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Junge Menschen aus der Region zeigen ihre Wünsche für die Zukunft auf

Jugend macht mobil

Bad Driburg (WB). Wie stellen sich junge Leute zwischen 16 und 27 die Zukunft im Kreis Höxter vor? Wie kann das Kulturland auch im Jahr 2030 noch lebenswert sein? Diesen Fragen sind junge Menschen aus der Region jetzt bei einer Zukunftswerkstatt auf dem Bilster Berg Drive Ressort nachgegangen. Die Antworten wurden abschließend mit vielen Entscheidungsträgern ausführlich diskutiert.

Dennis Pape

Die jungen Teilnehmer der Zukunftswerkstatt haben ihre Ergebnisse Multiplikatoren aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft vorgestellt. Foto: Dennis Pape

Die Lebens- und Arbeitswelten verändern sich rasant. Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Algorithmen werden das Arbeits- und Privatleben sowie die Mobilität auf dem Land nachhaltig ändern. Um diese Entwicklung besser zu verstehen und auch auf sie Einfluss zu nehmen, hatte die Wirtschaftsinitiative im Kreis Höxter in Zusammenarbeit mit dem Verein Natur und Technik, dem Kreis Höxter, der Region plus X, den Wirtschaftsjunioren Paderborn und Höxter sowie der Paderborner Beratungsfirma Unity diesen zweitägigen Zukunftsworkshop für junge Menschen organisiert. Unter dem Motto »Reise nach morgen: Wie wir 2030 im Kreis Höxter leben werden« haben 24 Teilnehmer bei dieser Zukunftsreise Szenarien für das Leben im Kreis Höxter entwickelt.

Car-Sharing, E-Roller, Sammeltaxen

Unter der Leitung von Unity-Vorstand Tomas Pfänder erarbeiteten die Teilnehmer die Lebenswirklichkeiten von fiktiven Kreis-Höxteranern: Schüler Tom, Auszubildende Vanessa, Berufseinsteigerin Svenja, Familie Petersen und Student Moritz. Anhand derer Biografien zeigten die Teilnehmer unter anderem auf, was sich junge Menschen für die Zukunft in der Region wünschen.

Deutlich wurde, dass sie sich vor allem eine Verbesserung im Bereich der Mobilität wünschen. In der Zukunft sollte es nach ihren Ausführungen bessere Zug- und Busanbindungen zu allen Tageszeiten geben. Weitere Ideen waren die Ausleihe von E-Rollern, Car-Sharing-Modelle und Sammeltaxen im Bereitschaftsdienst. Auch autonome Fahrzeuge könnten laut Vision der Teilnehmer 2030 eine wichtige Rolle als Fortbewegungsmittel spielen.

Geregelt werden könnte der öffentliche Nahverkehr über eine einzige App, die alle Angebote und Informationen bündelt. Damit einhergehend forderten die Teilnehmer auch einen Ausbau der Datengeschwindigkeit und der allgemeinen Netzabdeckung – ein unabdingbarer Faktor, damit die Region nicht abgehängt würde. Verwaltungen sollten darüber hinaus mehr digitale Angebote machen.

Produkte aus der Region

Weitere Anregungen waren unter anderem die Möglichkeit einer besseren Balance zwischen Arbeit und Freizeit, bezahlbarer Wohnraum für junge Leute, die Förderung örtlicher Vereine, mehr attraktive Events und eine Gastronomie, die auf Produkte aus der Region setzt. Darüber hinaus solle noch mehr Energie aus Wind- und Photovoltaik-Anlagen gewonnen und die Sanierung von alten Häusern subventioniert werden. Schule müsse außerdem praktischer werden.

»Ich wünsche mir einen Austausch über einige dieser Möglichkeiten mit den jungen Menschen«, sagte der Landtagsabgeordnete Matthias Goeken, der die Veranstaltung unterstützt und – wie viele weitere Multiplikatoren aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft – an der Abschlusspräsentation teilgenommen hatte. Auch Kreisdirektor Klaus Schumacher meinte: »Diese Themen müssen wir ernst nehmen und weiter in Kontakt mit der Jugend bleiben.« Mitorganisatorin Petra Spier (Natur und Technik): »Wir müssen Zukunft gemeinsam mit jungen Menschen gestalten.«

Kommentar

Wer Zukunft im Kreis Höxter gestalten will, muss die junge Generation mitnehmen. Das ist zunächst einmal leicht gesagt, in der Umsetzung aber nicht immer einfach und in der Realität bisweilen erst recht alles andere als selbstverständlich. Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft sowie junge Menschen müssen aufeinander zugehen und einen für alle gewinnbringenden Dialog zu eben dem machen, was er längst sein sollte: selbstverständlich.

Einen guten Anstoß dazu hat die von verschiedenen Institutionen organisierte Zukunftswerkstatt auf dem Bilster Berg geboten. Nun muss dieser Weg weiter beschritten werden. Entscheidungsträger aus dem Kulturland tun gut daran, nicht nur ein offenes Ohr für die Ideen und Visionen junger Leute zu haben, sondern diese auch ernst zu nehmen und sich mit einer potenziellen Umsetzung zu beschäftigen. Sicherlich werden nicht alle Ideen umsetzbar sein – doch jeder junge Mensch, der sich mit den Potenzialen des Kreises Höxter auseinandersetzt, ist zunächst einmal als Gewinn für die Region zu betrachten. Dass darüber hinaus ein offenes Ohr der Politik für den Bürger und insbesondere für die Wähler der Zukunft auch die Gefahr eines Rechtsrucks durch selbsternannte Alternativen abschwächen kann, sollte mittlerweile in jeder Parteizentrale angekommen sein.

In der Pflicht stehen aber auch die jungen Leute selbst – und in Sachen Bereitschaft ist da aktuell noch Luft nach oben. Wer sich selbst einbringt und seiner Generation eine Stimme gibt, hat die Möglichkeit, an etwas Großem mitzuwirken – der Zukunft seiner Heimat. In diesem Sinne: Zukunft geht nur gemeinsam. Dennis Pape

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