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Palliativmedizin soll höheren Stellenwert bekommen – Ärzte wünschen sich stationäres Hospiz

Bei Gratwanderung nicht allein entscheiden

Bad Driburg/Marienmünster(WB). »Die Palliativmedizin hat nicht den Stellenwert, den sie im Kreis Höxter haben müsste«, ist Dr. Detlef Michael Ringbeck überzeugt. Auch vor diesem Hintergrund macht er sie zum Thema beim nächsten Gesundheitsgespräch in Marienmünster, »Medizin in der Abtei«, am Mittwoch, 4. September, um 17 Uhr.

Jürgen Köster

Dr. Detlef Michael Ringbeck und Dr. Michael Stoltz (links) werben für das Gesundheitsgespräch in Marienmünster und möchten eine Verbesserung der palliativen Versorgung erreichen. Foto: Köster

»Mediziner werden fast täglich damit konfrontiert, zwischen dem medizinisch Machbaren und dem medizinisch Vertretbaren abzuwägen. Um diesen schmalen Grat zu erkennen und damit umzugehen, ist der kollegiale Austausch unter Fachärzten wichtig«, ist sich Ringbeck mit Dr. Michael Stoltz, Leitender Palliativarzt und Mitbegründer des Palliativ-Netzwerks im Kreis Höxter einig.

Aber etwas anderes ist den beiden Medizinern noch wichtiger: »Es gibt kein Hospiz im Kreis Höxter. Das zeigt, dass er in diesem Bereich nicht gut aufgestellt ist.« Die Ärzte hoffen, dass es zusammen mit der Politik und mit dem neuen Geschäftsführer der Katholischen Hospital-Vereinigung Weser-Egge, Christian Jostes, gelingen kann, ein Hospiz im Kreis Höxter einzurichten.

In guten Gesprächen

Er sei in guten Gesprächen, verrät Dr. Stoltz. Die Verwirklichung sei aber auch deswegen schwierig, weil man beispielsweise bei einem stationären Hospiz mit acht Betten mit einem Minus von 100.000 bis 200.000 Euro pro Jahr kalkulieren müsse. Drei Millionen Euro seien nötig, um das Hospiz zu bauen und das erste Jahr betreiben zu können. Da brauche man »einen großen Bruder an seiner Seite«. Die Planungen liefen seit drei Jahren. Zurzeit gebe es konkrete Verhandlungen.

Stoltz untermauert die Notwendigkeit der Einrichtung mit Zahlen: Etwa 1700 Menschen stürben jährlich im Kreis Höxter. Mit der ambulanten Palliativversorgung würden etwa 400 bis 420 erreicht.

Bei der Fortbildung in Marienmünster geht es auch um die Ziele der Palliativmedizin, nämlich die Beschwerden am Ende des Lebens zu lindern. Hierzu zählen laut Ringbeck Übelkeit, Schmerzen, Angst, Depressionen und Luftnot. »Wir wollen außerdem dazu beitragen, die Sprachlosigkeit in den Familien zu überwinden«, sagt Stoltz. Vielen Menschen falle es schwer, über den letzten Lebensabschnitt, eine unheilbare Krankheit oder die Trauer beim Abschied von einem geliebten Menschen zu sprechen, ergänzt Ringbeck, der den Blick auch auf das Palliativnetzwerk werfen möchte.

Palliativnetzwerk

Dieses wurde vor zehn Jahren gründet, um Patienten und ihre Angehörigen optimal zu betreuen. Es ist ein Zusammenschluss verschiedener Kooperationspartner wie Pflegedienste mit palliativpflegerischer Fachkompetenz, Seelsorger, Psychologen, Physiotherapeuten, Sanitätshäuser, Apotheken. Stationäre Hospize und Palliativstationen gehören ebenfalls dazu, wie der Mitbegründer des Palliativ-Netzwerks berichtet. Seit Gründung des Netzwerkes seien etwa 3500 Patienten betreut worden. Es gehe stets mehr um Lebensqualität als um -quantität.

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