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Evanglischer Pfarrer zum Verzicht auf Präsenzgottesdienste:

Unmöglich, aber verantwortungsvoll

Vlotho (WB).

Seit Wochen werden in den evangelischen Kirchen der Weserstadt keine Sonntagsgottesdienste mehr gefeiert. „Diese Situation ist eigentlich unmöglich. Aber alles andere ist nicht zu verantworten“, sagt Christoph Beyer aus Valdorf, der in diesem Jahr Sprecher der Vlothoer Pfarrer ist.

Jürgen Gebhard 

Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr wurden die Gottesdienste auf das Online-Format umgestellt. Foto: Jürgen Gebhard

Schuld daran ist natürlich die Corona-Pandemie. Die Evangelische Kirche von Westfalen habe am 8. Januar allen Gemeinden dringend empfohlen, weiterhin auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Zunächst bis Ende des Monats, sehr wahrscheinlich mindestens noch bis Mitte Februar. Jeder einzelnen Gemeinde stehe es frei, wie sie mit dieser Empfehlung umgehe. „Zum Glück halten sich im Kirchenkreis alle dran“, sagt Beyer. Eine einheitliche Haltung sei wichtig: „Es ist die Botschaft, dass wir als Kirche die Pandemie sehr sehr ernst nehmen. Es geht darum, dass die Menschen ihre Kontakte so weit es eben geht reduzieren.“

Was bleibt, wenn Präsenzgottesdienste in den Kirchen nicht mehr stattfinden, sind Online-Angebote. Erstmals gab es sie im März vorigen Jahres. Mit dem Ende des ersten Lockdowns im Mai durften in der Kirche und im Freien unter strengen Abstandsregeln, mit Sitzplänen und Anwesenheitslisten und ohne Gemeindegesang endlich wieder Gottesdienste gefeiert werden. Am vierten Adventssonntag wurde erneut auf online umgestellt – auch der Heilige Abend fand nur virtuell statt.

„Wir haben inzwischen einiges dazugelernt“, sagt Christoph Beyer. Im vorigen Frühjahr unterstützte Ten Sing mit großem technischen Aufwand die Dreharbeiten. „Wir senden jetzt nicht mehr live und arbeiten mit Bordmitteln. Die Qualität der Smartphone-Kameras reicht fürs Internet vollkommen aus.“ Die Gottesdienste, die Woche für Woche nach einem festen Plan in den Vlothoer Kirchen erstellt werden, sind kürzer geworden. Musik von Musikern aus der Gemeinde, dann eine kurze Predigt, Fürbitten und Segen – 15 bis 20 Minuten dauert das. An jedem Sonntag ab 8 Uhr in der Frühe werden die Andachten unter www.evangelisch-in-vlotho.de online gestellt, direkt über Youtube sind sie ebenfalls jederzeit zu erreichen.

Exakte Zahlen darüber, wie oft die Andachten aufgerufen werden, hat Pfarrer Beyer nicht. Der digitale Adventskalender, der auch über die Sozialen Medien verbreitet wurde, habe täglich bis zu 500 Klicks gehabt. „Wir erreichen mit unseren neuen Angeboten auch Menschen, die sonst nicht in die Kirche gehen. Wir wissen, dass sich einige ältere Gemeindemitglieder die Gottesdienste mit Unterstützung ihrer Kinder oder Enkelkinder anschauen.“, sagt Beyer. Und er freut sich schon auf die Zeit, wenn er wieder vor den Menschen in der Kirche predigen kann.

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