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Tierärztin Manuela Bulian päppelt zwei Rehkitze auf – Muttertiere wurden überfahren

Ziegenmilch für „Björn“ und „Benny“

Vlotho (WB). Kraftfahrzeuge sind für Wild auf der Straße eine tödliche Gefahr. Gleich zwei führende Ricken sind im Bereich Wehrendorf dem Autoverkehr zum Opfer gefallen und haben hilflose Kitze hinterlassen. Als fürsorgliche Rehmutter betätigt sich Tierärztin Manuela Bulian von der Wehrendorfer Straße, zu der die Kitze gebracht wurden.

Gisela Schwarze

Ludwig Hense, Tochter Merle (6) und Sohn Louis (9) mit Kitz Benny, Manuela Bulian mit Kitz Björn und Heinrich Halewat (von links) freuen sich über die geretteten Rehkitze. Foto: Gisela Schwarze

Die Mutter von drei Kindern ist nun auch noch für drei bis vier Monte Ersatzmutter für die unselbstständigen Fundtiere. „Björn“ und „Benny“ hat sie die beiden Kitze genannt, die sie aufpäppelt und für die sie im regelmäßigen Drei-Stunden-Rhythmus Tag und Nacht Ziegenmilch aus Milchpulver und Wasser anrührt. Außerdem sorgt sie für ein Buffet mit Grünzeug, Kräutern, Löwenzahn sowie Erde von Maulwurfshaufen.

Dank für Fürsorge und Umsicht

Für so viel Fürsorge und Umsicht sprach ihr der Jagdpächter Heinrich Halewat Lob und Dank aus. Er hatte von Ludwig Hense, ebenfalls Jäger, einen Anruf erhalten, dass ein Reh Im Bereich Hettenholter Weg/Lemgoer Straße dem Straßenverkehr erlegen war. Die beiden Waidmann erkannten am prallen Gesäuge, dass es sich um eine führende Ricke handelte. „Weil die Muttergeiß jetzt verendet war, suchte Ludwig Hense nach dem jungen Kitz. Üblicherweise fiepen die Kleinen, um die Mutter herbeizurufen. Diese hungrigen Fiepton-Laute wurden zum Signal, sodass Ludwig Hense und sein Sohn Louis (9) das Kitz bergen konnten.

Die Mutter vom zweiten verlassenen Kitz kam an der Salzuflener Straße durch ein Fahrzeug ums Leben. Der Wehrendorfer Friedrich Reinkensmeier fand die verunglückte Ricke und brachte ihr mutterloses Kitz in die Obhut zu Manuela Bulian.

Appell zum Langsamfahren

„Rehwild ist im Monat Mai häufig anzutreffen im Revier, besonders in den Morgen- und Abendstunden“, so Heinrich Halewat. „Im Mai werden die Kitze nach einer Tragzeit von 290 Tagen gesetzt“, so Ludwig Hense. Beide Jäger und die Tierärztin Manuela Bulian appellieren an die motorisierten Verkehrsteilnehmer, auf Wildwarntafeln und Verkehrsschilder zu achten, langsam und umsichtig zu fahren. „Besondere Gefahr für Unfälle mit Wild besteht in der Dämmerung“, ergänzt Heinrich Halewat.

„Mit 100 Kilometern pro Stunde und mehr fahren die Autos auf der Wehrendorfer Straße“, weiß Heinrich Halewat aus Erfahrung. Diese Geschwindigkeit sei auch häufig auf der Lemgoer Straße anzutreffen, fügt Manuela Bulian hinzu. „Rücksichtnahme auf die Tierwelt durch niedriges Tempo wäre optimal“, wünscht sich Manuela Bulian als Appell zum Langsamfahren.

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