1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Vlotho
  6. >
  7. Versehentlich für tot erklärt

  8. >

Finanzamt forderte Gespräch über den »Nachlass« von Klaus Spitczok von Brisinski

Versehentlich für tot erklärt

Vlotho (WB). Ein Mitarbeiter des Finanzamts Herford hat den Vlothoer Klaus Spitczok von Brisinski für tot gehalten: Dessen Frau Ursula wurde aufgefordert, zu erklären, wieso der »Nachlass« nicht in ihrer Einkommenssteuererklärung aufgetaucht ist.

Heike Pabst

Ursula und Klaus Spitczok von Brisinski können heute über das Schreiben vom Finanzamt aus dem Jahr 2007 schmunzeln – für kräftige Irritationen hat es aber dennoch gesorgt. Wie es zu der Verwechslung kommen konnte, bleibt ungewiss. Foto: Heike Pabst

»Als wir jetzt in der Zeitung gelesen haben, dass ein 23-jähriger Spenger mit einem Unfallopfer verwechselt wurde und die Familienkasse das Kindergeld nicht mehr zahlen wollte, sind bei uns auch die Erinnerungen wieder hoch gekommen«, sagt Ursula Spitczok von Brisinski. Als das Schreiben des Finanzamtes im Januar 2007 bei ihnen ankam, fiel es zuerst Klaus Spitczok von Brisinski in die Hände. Der öffnete den Brief – und überreichte ihn seiner Frau zusammen mit einem Taschentuch. »Ich dachte zuerst: Was ist denn jetzt los?«, erzählt Ursula Spitczok von Brisinski. »Dann war ich erschüttert. So etwas ist doch grotesk.«

In dem Schreiben stand zu lesen: »Nach einer mir vorliegenden Mitteilung ist Ihr Ehemann am 10. August 2006 verstorben. Im Nachlass befinden sich Bankguthaben, die bislang in der gemeinsamen Einkommenssteuererklärung nicht ersichtlich sind.« Ihr wurde eine Frist von drei Wochen gesetzt, bis zu deren Ablauf sie zu erörtern habe, weshalb die »Nachlasskonten« nicht erwähnt worden seien. Kondoliert wurde der »Witwe« allerdings nicht. »Die wollten ja nur Steuerhinterzieher überführen«, sagt sie.

Verwechslung mit verstorbener Tante

Ursula Spitczok von Brisinski reagierte prompt und per Einschreiben: »Ich kann Ihnen mitteilen, dass sich mein Ehemann bis zum heutigen Zeitpunkt guter Gesundheit erfreut.«

Das Vlothoer Ehepaar hat mittlerweile ein paar Theorien, wie es zu der seltsamen Mitteilung gekommen sein könnte. Am 10. August 2006 ist tatsächlich ein Mitglied der Familie verstorben – eine Tante von Klaus Spitczok von Brisinski. »Da muss es wohl wegen des Nachnamens eine Verwechslung gegeben haben«, so der 71-Jährige. Jedoch ist es nicht so leicht, »Marta« mit »Klaus« zu verwechseln.

Sigrid Kronshage, Dienststellenleiterin des Finanzamts Herford, hat so einen Fall noch nie erlebt. Menschliche Fehler könnten natürlich nirgends ausgeschlossen werden, aber: »Bei diesen heiklen Themen sind wir sehr vorsichtig. Auf irgendwelche unbelegten Hinweise hin unterstellen wir niemals einen Todesfall.« Das Finanzamt benötige die Sterbeurkunde, die von Angehörigen eingereicht werde, um aktiv zu werden.

Lesen Sie mehr im WESTFALEN-BLATT, Ausgabe Vlotho, 10. Dezember

Startseite