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Autor Hans Bollinger liest in der Kulturfabrik aus seinem Buch

»Unterwegs in Polen«

Vlotho (WB). Von der Begeisterung für Osteuropa gepackt wurde der Pädagoge, Schulleiter, Volkssänger und Musiker Hans Bollinger bereits als Schüler. Der 69-Jährige las in der Kulturfabrik vor einem interessierten Zuhörerkreis aus seinem Buch »Unterwegs in Polen – Begegnungen mit Menschen, ihrer Geschichte und Heimat«.

Gisela Schwarze

Der Autor Hans Bollinger unterhält dir Zuhörer in der Vlothoer Kulturfabrik mit seinem kurzweiligen Buch »Unterwegs in Polen«. Unter dem Titel »W drodze przez Polske« wurde »Unterwegs in Polen« auch in polnischer Sprache herausgebracht.

Initiiert wurde die Lesung vom deutsch-polnischen Partnerschaftsverein Vlotho-Lubsko. »Mein alter Volksschullehrer implantierte mir in den 50er Jahren mit Filmen eine Osteuropa-Sehnsucht«, blickte der Autor zurück. Das alte Danzig, die Masurischen Seen., die Kurische Nehrung, Hirsche, Elche, Wisente, und natürlich die osteuropäischen Menschen hätten ihn bereits auf der Leinwand in ihren Bann gezogen.

Kulturaustausch mit Polen

Hans Bollinger lebt im Saarland an der französischen Grenze, leitet den trinationalen Verein »Begegnungen auf der Grenze« »Rencontres à la Frontièr«, »Spotkania na granicy« mit dem er intensiven Kulturaustausch mit Polen und Frankreich organisiert.

»Vor 24 Jahren gründete ich diesen Verein und bewirkte inzwischen 30 Schulpartnerschaften und unzählige interkulturelle Begegnungen«, beschrieb er sein Engagement. Der Autor entschloss sich 1976, eine junge Polin aus Zabrze zu heiraten. Diese direkte persönliche Verbindung nach Osteuropa war der Beginn einer intensiven 40-jährigen Erkundung Polens. Seit 1976 reist er durch Polen, fährt in große Städte des Landes und auch in entlegene Gebiete, ist begeistert von der atemberaubende Natur Masurens oder der Wildnis des Bialowieza-Parks. Liebevoll, witzig, spannend und immer mit großem Respekt vor der Kultur und Geschichte des Landes schilderte er Begegnungen mit Menschen, deren Lebensgeschichten ihn bewegten. In Liedern und Texten erzählte er kurzweilig und launig über die Erfahrungen mit Polen, über Landschaften und Sehenswürdigkeiten. Beim Vortrag von Anekdoten, unterschiedlichen Episoden und Erfahrungen war Hans Bollinger deutlich die eigene Freude beim Eintauchen in 40 Jahre Verbindung zu Polen anzumerken.

Begeisterter Wanderer

Lange Schlangen vor Lebensmittelgeschäften und ausgelassenen Familienfeiern, Abenteuer an den Ostblockgrenzen und bürokratische Hindernisse, die durch 50-Mark-Schmiermittel aus der Welt geräumt wurden, gehörten in die Vielfalt der Vorträge über ein aufstrebendes Polen. Als die polnische Professorin Dorota Simonides 2000 bei der Frankfurter Buchmesse mit der Frage konfrontiert worden sei: »Wo liegt Polen?« habe sie geantwortet: »Polen liegt nicht, Polen arbeitet.« Ergreifend war die Schilderung, wie Hans Bollinger mit seiner Frau während einer Wanderung in einer Waldlichtung bei Krempna unvorbereitet plötzlich vor einer Gedenkstätte stand, die auf einen Massenmord an 1250 Juden durch Nazi-Schergen im Jahr 1942 hinweist. Dieses schockierende Zusammentreffen konnte Hans Bollinger die grundsätzliche Wanderfreude nicht nehmen. »Wandern lieb ich für mein Leben«, sang er zu eigener Gitarrenbegleitung. Dieses Lied mit den Idealen der Romantik stamme aus der Wandervogel-Bewegung, so der Sänger und Gitarrist. Zwei klangvolle jiddische Lieder vervollständigten die lautstark beklatschten Gesangseinlagen. »Wir leben ewig« behauptete das von Hans Bollinger vorgetragene Schlusslied einer jiddischen Revue. Mit den vertonten Versen von »In einem kühlen Grunde« des romantischen Dichters Joseph Freiherr von Eichendorff ließ der Sänger seine Gesangsbeiträge ausklingen. Er und einige Angehörige hatten in Polen das Schloss Lubowitz bei Ratibor, in dem von Eichendorff 1788 zur Welt kam, besucht. In den Schlossanlagen wuchsen mächtige Eichen, die ihre Eicheln verstreut hatten. Zu seiner Überraschung erhielt Hans Bollinger von einem Verwandten zu seinem Geburtstag einige dieser Eicheln aus dem Eichendorffschen Schlosspark. Unter dem Titel »W drodze przez Polske« wurde »Unterwegs in Polen«. auch in polnischer Sprache herausgebracht.

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