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Positive Resonanz auf Projekt „Schüler leiten eine Station“ am St.-Josef-Hospital

Der Nachwuchs übernimmt

Bad Driburg (WB). Die Station sechs des St.-Josef-Hospitals hat ein komplett neues Pflegeteam und auch eine neue Chefin: Loreen-Valeria Frese hat diesen Posten. Ebenso wie ihre Mitarbeiterinnen ist sie Schülerin des dritten Ausbildungsjahres in der Gesundheits- und Krankenpflege. „Und ich bin meinen Job los“, sagt Karin Henke, ihre „Vorgängerin“ im Amt, schmunzelnd.

Frank Spiegel

Visite (von links): Teamleitung Karin Henke, Chefarzt Dr. Florian Dietl und Dr. Vasilii Sorokin im Gespräch mit den Auszubildenden Eileen Veith, Marianna Sawazki und Loreen-Valeria Frese. Anfangs war es für den Nachwuchs noch eine Überwindung, die Mediziner anzusprechen, inzwischen nicht mehr. Foto: Frank Spiegel

Chefin für einen Monat

Dass sie dennoch gut Lachen hat, liegt daran, dass Loreen-Valeria Frese nur für einen Monat den Posten der Bereichsleiterin übernimmt. Ebenso wie die anderen Schülerinnen und Schüler steht die 21-Jährige ein halbes Jahr vor ihrem Examen und nimmt an dem Ausbildungsprojekt „Schüler leiten eine Station“ teil.

Und wirklich arbeitslos ist auch Karin Henke keinesfalls. Denn die Bereichsleiterin hat diesen Posten in Wirklichkeit natürlich immer noch inne. Zusammen mit den anderen Praxisanleiterinnen schaut sie den Schülerinnen und Schülern auf die Finger – mehr aber auch nicht im Idealfall.

Die managen den Stationsalltag genau so, wie sie es als ausgelernte Kräfte tun müssen. Wie Ute Pägel berichtet, gehört dazu die Organisation von Vertretungen im Krankheitsfall, die Organisation der Pflege, das Führen von Beratungsgesprächen, Gespräche mit den Ärzten und die Koordination mit anderen Berufsgruppen im Haus – etwa den Bereichen Physiotherapie oder Ergotherapie. Auch die Übergabegespräche beim Schichtwechsel führen die angehenden Gesundheits- und Krankenpfleger selbstständig – wenn auch immer im Beisein der schon ausgelernten Profis.

„Wir würden nur eingreifen, wenn etwas aus dem Ruder läuft“, erläutert Karin Henke. Das sei aber bislang noch nicht notwendig gewesen. Allenfalls habe man kleine Hinweise geben können.

Besondere Lernsituation

„Es ist und bleibt eine Lernsituation“, macht Ute Pägel, Leiterin des Bildungszentrums Weser-Egge, deutlich. Hier böte sich aber die Möglichkeit vor Ort, schon in der Ausbildung Erfahrungen aus der späteren Berufspraxis sammeln zu können.

21 Schülerinnen und zwei Schüler des Bildungszentrums tun dies in der Chirurgie des St.-Josef-Hospitals in Bad Driburg. Eine weitere Gruppe nimmt an dem Projekt im Helios-Klinikum in Warburg teil.

„Die Patienten reagieren alle sehr positiv“, freut sich Loreen-Valeria Frese. Viele würden gern ein positives Feedback für das Projekt an die Schulleitung geben.

Wie Ute Pägel ausführt, wurden die Patienten mit Flyern über dieses informiert. Zudem hängen auf dem Flur Plakate mit den Bildern der Schülerinnen und Schüler. „Und die Patienten profitieren natürlich auch von der deutlich höheren Betreuungsdichte auf der Station“, ergänzt sie. Normalerweise seien dort zwölf Pflegekräfte beschäftigt, jetzt seien es 23.

Die Auszubildenden profitierten ebenfalls. Schließlich sei dieses Projekt auch ein Ausdruck der Wertschätzung für den Nachwuchs. „Und vielleicht bewegt es sie ja auch dazu, sich nach der Ausbildung bei uns zu bewerben“, sagt sie.

„Für mich war es anfangs schon eine recht große Überwindung, einen Arzt anzusprechen“, berichtet Loreen-Valeria Frese. Inzwischen hat sich für die Neuenheerserin diese Hemmschwelle allerdings deutlich verringert.

Und auch die Mediziner sind begeistert dabei. „Die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen ist sehr gut“, versichert Dr. Florian Dietl, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am St.-Josef-Hospital Bad Driburg. Er ist stolz auf den Nachwuchs. „Sie müssen sich sehr schnell mit immer neuen Patienten und ihren Erkrankungen vertraut machen”, verweist er auf die besonderen Anforderungen in der Chirurgie.

Mehr Sicherheit

„Es macht große Freude, so als Team zusammenzuarbeiten und die Erfahrung machen zu können, dass wir Herausforderungen gut bewältigen können“, berichtet Maike Schäfer von ihren Erfahrungen. Das sei eine sehr große Hilfe und gebe auch Sicherheit.

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