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Kultur im Lockdown: „United Puppets“ unterhalten Vlothoer Kinder mit virtuellem Theaterstück

Und die Schildkröte feiert trotzdem

Vlotho (WB)

Interaktives Theater im Internet? Wie soll das denn gehen? Auf Einladung des Vlothoer Kulturbüros und des JUZ hat das Ensemble „United Puppets“ am Sonntag ein kulturelles Experiment mit den Vlothoerinnen und Vlothoern gewagt.

Heike Pabst

Kultur zu Hause: Edda (8) genießt die Vorstellung der „United Puppets“ bequem vom Sessel aus. Foto: Heike Pabst

Aufgeregt fummelt die Mama am Laptop herum. Passen die Einstellungen von Mikro und Kamera? Die achtjährige Edda bleibt ganz gelassen. „Wird schon“, sagt sie. Und es stimmt: Auf einmal wird der „Zoom“-Konferenzraum freigeschaltet.

Die vorab für das Stück „Weil heute mein Geburtstag ist“ angemeldeten Kinder können sich gegenseitig in kleinen Fenstern auf dem Bildschirm sehen. Es sind Jungen und Mädchen zwischen vier und zehn Jahren dabei, aber auch ein paar ältere Geschwister und Eltern sitzen vor den Bildschirmen. „Ach, da ist ja Edda! Hallo!“, tönt es aus einem Wohnzimmer in Vlotho-Uffeln ins World Wide Web hinein. Edda winkt zurück. Es ist ein bisschen wie in einem „echten“ Theaterfoyer: Wer sich kennt, grüßt sich und plaudert etwas.

Einige holen sich noch Süßigkeiten, dann geht es los: Auf dem Bildschirm erscheint Melanie Sowa und erklärt ganz genau, was zu tun ist und wie das mit der Sprecher- und der Galerieansicht funktioniert. Sie taucht ab, taucht wieder auf – und trägt einen Partyhut. Denn es soll der 250. Geburtstag der Schildkröte Saskia gefeiert werden (Yoshii Riesen). Und die Zuschauer sind die Überraschungsgäste in dieser von Mario Hohmann in Technik und Regie koordinierten Sause.

Mit Witz und Charme, skurrilen Kostümen und Akzenten lassen Melanie Sowa und Yoshii Riesen die Kinder an dieser Party teilhaben, die zunächst zum Scheitern verurteilt scheint. Die Schildkröte als herzergreifend freundliche, aber etwas naive Gastgeberin weiß nicht so recht, wie Partys so funktionieren. Sie war zwar schon oft selbst eingeladen, kam aber immer erst an, wenn das Fest schon vorbei war. Also ist ihr 250. Geburtstag die erste Party, die sie feiert. Sie lädt erst in letzter Minute per Plakatwerbung wildfremde Gäste ein. Dann tauchen seltsame Tiere auf. Der Hund muss noch mal Pippi, dem Frosch ist ihr Essen nicht gut genug („Kartoffelsalat mit Mayo beleidigt meinen Gaumen!“), der Hase will immer nur beim Spielen gewinnen und das Huhn möchte sich vorsorglich über Lärm beschweren, den es gar nicht gibt.

Die arme Schildkröte gibt ihr Bestes, aber irgendwann kann sie nicht mehr und verkriecht sich wütend in ihrem Panzer. Es schlägt die Stunde der Überraschungsgäste! Die Kinder dürfen in die virtuelle Wohnung der Schildkröte „eintreten“ – sie werden also in die Konferenz dazu geschaltet – und singen gemeinsam ein Ständchen. Sie dürfen schließlich mit dem Geburtstagskind plaudern, spielen vor den Bildschirmen ein Partyspiel („Und jetzt alle mal ganz nah an die Kamera!“) und zeigen ihre Kuscheltiere. Edda ist zufrieden und urteilt: „Die Schildkröte war niedlich.“ Das Experiment ist geglückt.

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