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Vlothos Boogieman Vito Becker nutzt den Lockdown zum Komponieren

Zeit für neue Musik

Vlotho (WB)

Aufgrund der Corona-Krise bleiben viele Räder stehen. Die Gastronomie- und Eventbranche trifft der Lockdown besonders hart. Doch während der Krise entsteht bereits das neue Danach. Boogieman Vito Becker und seine Künstlerkollegen haben die Zeit vor Weihnachten zum Komponieren von neuen Musikstücken genutzt.

Frank Dominik Lemke

Begonnen hat Vito Becker seine Karriere als Musiker bei der russischen Arme. Foto: Frank Dominik Lemke

„Hier, hör dir das an“, sagt der studierte Klassikpianist aus Georgien und spielt auf dem Klavier ein gefühlvolles Präludium von Johann Sebastian Bach. Während seine Hände über die Tasten gleiten, ist er völlig in der Musik versunken. Er hört auf zu spielen, hält für einen kurzen Moment inne und beginnt dann einen fröhlichen Jazz-Rhythmus zu spielen, den er in die Melodie des Präludiums einstreut. Das zuvor voluminöse Stück entwickelt jetzt eine heitere, gelassene Art.

„Das ist ganz einfach“, sagt er. Bach ließe sich gut mit Rock verbinden. Im Prinzip sei das mit allen Klassikern möglich. Er greift wieder in die Tasten und gibt mit seiner linken Hand einen Boogie-Woogie-, Jazz- oder Blues-Rhythmus vor. Gleichzeitig improvisiert seine rechte Hand dazu passend die Melodie der Nussknackersuite von Piotr Iljitsch Tschaikowski, den Hummelflug vom Rimski-Korsakow oder den Säbeltanz von Aram Chatschaturjan.

„Boogie-Woogie ist einfach Gute-Laune-Musik. Sie ist immer fröhlich“, sagt Vito Becker. Die Menschen in den Fünfzigerjahren des vorherigen Jahrhunderts hätten diese Fröhlichkeit gelebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg blühte die Gesellschaft wieder auf. Damals war alles bunt: die Petticoats, die Autos, die Möbel. Die bunten Farben und die Musik seien ein Ausdruck von Lebensfreude gewesen.

Den Geist dieser Zeit verarbeitet er in seinen neuen Stücken, die er während der Corona-Krise komponiert hat. „Das machen viele meiner Musiker-Freunde so. Sie nutzen die freie Zeit für das, woran sie schon seit langem arbeiten wollten“, sagt Vito Becker.

Das Jahr 2020 betrachtet er als eine schöpferische Pause. In den Monaten Juni, Juli und vor allem im September hat er viel gespielt. Dann kam wieder der Lockdown und Vito Becker ging zurück ans Klavier, um neue Songs für die Zeit nach Corona zu kreieren.

„Wir werden 2021 von vielen Künstlern neue Musik hören“, sagt Vito Becker. In jeder Krise stecke die Chance für Neues. „Neue Wege und Ideen finden sich von ganz alleine“, sagt seine Ehefrau Anna Becker. Außerdem sei es schön, dass die Menschen 2020 viel mehr Zeit füreinander hätten. Vor Corona sei im Alltag vieles liegen geblieben. Jetzt seien Freunde und Familie wieder wichtiger.

„Egal womit wir konfrontiert sind, unser Leben geht weiter“, sagt der Boogieman und denkt an seinen Vater, der ihn seit 20 Jahren regelmäßig besucht hat. Am zweiten Feiertag ist Evgeni Becker im Alter von 84 Jahren in seiner Heimatstadt Tiflis an Corona verstorben.

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