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Zusätzliche Astrazeneca-Dosen bald alle verimpft – 1000 Patienten werden täglich im Zentrum behandelt

„Die Hausärzte sind besser als Drive-through“

Kreis Höxter

„Die Idee gab es schon vor drei Monaten, jetzt, nachdem die In­frastruktur im Impfzentrum des Kreises läuft, kommt eine Umstellung für uns nicht mehr in Frage.“ Dr. Jens Grothues ist Leiter des Impfzentrums in Brakel und sauer über den Vorstoß von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Ralf Brakemeier

Die Arbeit im Impfzentrum des Kreises Höxter läuft auf Hochtouren. Bis zu 1000 Menschen werden täglich versorgt. . Die Einrichtung einer „Drive-through-Impfstrecke“ sei nicht praktikabel, so der Leiter Dr. Jens Grothues. Foto: Ellen Waldeyer

Der hatte am Mittwoch die Einrichtung einer so genannten „Drive-through-Station“ im Impfzentrum der Stadt Schwelm (Ennepe-Ruhr-Kreis) ausdrücklich begrüßt. Das sei „ein ganz besonderes Impfzentrum“, so der CDU-Vorsitzende wörtlich. Dr. Grothues sieht das für den Kreis Höxter aber nicht als eine praxistaugliche Lösung an: „Wir müssten eine völlig neue Infrastruktur aufbauen, am Dienstag haben wir 1000 Patienten behandelt. Was wir brauchen ist kein Drive-through, sondern mehr Impfstoff.“

Die Verabreichung des Astrazeneca-Wirkstoffs, der als Sonderlieferung an Patienten zwischen 60 und 79 Jahren verimpft wird, laufe gut. Die Impfdosen würden in der vom Land NRW vorgegebenen Zeit verbraucht sein, so Grothues. „Wenn uns das Land helfen will, dann sollte es uns von der Bürokratie befreien, dann könnten wir im gleichen Zeitraum doppelt so viele Menschen impfen“, ärgert sich Grothues. Bis Ende März seien allein im Impfzentrum Brakel gut 250.000 Seiten Dokumentation angefallen.

Impfzentrum in Brakel. Foto: Michael Robrecht

Schon Mitte März hatte in Bremervörde (zwischen Bremerhaven und Hamburg) ein Testprojekt begonnen. Auf einem Messegelände hatte das Rote Kreuz eine Drive-through-Impfstrecke aufgebaut und hier 480 Menschen geimpft. Am Karsamstag kam es an gleicher Stelle zur Zweitimpfung. An vier Stationen machten die Fahrzeuge Halt. So wurden die Registrierung, das Arztgespräch, die Impfung selbst und die Überwachungsphase am geöffneten Autofenster absolviert. „Effizienter als im Impfzen­trum“, so die Bilanz. In den USA werden auf diese Weise, zum Beispiel auf großen Supermarktparkplätzen, zahlreiche Menschen geimpft. Allerdings gibt es hier auch weniger Papierkram und mehr Impfstoff.

„Wir verfügen über viele Tausend Impfstationen wenn die Haus- und Fachärzte erst mit ausreichend Impfstoff versorgt werden. Die können das besser als jeder Drive-through“, ist sich Dr. Jens Grothues sicher.

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