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Staatssekretär übergibt in Marienmünster Förderbescheide für vier touristische Projekte in den Kreisen Höxter und Lippe

Alte Heilmittel neu entdecken

Marienmünster

Was haben die Moorerlebniswelt in Bad Driburg, die Klimawelt im lippischen Oerlinghausen, die Genuss-Radtouren durch das Kulturland Kreis Höxter und der Showroom im Archäologiepark auf dem Gelände der untergegangen Stadtwüstung Corvey gemeinsam? Sie alle sind geplant, sollen Schwung in den Tourismus bringen, setzen progressiv auf digitale Tools und werden vom Bund und vom Land NRW subventioniert.

Sabine Robrecht 

„Die Abtei Marienmünster ist ein Musterbeispiel für die konsequente Verbesserung des touristischen Angebots der Region OWL“, würdigte Regierungspräsidentin Judith Pirscher den Schauplatz der Förderbescheid-Übergabe. Das Foto zeigt die Regierungspräsidentin mit Landrat Michael Stickeln (von links), Herbert Weber (Geschäftsführer der OWL GmbH), Michael Scholle (Erster Beigeordneter der Stadt Bad Driburg), Staatssekretär Christoph Dammermann und Landrat Dr. Axel Lehmann (Kreis Lippe). Foto: Sabine Robrecht

5,9 Millionen Euro fließen in die vier Tourismus-Projekte. Die Förderbescheide hat NRW-Wirtschaftsstaatssekretär Christoph Dammermann am Freitag zusammen mit Regierungspräsidentin Judith Pirscher in der Reisescheune der Abtei Marienmünster übergeben. „Mit den Fördermitteln unterstützen wir eine Branche, die unter der Pandemie leidet“, betonte die Regierungspräsidentin. Der Konkurrenzkampf der deutschen Mittelgebirgsregionen am touristischen Markt sei hart. „Deshalb braucht es solche Angebote.“ Die Konzepte der geförderten Offensiven überzeugen die Regierungspräsidentin: „Die vier Projekte verknüpfen die ‚Schätze‘ unserer Region mit Erlebnissen und Emotionen. Sie sprechen alle Sinne an und machen dank digitaler Technik auch Unsichtbares und Vergangenes erfahrbar.“ Die Projekte zeigen, so Pirscher, eindrucksvoll, „wie mit öffentlichen Mitteln gute und nachhaltige Impulse in die regionale Wirtschaft gegeben werden“.

Moorerlebniswelt

Staatssekretär Christoph Dammermann ordnete die Tourismusbranche als wichtigen Wirtschaftsfaktor in OWL ein. Die Fördermittel seien dazu da, Impulse auszulösen. „Insofern ist die Übergabe der Förderbescheide mit Hausaufgaben verbunden.“

Diese erledigen für die Moorerlebniswelt Bad Driburg die Stadt und die Touristik GmbH. Erster Beigeordneter Michael Scholle stellte das viel versprechende Projekt (Zuschuss: 618.700 Euro, Gesamtausgaben: 773.370 Euro) bei der der Förderbescheid-Übergabe in Marienmünster vor.“ Das schwarze Gold ist neben unserem Wasser das Heilmittel, das uns bekannt macht.“ Auf dem Gelände der Eggelandklinik – „eine fünfeinhalb Hektar große innerstädtische Fläche, die wir jetzt zu einem Quartier entwickeln können“ – soll mit der Moorerlebniswelt ein neuer Leuchtturm für Touristen und die zu Tausenden in Bad Driburg übernachtenden Reha-Patienten implementiert werden.

Ein altes Gebäude mit schmucker Fassade soll erhalten bleiben, so Scholle. Geplant ist kein Museum im klassischen Sinne, sondern fesselnde Erlebniswelten mit Experimentierstationen zum „verstehen, erkunden, erforschen und partizipieren“, erläuterte Daniel Winkler, Chef der Bad Driburger Touristik GmbH. Mit einer Erlebnisroute rund um das jahrhundertealte Naturprodukt Moor und anderen Ideen soll die Umgebung einbezogen werden. Digitale Zusatzangebote runden das Projekt ab.DigitalerShowroom

Die Digitalisierung hält auch in Corvey Einzug und richtet den Spot auf die UNESCO-Welterbestätte. Im Archäologiepark auf dem Gelände der 1265 wüst gefallenen Stadt Corvey ist in einem Neubau ein digitaler Showroom geplant (Zuwendung 240.000 Euro, Gesamtkosten 300.000 Euro). Der Archäologiepark soll zur Landesgartenschau 2023 entstehen und mit der digitalen Rekonstruktion eines Teilgrundrisses der versunkenen Stadt ein Fenster in die Vergangenheit öffnen. Landrat Michael Stickeln sprach, als er das Projekt in Marienmünster vorstellte, bewusst von „unserer“ Landesgartenschau. „Denn sie strahlt aus in den ganzen Kreis.“ Das gelte auch für das Weltkulturerbe Corvey.

Der digitale Showroom mit seinen multimedialen Erlebniswelten ist Teil der Förderinitiative „Regionale 2022“ und steht unter dem Dach des Projekts „Zukunftsfit Digitalisierung“. Das Projekt entfaltet sich in einem neuen Gebäude im Archäologiepark in Sichtweite zum karolingischen Westwerk. Die Besucher lernen Geschichten und Persönlichkeiten der Reichsabtei und der Stadt Höxter kennen. Sie erfahren aber auch Wissenswertes über weitere Anziehungspunkte der Region. „Das innovative Tourismuszentrum soll auch nach der Landesgartenschau in der attraktiven Lage nahe an der Weser und dem beliebten überregionalem Weser-Radweg weitergeführt werden und als Aushängeschild für den gesamten Kreis Höxter dienen“, kündigte der Landrat an. Bei der Gelegenheit richtete er seinen Dank an Regierungspräsidentin Judith Pirscher. Sie setze sich mit viel Herzblut dafür ein, dass die Landesgartenschau auch an dieser Stelle, in Corvey, ein Erfolg wird.Genusstouren

Auf Erfolgskurs ist der Kreis Höxter schon seit 20 Jahren mit dem Schwerpunkt Regionalität. Das Label „Kulturland Kreis Höxter“ zielt auch auf die landwirtschaftliche Prägung der Kulturlandschaft und auf die Angebotsvielfalt der Direktvermarkter ab. Sie zu vernetzen und erlebbar zu machen, ist Ziel der „LandGenussTouren“. Die vier Themen-Radtouren werden mit 79.190 Euro gefördert (Gesamtausgaben 99.000 Euro). Im Mittelpunkt steht das sinnliche Erleben regionaler Lebensmittel und der bäuerlich geprägten Kulturlandschaft. Digitale Komponenten vom Routennetz bis zum Internetauftritt runden die Offensive für die wachsende Zielgruppe der Radtouristen ab.

Klimawandel

Der Löwenanteil der insgesamt 5,9 Millionen Euro Fördermittel fließt in den Kreis Lippe. In Oerlinghausen entsteht für knapp 6,3 Millionen Euro (Fördersumme: fünf Millionen) eine Klimaerlebniswelt, die den Menschen vor Augen führt, wie sehr der Klimaschutz jeden angeht. Simulationen von Extremwetter sollen die Besuche nachhaltig beeindrucken. „Wenn man etwas ändern will, muss man die Menschen mitnehmen und fesseln“, sagt Landrat Dr. Axel Lehmann. „Das will die Erlebniswelt erreichen.“

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