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Kurparkstreit in Bad Driburg: Gastronomie, Hotellerie und Kaufmannschaft sind in Sorge

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Bad Driburg

Gastronomie, Hotellerie und Kaufmannschaft in Bad Driburg betrachten die Entwicklung des Verhältnisses zwischen der Stadt und der Unternehmensgruppe Oeynhausen-Sierstorpff mit größter Sorge. Sie wären bereit, zur Lösung des Problems beizutragen, etwa in Form einer Tourismusabgabe oder der Erhöhung der Grundsteuer.

Frank Spiegel

Dr. Joachim Avenarius, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes und Vize des Dehoga-Bezirksverbandes, steht vor dem Bauzaun am Haupteingang zum Gräflichen Park. Nach Willen des Grafen ist dies ab Montag jetzt der einzige Eingang zum Park. Foto: Reinhold Budde

Das haben Gastronom und Hotelier Heiner Eyers, Dr. Joachim Avenarius, unter anderem Vorsitzender des Bad Driburger Kur- und Verkehrsvereins und Vizepräsident des Dehoga Ostwestfalen und Philippe Potente, Vorsitzender des Werberings Bad Driburg, im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT erklärt. Ein Bruch zwischen der Stadt und dem gräflichen Haus und die damit einhergehende Schließung des Kurparks wäre für sie eine Katastrophe.

„Schließt der Park, sind unsere Existenzen bedroht“, ist Heiner Eyers überzeugt. Die Gastronomie bringe sich schon jetzt in den Standort ein, etwa über Abgaben an die Touristik GmbH oder das Einsammeln der Kurbeiträge. „Trotzdem sind wir gesprächsbereit, mögliche andere Leistungen zu erbringen“, sagt der Hotelier und Gastronom.

Nachdenken könne man auch über eine Tourismusabgabe, wenn alles andere nicht gehe. „Man kann auch darüber nachdenken, ob man sich eine Therme leisten muss, die jährlich 800.000 Euro Kosten verursacht. Hätte ich die Wahl zwischen Therme und Kurpark – da müsste ich doch nicht lange nachdenken“, stellt Eyers klar.

Erhöhung der Grundsteuer

Gastronomie, Hotellerie und Kaufmannschaft halten auch eine Erhöhung der Grundsteuer für denkbar. Schließlich würden Grundstücke bei einer Schließung des Parkes an Wert verlieren.

An sich ließe sich der finanzielle Aufwand durch die Kurbeiträge stemmen. Knackpunkt seien dabei die Kliniken. „Würde man erreichen, dass diese ihre Beiträge im normalen Umfang entrichten, wäre der Aufwand refinanziert“, glaubt Heiner Eyers. Dadurch, dass der Graf in seinen Kliniken die Kurabgabe im vollen Umfang zahle, finanziere er ja schon einen Teil des ihm zustehenden Geldes selbst.

Auch den anderen Kliniken dürfte an einem funktionierenden Standort Bad Driburg gelegen sein – und den gebe es nur mit dem Park des Grafen. Sein Horrorszenario ist die Entwicklung von Bad Meinberg nach der Schließung mehrerer Kliniken: „Das sieht aus wie in einer halb verlassenen Stadt.“

Arbeitsplätze vom Tourismus abhängig

Hinzu kämen die Arbeitsplätze. Die seien in Bad Driburg zu einem sehr großen Teil vom Tourismus abhängig. Eyers: „Da kann man sich doch nicht dieses Standbein auch noch nehmen.“

Das Argument der Stadt, im Zweifelsfall einen eigenen Kurpark zu schaffen ist für Eyers keines. „Den gibt es auch nicht zum Nulltarif. Und wenn ich mir Stadtpark oder Arboretum ansehe und mit dem gräflichen Park vergleiche – da braucht man doch gar nicht erst anfangen“, meint der Bad Driburger. Und auch die Lösung Eggelandpark sieht er nicht. Das dauere doch drei bis vier Jahre, bis in einem solchen die erste Tulpe blühen könne. Verwundert ist er zudem, dass die Stadt einen Interimsvertrag kündigt, ohne einen „Plan B“ in der Tasche zu haben.

Graf und Kurpark gehören zu Bad Driburg

„Für mich gehören der Graf und der Kurpark zu Bad Driburg dazu“, sagt Philippe Potente. Die Kaufmannschaft wünsche sich, auf der Sachebene eine möglicherweise auch kreative Lösung zu finden und würde auch dazu beitragen. Müssten Kliniken schließen, fehlten nicht nur die Kurgäste, es fielen auch Arbeitsplätze weg. Beides bedeute weniger Kunden für Geschäfte. „Bei dem Streit sollte man bedenken, ob der Stadt am Ende nicht sehr viel größere Kosten drohen als die, die jetzt auf sie zukämen“, warnt der Vorsitzende. Er befürchtet einen langfristigen Schaden, der sich jetzt noch gar nicht einschätzen lasse. Eine Kooperation und eine Koexistenz sei für beide Seiten von Vorteil. Potente:“ Dass es jetzt nur an der Höhe der zu zahlenden Summe scheitert, ist für mich schwer zu verstehen.“ Es müsse weiter verhandelt werden: „Und wenn es sein muss bis zur letzten Minute.“ Dabei müssten alle Möglichkeiten erörtert werden – auch möglicherweise unpopuläre. Wichtig sei dabei, mit den Betroffenen das Gespräch zu suchen.

„Es stellt sich die Frage ob Bad Driburg weiter in der Premier League oder nur noch in der Bezirksliga mitspielt. Es stellt sich aber auch die Frage: Wo möchte Bad Driburg in 20 Jahren stehen und was kann sich die Stadt leisten?“, sagt Dr. Joachim Avenarius. Die Situation sei verfahren, und beide Seiten hätten aus seiner Sicht viele Fehler gemacht. Aber insbesondere sei mehr rechtlich als inhaltlich miteinander diskutiert worden. Avenarius: „Es wurden Drohgebärden aufgebaut, Verträge gekündigt, geklagt und so weiter.“

In Bad Driburg sei das Zugpferd der Tourismus. Auch viele Unternehmen in den Gewerbegebieten lebten primär von diesem Sektor, etwa Wäschereien, Reinigungsfirmen, Gartenbauer, Hausmeister, die Lebensmittelbranche und Installationsfirmen. Nirgends gebe es im Kreis Höxter solch eine große gastronomische Vielzahl wie in Bad Driburg, ein großer Anteil der örtlichen Geschäfte könne ohne die Kurgäste nicht mehr überleben und neue Arbeitgeber wie etwa Seniorenheime, welche sich auf gut betuchte externe Bürger konzentrierten, würden in Bad Driburg gar nicht erst investieren.

„Jetzt sollten die Potenziale für die Zukunft und die Chancen genutzt werden, damit Bad Driburg auch in 20 Jahren so gut wie heute dasteht“, sagte Dr. Joachim Avenarius im Gespräch mit dem WB. Hierbei sei es wichtig, sich jetzt an einen Tisch zu setzen, um gemeinsam eine vernünftige Lösung zu finden, die sowohl für die Stadt als auch für Graf von Oeynhausen-Sierstorpff zufriedenstellend sei.

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