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Nach Orkantief »Friederike« haben die heimischen Förster immer noch viel zu tun

Ein Sturm und seine Folgen

Brakel(WB). Knapp ein halbes Jahr nach Orkantief Friederike sind die Schäden in den heimischen Wäldern noch längst nicht beseitigt. Doch es sind nicht nur Unmengen an Sturmholz, die den Förstern derzeit Sorgen bereiten.

Timo Gemmeke

Unmengen an Sturmholz sind nach Orkantief Friederike im Kreis Höxter angefallen. Besonders Fichten – wie auf diesem Foto – sollen auf einem Trockenlagerplatz im Modexer Wald untergebracht werden. Im Verkauf landen vorerst Nadelhölzer, die fast 90 Prozent des angefallenen Sturmholzes ausmachen. Foto: dpa

Eingestürzte Dächer, gerodete Landstriche, mehrere Tote: Die Bilanz nach dem Orkantief Friederike im Januar war verheerend. Die Schäden sind im Durchschnitt nicht mit denen von Sturm Kyrill 2007 vergleichbar, dennoch wurden in Gebieten wie der Hegge ganze Berghänge abgeholzt. Mit dem Aufarbeiten von zehntausenden Festmetern Sturmholz im gesamten Kreisgebiet sind die heimischen Förster immer noch beschäftigt – und werden es auch weitere Monate sein.

Arbeit sicherer

Als problematisch stellt sich nicht nur die Arbeit in teils gefährlichen Gebieten heraus. Anfang Februar war ein Waldarbeiter in Ovenhausen schwer verletzt worden; manche Gebiete werden seit dem Sturm nur mit so genannten Harvester-Maschinen befahren. Damit ist die Arbeit sicherer, jedoch verlangsamt sich das Aufräumen dadurch auch.

Ist das Sturmholz geschlagen und abgefahren, stellt sich Förstern und Waldbesitzern die nächste schwierige Frage: Wohin damit? Die meisten Lagerplätze sind voll, die Sägewerke ebenso. »Uns bleibt nur, gewisse Holzmengen vom Markt zu nehmen«, sagt Roland Schockemöhle, Leiter des Regionalforstamtes Hochstift. Auf der ehemaligen Nato-Station im Modexer Wald soll dafür jetzt ein Trockenlager entstehen. Die Firma Egger will dort in Kooperation mit der Stadt Brakel knapp 20.000 Festmeter – vorrangig Fichte – einlagern.

Platz im Wald

Das soll einerseits Platz im Wald schaffen, aber auch ein »Signal an den Markt« sein, sagt Schockemöhle. »Die Wertschöpfung soll weiterhin in der Region bleiben«. Im Verkauf landen vorerst Nadelhölzer, die fast 90 Prozent des angefallenen Sturmholzes ausmachen. Auch wenn das Angebot an beliebten Laubhölzern geringer ist, mahnt Schockemöhle: »Wir haben weiterhin Verträge über Laubholz, die wir trotz der Umstände einhalten wollen«. Mit Beginn der Einschlagsaison ab Oktober/November könne sich das Angebot wieder normalisieren.

Bis dahin bittet Schockemöhle – auch im Namen aller Kollegen – um Verständnis für die andauernde Aufarbeitung. Die ist nicht die einzige Herausforderung, vor der die Förster aktuell stehen.

Besonders die extreme Trockenheit der vergangenen Monate macht den Bäumen derzeit zu schaffen. »Wenn diese Phase weiter andauert, geraten sie unter Wasserstress«, erklärt Schockemöhle. Die Folge: Betroffene Bäume werden weniger Widerstandsfähig. Der unregelmäßige Kahlschlag durch Friederike vergrößert das Problem noch mehr,

Weniger Schutz

»Viele Bäume stehen nicht mehr im Verband, sondern einzeln«, schildert Schockemöhle. Dadurch haben sie noch weniger Schatten und somit weniger Schutz vor der Trockenheit. Das allein schadet den Bäumen schon genug, könnte aber noch schlimmer werden. Denn: Für Schädlinge – wie etwa den Borkenkäfer – bieten die geschwächten Pflanzen den perfekten Lebensraum.

Zur Abwehr des Käfers besitzen die Bäume eigentlich eine Schutzfunktion. »Sie produzieren Harz, das den Käfer umschließt, wenn er sich in die Rinde bohrt«, so Schockemöhle. Das können Fichten im Schnitt circa 200 Mal – nicht aber, wenn der Wasserhaushalt zu niedrig ist. Ist der Käfer einmal im Inneren des Baumes, sondert er Pheromone ab, um Artgenossen zu signalisieren: Hier ist was zu holen. »Dann haben die Bäume keine Chance mehr gegen den Käfer«, weiß Schockemöhle, auch aus eigener Erfahrung.

Nicht alles planbar

Die Alarmglocke möchte der Forstamtsleiter aber noch nicht läuten. »Wir beschäftigen uns zurzeit viel mit der Thematik und versuchen, eine Lösung zu finden«, sagt er. Dass im Wald nicht alles planbar sei, habe Orkantief Friederike mit seinen Folgen wieder gezeigt. »Man kann keine Betriebsbesichtigungen machen wie in einer Firmenhalle.«

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