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Einbrecher schweigt vor Gericht – lange Freiheitsstrafe

Sparschwein bleibt zurück

Vlotho (WB). Ein junger Mann aus Bremen ist Weihnachten in aller Frühe auf der Ebenöde unterwegs und sucht seinen Vater, der hier vielleicht irgendwo wohnt. In der Dunkelheit hilft er einem Unbekannten dabei, ein prall gefülltes, großes Sparschwein über einen Zaun zu heben. Mit dem Einbruch, den jener Unbekannte möglicherweise gerade ganz in der Nähe verübt hatte, habe der Angeklagte nichts zu tun.

Jürgen Gebhard

Als der Einbrecher seinem Komplizen dieses prall gefüllte Sparschwein über einen Zaun reichen wollte, wurde er vom Geschädigten erwischt.. Foto: Jürgen Gebhard

Wie plausibel ist diese Geschichte, mit der die Verteidigerin eine weitere Strafe von dem jungen Mann abwenden wollte? Überhaupt nicht, so das Urteil von Amtsrichter Dr. Cornelius. Obwohl es keine belastenden DNA-Spuren und Fingerabdrücke gebe und die Zeugin ihn auch nicht eindeutig erkannt habe, sei der Angeklagte des Wohnungseinbruchdiebstahls überführt. Der Richter folgte dem Antrag der Staatsanwältin und verhängte eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Unter Berücksichtigung einer gerade in Münster erfolgten Verurteilung muss der junge Mann aus Bremen nun für zwei Jahre und drei Monate in den Knast. »Ich gehe davon aus, dass Sie es waren«, so der Richter.

Mehrfach vorbestraft

Der mehrfach vorbestrafte 33-jährige Angeklagte war mit seiner Verteidigerin zum Amtsgericht nach Bad Oeynhausen gekommen und schwieg. Das Schweigen sei falsch gewesen, ein Geständnis hätte die Haftstrafe auf unter zwei Jahre reduziert, stellte der Richter in der Urteilsverkündung fest.

Einbruch am Weihnachtstag

Was war am zweiten Weihnachtstag 2016 um kurz nach sechs Uhr morgens auf der Ebenöde geschehen? Die beiden Bewohner eines Hauses dort schilderten dem Gericht ihre Begegnung mit Einbrechern:

Frau hört verdächtige Geräusche

Die Frau wird wach. Sie sieht, dass der Bewegungsmelder das Licht im Flur eingeschaltet hat. Sie hört ein ungewohntes Geräusch und schaut nach. Im Nebenraum erkennt sie schemenhaft zwei dunkel gekleidete Männer. Sie schreit. Einer der beiden Unbekannten schlägt ihr die Taschenlampe auf den Kopf. Die Einbrecher fliehen mit der Beute: drei prall gefüllte Sparschweine, zwei Geldbörsen samt Inhalt und zwei Handys. Der Mann springt aus dem Bett und spricht mit seiner Frau. Die ruft die Polizei. Der Mann rennt in die Garage, lässt sein Auto an und nimmt im Schlafanzug und mit Socken die Verfolgung auf.

Mann setzt Täter im Keller fest

An einem Weg in der Nähe sieht er zwei verdächtige Personen. Einer von denen kann unerkannt entkommen. Eines der Sparschweine, eine Taschenlampe und Werkzeug bleiben zurück. Dem anderen Verdächtigen sprintet der geschädigte Hausbewohner hinterher. Er stellt ihn zur Rede, nimmt ihn mit, setzt ihn im Heizungskeller fest und übergibt ihn dann der Polizei. Der zweite Beteiligte am Wohnungseinbruch wird nicht überführt.

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