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Bürgermeister im Barock-Look – 120 geladene Gäste feiern in der Kulturfabrik

Vom Recht, eine Stadt zu sein

Vlotho (WB). Man nehme eine Prise Musik und Theater, würze das Ganze mit Humor und Fakten – und schon ist sie fertig: die perfekte Jubiläumsfeier. Am Donnerstag gaben sich 120 Gäste in der Kulturfabrik die Ehre, um gemeinsam 300 Jahre Stadtrechte Vlotho zu feiern.

Sonja Töbing

Bürgermeister Rocco Wilken (rechts) und Kunstlehrer Erwin Johannsen präsentieren Kunstwerke der Sechstklässler des Weser-Gymnasiums. Die Schüler sollten Stadtansichten mit eigenen Zeichnungen ergänzen. Foto: Sonja Töbing

Moderator und Kabarettist Harald Meves überbrachte die gute Nachricht des Abends: »Es wird keine Grußworte geben.« Und das trotz zahlreich erschienener Prominenz in Gestalt von Bürgermeister Rocco Wilken, Landrat Jürgen Müller und SPD-Landtagsabgeordnetem Christian Dahm. Das Organisationsteam um Christiane Stute von Vlotho Marketing hatte sich bewusst für ein anderes, frischeres Konzept entschieden, das nicht nur von Mitarbeitern der Verwaltung, sondern von Vlothoer Bürgerinnen und Bürgern und insbesondere auch von Jugendlichen mitgestaltet wurde.

Bereits im Foyer vor dem Veranstaltungsraum wartete die erste Überraschung auf die Besucher: eine Ausstellung mit Bildern der Klasse 6 des Weser-Gymnasiums. »Die Aufgabe bestand darin, Fotos der Stadt zeichnerisch zu ergänzen«, erklärte Kunstlehrer Erwin Johannsen. Entstanden sind fantasievolle und perspektivisch interessante Werke, die Vlotho aus der Sicht junger Menschen zeigen.

Humorvolle Worten von Harald Meves

Zur Begrüßung gab es neben einigen humorvollen Worten von Harald Meves zum Thema Stadtgeschichte (»Als ich hierher zog, gab es hier vier Apotheken. Ich wusste damals nicht, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen sein sollte«) auch den ersten musikalischen Beitrag. Peter Ausländer und seine Mitmusiker stimmten das allen bekannte »Weserbogenlied« an. Dann hieß es »Bühne frei« für die Schülerinnen und Schüler der Weser-Sekundarschule, die drei kurze Spielszenen zum Thema »300 Jahre Stadtrechte Vlotho« erarbeitet hatten.

»Die Texte stammen von den Jugendlichen. Trotz anstehender Matheklausur und vieler anderer Verpflichtungen haben sie die Theatersequenzen zusammengestellt und das Bühnenbild gebastelt«, berichtete Musik- und Kunstlehrerin Saskia Krisse, die sichtlich stolz auf ihre Schützlinge war. Zurecht, denn die Jugendlichen setzten sich in den Szenen mit den Vor- und Nachteilen der Stadtrechte auseinander, angefangen bei den zu zahlenden Steuern über die Zölle bis hin zur Freiheit der Bauern.

So wurde für alle Zuschauer deutlich, dass die Stadtrechte damals im Jahr 1719 längst nicht von allen Vlothoern gut geheißen wurden. Im weiteren Verlauf des Festaktes betraten die Zehntklässler der Weser-Sekundarschule noch einmal die Bühne und präsentierten das extra für diesen Anlass umgeschriebene Lied »Hallo Hometown«. Das Publikum war begeistert.

Historische Fakten von Sebastian Schröder

Historische Fakten lieferte zwischendurch Sebastian Schröder vom Institut für vergleichende Städtegeschichte der Universität Münster. Dadurch wurden die Zusammenhänge auch für geschichtlich weniger versierte Gäste deutlich. Höhepunkte der Feierstunde waren der ebenso kluge wie witzige historische Abriss der Vlothoer Stadtgeschichte von 1719 bis heute von Peter Ausländer sowie die kurze Playback-Opern-Version des »Weserbogenlieds«, die Rocco Wilken mit weißer Barock-Perücke voller Inbrunst darbot. Etliche Besucher bogen sich vor Lachen und honorierten das kurzweilige Programm mit jeder Menge Applaus.

Natürlich erhielten alle Mitwirkenden am Ende ein Dankeschön für ihre Mühen. Und das hatten sich die Akteure des Abends auch mehr als verdient, denn einen so unterhaltsamen Festakt hat es in dieser Form in Vlotho noch nicht gegeben.

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