele Autoren die Bibel geschrieben haben. Doch ihr Professor Willi Marxsen sagte: „Nur weil die Bibel anders entstanden ist, als sie sich das vorgestellt haben, stellt das ihre Erfahrungen nicht in Frage.“

Es sind vor allem ihre eigenen Erfahrungen, auf denen sich der Glaube von Gerda Gödde stützt: „Gott hat mich nie im Stich gelassen. Dabei habe ich gelernt, dass er meistens andere Pläne für uns hat“, sagt Gerda Gödde. Jeder Schicksalsschlag habe auch etwas Gutes. Das könnten wir meistens erst rückblickend erkennen. Wofür die Corona-Krise gut sei, wisse sie nicht. Doch es sei wichtig, mit Gott im Gespräch zu bleiben. „Auch wenn es darauf hinaus läuft, ihn zu fragen: ‚Was hast du dir denn dabei gedacht?‘“

Weil der Mensch unvollkommen sei, könnte er vieles nicht verstehen. Doch er könnte vertrauen. Seit März lässt sie sich von dem Lied 650 des kirchlichen Gesangbuches leiten. Die erste Zeile dieses Stücks hat sie auf ihrem Handy notiert: „Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl, das macht die Seele still und friedevoll.“

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