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Digitaler Wandel ist Themenschwerpunkt beim 1. Vlothoer Wirtschaftsgespräch

»Stadt will Netzwerker sein«

Vlotho (WB). Der »Versuchsballon«, wie Vlothos Bürgermeister Rocco Wilken treffend formuliert, ist erfolgreich gestartet. Mit den ersten Vlothoer Wirtschaftsgesprächen hat die Stadt am Donnerstag ein neues Forum auf den Weg gebracht, das Verwaltung, Politik und Wirtschaftsbetrieben die Möglichkeit zum Kennenlernen und Erfahrungsaustausch bieten soll.

Joachim Burek

Aufmerksame Zuhörer bei den Vorträgen der Gastreferenten, die Stadtspitze mit Christian Hohmeier (Wirtschaftsbetriebe), Michael Fißmer (Stadtentwicklung) und Bürgermeister Rocco Wilken (von links) Foto: Joachim Burek

»Stadt und Verwaltung verstehen sich durchaus als Dienstleister und Netzwerker, die Angebote für das Leben und Arbeiten im digitalen Zeitalter machen wollen«, sagte Wilken in seiner Begrüßungsansprache. Darin bedankte er sich ausdrücklich beim Gastgeber, der Firma Pronorm – Einbauküchen, in deren Ausstellungshalle die Premiere für das Forum stattfand. Gleichzeitig dankte er dem Team von Vlotho-Marketing um Geschäftsführerin Christiane Stute für die Organisation des Treffens.

Firma Pronorm stellt sich vor

Der Pronorm-Vertriebsleiter Deutschland, Udo Helweg, und Prokurist Gordon Henke begrüßten dann zunächst die Gäste aus Politik, Stadt, Verwaltung, vom Kreis Herford, aus der Wirtschaft sowie aus den angrenzenden Kommunen. So war unter anderem Kalletals Bürgermeister Mario Hecker Gast des Forums. Helweg und Henke machten im Anschluss in einem kurzen Firmenporträt deutlich, wie wichtig es für ihr Unternehmen am Standort Vlotho ist, sich dem Wandel zur Industrie 4.0 durch Vorantreiben der Digitalisierung und entsprechende Investitionen zu stellen.

Erster Referent des Abends war Detlef Hollmann von der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh. Sein Vortrag beschäftigte sich mit der Frage: »Wie machen wir Unternehmensverantwortung in der Region wirksam?« Hintergrund seiner Betrachtungen waren die Veränderungen und der technische Wandel in der Arbeitswelt sowie die Auswirkungen, die dieser Wandel auf Gesellschaft und Unternehmen hat.

Arbeit und Werte im Wandel

»Wir werden älter und wir müssen daher auch länger arbeiten«, verwies er unter anderem auf die demografische Entwicklung als einen entscheidenden Faktor. Gleichzeitig veränderten sich aber auch die Werte in der Gesellschaft, insbesondere in der »Generation Y«. »Der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Veränderung der Geschlechterrollen sowie der sozialen Verantwortung kommen dort eine größere Bedeutung zu«, so Hollmann. Dadurch veränderten sich schließlich die Anforderungen der Arbeitnehmer an die Unternehmen, die darauf schließlich mit flexibleren Arbeitsformen reagieren müssten, Stichworte »Desk sharing« oder »Home office«.

Breitbandnetz ausbauen

Voraussetzung für den unabdingbaren Wandel hin zur digitalen Arbeits- und Alltagswelt ist der Breitbandausbau in Stadt und Region. Zum derzeitigen Sachstand und den Perspektiven im Kreis Herford gab Birgit Rehberg von der Kreisverwaltung Auskunft. »Eine ausreichende Breitbandversorgung ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Darum haben sich der Kreis und neun Kommunen auf den Weg gemacht, diesen Ausbau voranzutreiben«, stellte sie fest. Dafür würden natürlich auch vorhandene Förderungen von EU, Bund und Land in Anspruch genommen, die bei unterversorgten Orten und Gewerbegebieten bis zu 90 Prozent betragen könne. Die gute Nachricht für Vlotho: Die Gewerbegebiete der Stadt seien fast zu 100 Prozent versorgt. Schlechter sehe es bei den Privathaushalten aus. Mit einer Quote von mehr als 25 Prozent bei unterversorgten Wohngebieten stehe die Stadt im Kreisvergleich schlecht da, wo 95 Prozent als versorgt gelten. »Allerdings ist die Mindestaufgreifschwelle mit 30 Mbit, ab der nicht mehr gefördert wird, sehr niedrig angesetzt«, räumte sie ein. Ziel sei, im Kreis 50 Mbit für unterversorgte Hausalte und 1 Giga-Bit für Gewerbegebiete zu erreichen.

Kritische Zwischenfragen

Hier setzte auch die Kritik aus der Zuhörerschaft ein: »30 Mbit als Untergrenze der Förderung ist ein Witz«, sagte Christian Hohmeier von den Vlothoer Wirtschaftbetrieben. Es müssten solide Lösungen für die Innenstädte und Wohngebiete her, zum Beispiel durch Anschluss ans Glasfasernetz.« Sebastian Hahn vom Landeskompetenzzentrum Gigabit NRW erläuterte in seinem Vortrag schließlich den dreistufigen Glasfaserausbau. »Der ist notwendig, da bis 2025 der Bedarf für TV, Internet, Gaming oder Machine-to-Machine-Kommunikation steigen wird. Dieser Ausbau sei eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden, Netzbetreibern und Kunden, »Nachfrage motiviert den Ausbau», sagte er.

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