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Karnevalsgesellschaft Rot-Weiße Garde Bad Driburg vor 75 Jahren gegründet

„Anderen Menschen Freude geben“

Bad Driburg

Die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiße Garde Bad Driburg ist vor 75 Jahren gegründet worden. Doch gefeiert werden kann in diesem Jahr nicht.

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Die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiße Garde Bad Driburg im Jahr 2020. 1946 ist sie gegründet worden. Foto: Rot-Weiße Garde

(fsp). „Nichts Schöneres gibt’s im Leben, als anderen Menschen Freude geben“ – das war das Motto, welches der damalige Gründer der Karnevalsgesellschaft Bad Driburg Fritz Pötschke als erster Präsident im Jahre 1946 ausrief. Als Rheinländer, der nach dem Kriegsende in die Badestadt gekommen war, gründete er den Bad Driburger Verein, der sich zunächst, geprägt durch den rheinischen Karneval, „Rot-Weiße-Funken“ nannte.

Schon zum 50-jährigen Jubiläum der Garde stellte der damalige Landrat des Kreises Höxter, Wilhelm Weskamp, in seiner Laudatio fest: „Ein Mensch, der stets in Sorgen und Kummer lebt, kann auf Dauer nicht gesund bleiben. Darum sollte man den Menschen dankbar sein, die sich wie die Rot-Weiße-Garde bemühen, Frohsinn zu wecken und die Menschen zum Lachen zu bringen.“

Das Jubiläumsjahr wartet mit einer Herausforderung auf, mit der niemand gerechnet hat und gegen die auch die besten närrischen Rezepte kaum etwas ausrichten können. Geprägt von der Corona Pandemie gelten anstatt Schunkeln und Bützen jetzt die einprägenden Parolen „Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen und Lüften“.

Schon 1949, immer noch unter der Leitung von Fritz Pötschke, wurde ein Vorstand aus den Karnevalisten Franz Pauly, Erwin Venohr, Max. Guder, Stani Bydollek, Alfred Sawalich und Hubert Wagener gebildet. Dessen vornehmliches Ziel war es, den Bad Driburger Närrinnen und Narren schon im drauf folgenden Jahr den ersten Prinzen im Karneval Jacob Dinkelbach als „Prinz Köbes I.“ zu präsentieren. Ein Freund und Gönner stiftete übrigens die erste Prinzenkette und eine schmückende Kopfbedeckung – allerdings noch aus Papier.

1952 wurde die erste Satzung des noch jungen Vereins verfasst und beim Amtsgericht eingetragen. Aus der kleinen Schar der Anfangszeit entwickelte sich schnell ein beachtlicher Stamm echter Karnevalisten. Die Papiermützen wurden durch feinere aus Stoff – genäht von der Ehefrau des Präsidenten – ersetzt.

1957, im Jahr des Prinzen Hubert I. Gaentzsch, erfolgte die Antragstellung zur Aufnahme in den Bund Westfälischer Karneval. Nach einer Probezeit wurden die „Rot-Weißen-Funken“ auch in den Bund Deutscher Karneval als Mitglied aufgenommen. Der urkölnische Begriff „Funken“ musste jedoch abgelegt werden. In der Folge wurde ein neuer Vereinsname gesucht. Präsident Fritz Pötschke schlug als neuen Namen „Rot-Weiße-Garde“ vor. Der Vorschlag fand die Zustimmung der Freunde des Bad Driburger Karnevals. Mit dem neuen Namen ließ sich die Driburger Karnevalsgesellschaft 1958 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Brakel eintragen.

Ende der 60er Jahre gründete sich der erste Elferrat des Vereins. Mit ihrem Zeremonienmeister B. Schöning, komplettierte sich der Elferrat mit Heinz Thöne, Heinz von Hüth, Gerd Czerwinski, Hubert Gaentzsch, Theo Höltring, Walter Matthias, Heinz Zwack, Georg Wolzog, Kurt Panitzke, Paul Loke und Gerd Neuhaus.

Weiterer Meilenstein in der Geschichte des Vereins war die Gründung der Tanz- und Prinzengarde durch Willi Slembeck im Jahr 1969. Erste Trainerin war Helga Matthias, der 1984 Petra Flemming-Schmidt folgte und 1990 durch Raphaela Sammert abgelöst wurde. Es folgten Anika Focke, Miriam Schopp sowie Monika Gertkämper, und ab 2019 zeigen sich Petra Koch, Stefanie Rohde Janine Middeke und Franziska Schmitz für das Tanztraining der Tanz- und Prinzengarde auch der Kinderprinzenehrengarde verantwortlich.

1972, nach 26 Jahren an der Spitze des Karnevals in Bad Driburg, übergab Fritz Pötschke das Zepter der KG weiter an Karl-Heinz Hengst und wurde als Dank für seine geleistete Arbeit zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.

Während der Amtszeit von Karl-Heinz Hengst wurde 1976 erstmalig ein Kinderkarnevalsumzug des Vereins zur Förderung von Spiel- und Freizeitanlagen für Kinder und Jugendliche unterstützt. Für jeden verkleideten kleinen Jecken gab es Kakao und Kuchen gratis. Bereits ein Jahr später nahmen bereits 1000 verkleidete Kinder an dem Umzug teil. Drei Spielmannszüge, vier Festwagen, eine Ponykutsche sowie einige Reiter komplettierten den Festzug.

Bereits ab 1980 wird der Kinderkarnevalsumzug unter der Regie der KG Rot-Weiß organisiert und durchgeführt. Aufgrund der stetig zunehmenden Teilnehmerzahl an Teilnehmern und Besuchern musste die Streckenführung mehrfach geändert werden, und 1987 verlegte man aus organisatorischen Gründen den Umzug auf den Sonntag. Ein Novum erfreute die Rot-Weißen im Jahre 1978 als erstmalig die Prinzessin Carola (Loke) an der Seite des Prinzen Klaus (Thomanek) die Narrenschar durch die Session führte. Von nun an sollte ein Prinzenpaar durch die närrische Session führen.

Zwölf Jahre war Karl-Heinz Hengst der Präsident der KG und trat 1984 aus familiären Gründen von dem Amt zurück. Aufgrund seiner Verdienste, die er für die Rot-Weiße Garde erworben hatte, wurde er nach seinem Rücktritt sofort zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Es folgte Klaus-Dieter Will, der bereits 1987 das Amt des Präsidenten an Josef Temme, dem langjährigen Schatzmeister des Vereins übergab.

Während seiner ersten Amtsperiode formierte sich aus verdienten Vereinsmitgliedern die Gruppe der Senatoren. Es handelt sich um einen Kreis von „ernannten“ Jecken, die sich in der Gesellschaft in einem eigenen Gremium, dem Senat, zusammengeschlossen haben. Die Senatoren sind durch den Willen, das Brauchtum des Karnevals zu erhalten und zu stärken sowie mit den anderen Jecken einfach die Freude am Karneval zu leben, verbunden. Aktuell besteht der Senatorenrat aus Werner Seliger, Peter Henseler, Heinz Heinemann, Klaus Grimm, Manfred Hinz, Karl-Heinz Menne, Klaus Dieter Will und Stefan Konert.

Während der Regentschaft von Josef Temme wurde die Kinderprinzenehrengarde gegründet. Unter der Regie von sehr engagierten Trainerinnen begleiten sie, mit tollen Gardeuniformen ausgestattet, das Kinderprinzenpaar zum Beispiel bei ihren Auftritten in den Schulen, Seniorenheimen oder beim Frauenkarneval.

Das „große“ Prinzenpaar wird seit 1990 von den Männern der neugegründeten Stadtgarde begleitet. Auch sie sind heute nicht mehr wegzudenken vom Bad Driburger Karneval.

Nachdem 1999 die Präsidentschaft an Herman-Josef Koch übergeben wurde, gab es 2002 ein Novum in der Geschichte der Garde. Die drei Bad Driburger Gardisten Ludwig Spieker, Theo Höltring und Günther Schopp tauschten die Uniformen der Stadtgarde in die nach Kölner Vorbild vorgegeben Figuren des Bauern, der Jungfrau und des Prinzen. 2011 übernahm Jochen Blum die Präsidentschaft von Hermann Josef Koch, der mit seinem Ausscheiden zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde. Gleichzeitig wurde auch der Sitzungspräsident der KG Josef Galler, der viele Jahre in rhetorisch - brillanter und humorvoller Art durch das Programm der Saalsitzungen geführt hat, zum Ehrenpräsidenten ernannt.

2020 war das Jahr, das den Karnevalisten in weniger guter Erinnerung bleiben wird. So endete die Session 2019/2020 mit der Absage des Karnevalsumzuges wegen Sturms und Dauerregens durch den Präsidenten Jochen Blum als seine letzte Amtshandlung.

Die Neuwahlen im Jahr 2020 erbrachten einen fast vollständigen Wechsel des Vorstands der KG Rot-Weiße-Garde. Als Dank für ihre geleistete Arbeit wurden Jochen Blum und Donald Waltemode zu Ehrenpräsidenten ernannt. Uwe Rohde hatte sich die Übernahme des Präsidentschaftsamtes der KG Rot-Weiße-Garde auch anders vorgestellt. Als frisch gekürter Präsident der Bad Driburger Karnevalisten hatte er die schmerzliche Aufgabe, die Anordnungen zur Corona-Pandemiebekämpfung umzusetzen.

So wurden alle Veranstaltungen des Karnevals bis in das Jahr 2021 abgesagt in der Hoffnung, einer neuen Session in den Jahren 2021/2022 entgegenfiebern zu können.

Stillstand ist Rückgang – und um diesem entgegenzuwirken und sich zu rüsten für die Zeit nach Corona, wurde 2020 aus der Kinder-Prinzen-Ehren-Garde (KPEG) eine neue Tanz- und Prinzengarde mit stattlichen 16 Tänzerinnen..

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