1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bad-driburg
  6. >
  7. Daumen drücken auf beiden Seiten

  8. >

»Unsere Gruppengegner«: Paar aus Bad Driburg fiebert bei Freunden in Schweden mit

Daumen drücken auf beiden Seiten

Bad Driburg (WB). »Gute Freunde kann niemand trennen«, das sang schon ‘74-Weltmeister Franz Beckenbauer. Der Meinung sind auch Linda und Markus Heinemann, wenn sie das WM-Spiel am Samstag gucken – nicht in der Heimat, sondern bei Freunden im schwedischen Roslagen.

Timo Gemmeke

Zwei Fahnen, zwei Sorten Bier, ein rundes Leder: Die Vorfreude auf das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden steigt bei den befreundeten Ehepaaren (von links) Stefan Sjöberg und Christiane Dlhoš sowie Linda und Markus Heinemann. Das Spiel wollen sie bei gutem Wetter im Garten schauen. Foto: Privat

Zwei Gründe zu Feiern

Dass ein Sieg der anderen Mannschaft die Stimmung kaum trüben wird, hat gleich zwei Gründe: Am Samstag wird in Schweden das Mittsommerfest gefeiert – die wohl beliebteste Tradition der skandinavischen Länder. Gute Laune gibt’s also auch ohne das Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden. »Und ganz egal, wie die Partie ausgeht– wir freuen uns«, sagen Linda, Markus, Christiane und Stefan, die beiden Mannschaften die Daumen drücken.

Befreundet sind die beiden Ehepaare bereits seit 2014. »Christiane und ich haben zusammen in Paderborn studiert und waren 2009 für ein Auslandssemester in Schweden«, erzählt Linda Heinemann. Die gebürtige Dringenbergerin hat es anschließend wieder in die Heimat gezogen – anders als ihre Freundin. »Ich war so begeistert von dem Land, dass ich mir dort vier Jahre später einen Job gesucht hat«, sagt Christiane Dlhoš. Gefunden hat sie nicht nur einen Job, sondern auch die große Liebe: ihren Mann Stefan. 2014 hat das Paar geheiratet, zwei Jahre später, am Nikolaustag, kam der gemeinsame Sohn zur Welt. »Wir sind jetzt die einzigen hier, die Nikolaus feiern«, scherzt das Ehepaar.

Mitfiebern im Garten

Gefeiert wird in ganz Schweden stattdessen das Mittsommerfest – und zwar so richtig. »Die großen Städte werden wie leer gefegt sein«, weiß Stefan. »Alle fahren mit ihrer Familie raus aufs Land zu ihren Ferienhütten und feiern gemeinsam in der Natur.« Im Grünen anstatt auf der Couch wollen sich die Vier auch das Spiel anschauen. »Das Wetter ist gut, wir stellen den Fernseher raus in den Garten«, erzählt Linda.

Die 90 Minuten (oder mehr) verbringen die Freunde dann bei schwedischen Fisch- und Käsespezialitäten, die extra zu »Midsommar« kredenzt werden. Im Glas landet nicht nur schwedisches Brauerzeugnis, sondern auch Gerstensaft aus heimischen Gefilden: Eine Kiste Paderborner Pilgerbier hat im Kofferraum der Heinemanns noch Platz gefunden.

Keine Fußballer-Feindschaft

Bier ist aber nicht der einzige Export, den die Schweden schätzen. »Hier wird zwar vermehrt englischer Fußball geschaut, es gibt aber auch viele Fans der Bundesliga«, erklärt Stefan. Spieler wie Marcus Berg, ehemals beim Hamburger SV, und Emil Forsberg, aktuell bei RB Leipzig, zögen den Blick häufig auf die deutschen Plätze. Auch die Nationalmannschaft genieße generell ein hohes Ansehen, sagt der Schwede: »Wir mögen das deutsche Team«. Fußballer-Feindschaft und Missgunst? Nicht im Land der Elche, Seen und Wälder.

Auch das ist es, was Linda und Markus Heinemann am hohen Norden schätzen. Gelassenheit und Natur seien einzigartig, findet das Ehepaar: »Hier wird jeder geduzt, alle sind viel entspannter als in Deutschland«. Auch infrastrukturell sei das Land gut aufgestellt: Schnelles Internet gibt’s mitten in der Wildnis, gute Straßennetze führen schnell vom Dorf in die nächste Stadt.

»Manche glauben sogar an eine Medaille«

Trotz aller Sympathien prognostiziert Markus Heinemann einen Sieg der deutschen Mannschaft. »Ich tippe auf ein 2:1«, sagt der gebürtige Bad Driburger. Das schwedische Paar hofft auf einen milderen Ausgang. »Ein Unentschieden wär gut«, sagen sie. Ihr Tipp: 1:1. Generell sei die WM-Euphorie in Schweden hoch, berichtet Stefan. »Manche glauben sogar an eine Medaille wie 1994 beim Turnier in Amerika«. Damals jubelte das ganze Land über Platz drei. Und selbst trotz – oder gerade wegen – des Ausstiegs von Topscorer Zlatan Ibrahimovic´, sei das schwedische Team aktuell nicht zu unterschätzen. »Früher war es die Ein-Mann-Show, heute spielt die Mannschaft als Team«, sagt Stefan. Das könne auch den Deutschen gefährlich werden, denen diese Eigenschaft bei der Niederlage gegen Mexiko gefehlt habe.

Egal wie das Spiel also ausgeht, beide Paare werden sich nach dem Schlusspfiff freuen, wenn auch für das jeweils andere Team. Zeit zum Feiern haben sie auch – schließlich bleibt es in den Nächten um »Midsommar« am längsten hell.

Startseite