Schloss wegen Corona im Dornröschenschlaf – Kulturstiftung Schröder steht in den Startlöchern für die Saison

Museumsbesuch gerät zur Weltreise

Neuenheerse

Gute Seelen halten das Wasserschloss St. Hubertus Neuenheerse und das malerische Anwesen derzeit „in Schuss“, um möglichst bald wieder Tor und Tür zu öffnen und das Renaissance-Juwel aus dem coronabedingten „Dornröschenschlaf“ zu erwecken. Durch die Pandemie war es still geworden um die Vereinigten Museen. Die Kulturstiftung steht jetzt aber in der Hoffnung auf positive Entwicklungen in den Startlöchern für die neue Saison: „Wir freuen uns darauf, bald wieder Besucherinnen und Besucher durch unsere Museen führen zu können.“

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Das Wasserschloss Neuenheerse lädt zu einer Weltreise ein. Hinter den Renaissancefassaden sind Museen zuhause, die über die Region hinaus ihresgleichen suchen. Foto: Kulturstiftung Schröder

Das Wasserschloss liegt eingebettet in das umgebende Eggegebirge inmitten des Kulturorts Neuenheerse. In direkter Nachbarschaft steht der „Eggedom“, die ehemalige Stiftskirche. Sie bildet eine wichtige Verbindung zum Schloss, denn dieses war fast über tausend Jahre lang die Abtei des kaiserlichen freiweltlichen hochadligen Damenstifts Heerse. Der dritte Bischof von Paderborn, Luithard, gründete das Damenstift im Jahr 868 zusammen mit seiner Schwester Walburga. Schon 871 gewährte König Ludwig der Deutsche dem Stift kaiserliche Privilegien. Unter der Leitung einer Äbtissin lebten fortan sogenannte Stiftsdamen an diesem Ort. Im Gegensatz zum klösterlichen Leben brachten die Damen oft ihr eigenes Mobiliar und ihre Dienerschaft mit. Und eines Tages klopfte vielleicht ein Edelmann an das Tor, nahm die Adelstochter zur Frau und eine neue Stiftsdame fand ihren Platz „auf Zeit“ im Damenstift Heerse.

Internat

Im 16. Jahrhundert legte die derzeitige Äbtissin mehr Wert auf ein repräsentatives Gebäude und so entstand das Schloss in seiner Form, wie sie weitgehend noch heute zu bewundern ist. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer, bis es in den 1950er Jahren von den Missionaren vom Kostbaren Blut gekauft wurde und längere Zeit als Internat für Jungen Verwendung fand. Noch heute erinnern die kleinen Toiletten und Waschbecken im Dachgeschoss an diese Zeiten.

20.000 Exponate

Generalhonorarkonsul Manfred O. Schröder und seine Frau Helga schlugen vor mehr als 30 Jahren ein neues Kapitel der Geschichte des Schlosses auf. Das Ehepaar erwarb 1989 das Anwesen und legte damit den Grundstein für die heutigen Vereinigten Museen. Doch vorab blieb es nicht aus, kosten- und arbeitsintensive Umbau- und Renovierungsarbeiten vorzunehmen. Die Sanierungsarbeiten verteilten sich über mehrere Jahre, aber schon bevor 2003 die aufwändige Außenrenovierung vorgenommen wurde, konnten die seinerzeit rund 10.000 Exponate der Vereinigten Museen bereits 1996 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Zahl der Exponate ist bis heute auf mehr als 20.000 gestiegen. Um diesen Kulturschatz aus aller Welt und das Wasserschloss selbst gut verwaltet zu wissen, gründete das Ehepaar Schröder 2007 eine Kulturstiftung. Gemeinsam mit dieser wurde ein weiteres Museumsgebäude – die St. Hubertus-Helga-Hallen – südlich des Schlosses errichtet und 2016 eingeweiht. Demnächst wird in diesen Räumen auch noch eine großartige Gemäldesammlung ihren Platz finden.

Berühmte Gäste

Den Besucher erwartet eine kleine Weltreise bei einer Führung durch das Museum. Er bereist hierbei die verschiedensten Länder und Kontinente. Es geht durch Afrika, Asien, über einen Abstecher nach Indien weiter nach Australien und die Südsee, nach Süd- und Nordamerika bis hin in arktische Regionen, wobei man Walross und Eisbär in die Augen blicken kann. Auch Europa ist natürlich vertreten, zeigt seine Geschichte unter anderem im Bereich der Jagdkultur als auch mit Blicken in und auf heimatliche Räume und Gegenstände aus der guten alten Zeit. So manche Berühmtheit aus Politik, Wirtschaft und Adel hat es sich nicht nehmen lassen, einen Blick hinter die verheißungsvollen Fassaden des Schlosses zu werfen.

Stiftswald erworben

Eine Wanderung rings um Neuenheerse führt je nach Route auch durch den Stiftswald. Dieser Forst gehörte fast tausend Jahre lang zum ehemaligen Damenstift und sollte nach langer Zeit in fremden Händen im vergangenen Jahr wieder den Weg zurück finden. Generalhonorarkonsul Schröder, der aufgrund seiner großartigen kulturellen Leistungen zum Ehrenbürger der Stadt Bad Driburg ernannt wurde, erwarb den Wald und übergab diesen zur zukünftigen Verwaltung an die Kulturstiftung. Stürme, Trockenheit und der Borkenkäfer haben ihre unübersehbaren Spuren auch im Stiftswald hinterlassen. Mit viel Engagement, Tatkraft und guter Planung soll der Wald wieder zu einem prächtigen Forst werden. Die Wurzeln dafür sind im wahrsten Sinne des Wortes schon zu einem großen Teil gesetzt. Mehr als 6000 Bäume wurden bereits in die Erde gebracht. Viele helfende Hände haben unter der bewährten Leitung von Forstamtsrat Wilfried Drüke klimatisch sinnvollen Arten wie Weiß- und Küstentannen, Lärchen, Douglasien, Schwarzkiefern, Atlaszedern, Buchen, Winterlinden, Walnusssträucher, Edelkastanien und Wildkirschen im Eggeboden ihre zukünftige Heimat gegeben.

Trauungen möglich

Sollten die Zeichen der Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus bald wieder die lang ersehnte Normalität bringen, könnte ein Spaziergang durch den Stiftswald und die idyllische Landschaft seinen Abschluss am Wasserschloss St. Hubertus Heerse finden. Eine Museumsführung lädt ein in fremde Welten – in die Fauna Afrikas und die Götterwelt Indiens. Sollte die Situation es zulassen, kann die Saison starten. Die Kulturstiftung macht darauf aufmerksam, dass ständig Trauungen im Schloss stattfinden. Diese sollten über das Standesamt Bad Driburg gebucht werden.

Die Kulturstiftung ist zu erreichen unter Telefon 05259 / 93 03 33, E-Mail: kulturstiftung-schroeder@t-online.de, Internet www.wasserschloss-neuenheerse.com.

Kinder übermitteln Grüße

Eigentlich sollte am 96. Geburtstag von Generalkonsul Manfred O. Schröder der Gedenkstein, der an den Rückkauf des Stiftswaldes durch das Ehepaar Schröder erinnert, im Park des Wasserschlosses Neuenheerse eingeweiht werden. Wegen der Corona-Pandemie musste die Feier jedoch verschoben werden.

Glückwünsche aus der Dorfgemeinschaft erreichten Manfred O. Schröder an seinem Ehrentag aber trotzdem. Schülerinnen und Schüler der Grundschule St. Walburga gratulierten gemeinsam mit dem Lehrerkollegium auf der Südveranda des Schlosses coronakonform mit einem Ständchen und einem Tulpengedicht. Passend zum Gedicht überreichten die Kinder dem Jubilar die bunten Frühlingsblumen. Die „Kleinsten“ des Dorfes brachten mit ihrer gelungenen Überraschung die Anerkennung für die Unterstützung der Familie Schröder für die private Grundschule zum Ausdruck.

Die Eheleute haben vor mehr als 30 Jahren das Wasserschloss Neuenheerse erworben, aus privaten Mitteln denkmalgerecht saniert und zu einem Museum umgestaltet, das über die Region hinaus seinesgleichen sucht. 2020 schließlich haben Generalkonsul Schröder und seine Ehefrau Helga für ihre Kulturstiftung die 106 Hektar großen Waldflächen zurückgekauft, die zu den Ländereien des Stifts gehört hatten.

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