1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Bad Driburg
  6. >
  7. Puppen erobern Seniorenhäuser

  8. >

Hausnummer 17: Klasse GUK50 des Bildungszentrums Weser-Egge der KHWE spendet 700 Euro

Puppen erobern Seniorenhäuser

Brakel

Sie heißen unter anderem Fabian, Maxi und Ilselotte Keksberg, und seit kurzem bereichern sie das Leben in den fünf Senioreneinrichtungen der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE).

Frank Spiegel

Lara Rehermann mit den Puppen Kater Kolman und Ilselotte Keksberg. Zwölf dieser Puppen werden an die Senioreneinrichtungen der KHWE verteilt- Foto: Frank Spiegel

Dabei handelt sich es um beinahe kleinkindgroße Handpuppen. Zwölf haben Lisa Weber und Maria Steinbeck an das St.-Rochus-Seniorenhaus Steinheim, das St-Josef-Seniorenhaus Bökendorf, das St.-Nikolai-Seniorenhaus Höxter, das St.-Johannes-Baptist Seniorenhaus Beverungen und das St.-Antonius-Seniorenhaus Brakel verteilt.

Beide sind Sprecherinnen der Klasse GUK50 des Bildungszentrums Weser-Egge in Brakel, die die Puppen gespendet hat. Die Adresse der Schule: Danziger Straße 17.

Die Gesundheits- und Krankenpfleger-Auszubildenden im dritten Lehrjahr hatten gemeinsam eine Klassenfahrt nach Berlin unternommen, die preiswerter war als zunächst kalkuliert.

„Jede von uns hätte etwa 35 Euro zurückbekommen“, berichtet Nicole Böckmann. Schnell sei man sich einig gewesen das Geld – etwa 700 Euro – an die Seniorenhäuser zu spenden. Marc Finke, verantwortlich für die Seniorenhäuser der KHWE, hatte die Idee, die Puppen anzuschaffen.

„Es handelt sich um Therapie-Puppen, mit denen man besonders Menschen mit Demenz ansprechen kann. Gerade mit diesen Puppen bekommt man Zugang zu ihnen. Sie helfen insbesondere auch in der Erinnerungsarbeit“, erläutert KHWE-Sprecherin Isabell Waschkies.

Zudem seien die Puppen sehr hochwertig und mit vielen Details versehen. „Und sie sind waschbar – was auch in Zeiten von Corona nicht ganz unwichtig ist“, ergänzt Isabell Waschkies. Im St.-Antonius-Seniorenhaus in Brakel gebe es schon eine solche Puppe, und man habe mit dieser sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie heißt Luzie.

„Oft werden alte Leute über die Weihnachtszeit vernachlässigt, wenn Angehörige sie nicht besuchen wollen. Hinzu kommt, dass sie es jetzt in der Corona-Zeit auch nicht können“, nennt Lara Rehermann einen Grund, den Senioren in den fünf Häusern der KHWE die Spende zukommen zu lassen.

Die Schülerinnen haben zu den Puppen auch eine Grußkarte mit einem Gruppenfoto des gesamten Kurses für jedes Haus geschrieben. „Dort steht, dass die Bewohner den Puppen neue Kontakte bekommen, weil sie im Moment auf lieb gewonnene Kontakte verzichten müssen“, erklärt Lara Rehermann.

Nicole Böckmann hat schon Erfahrungen mit den Puppen gesammelt, als sie vor ihrer Ausbildung im Demenzdorf in Hameln tätig war. „Es ist wirklich unglaublich, wie gut man die alten Menschen damit erreichen kann“, hat sie festgestellt. Sie berichtet von einer Patientin, die den ganzen Tag nur einen monotonen Singsang von sich gegeben hat. Eigentlich wollte Nicole Böckmann mit ihrer Puppe zu einer anderen Bewohnerin, als sie bei der Frau vorbeikam. „Als sie die Puppe sah, hat sie sie angeblickt. Ich habe mich dann zu ihr gesetzt und begonnen mit ihr zu reden. Die Dame hat zwei Jahre nichts außer ihrem Singsang gesagt und hat sich dann mit der Puppe unterhalten“, erzählt die Schülerin aus Neuenheerse. Die Frau habe der Puppe von ihrem Bruder erzählt, und die Puppe Julchen und die Seniorin hätten Plätzchenrezepte ausgetauscht.

„Das Schöne an den Puppen ist, dass die auch frech sein dürfen“, weiß Nicole Böckmann: „Was man als Pflegefachkraft nicht sagen dürfte – die Puppen dürfen das.“ Das habe im Demenzdorf so manchen drohenden Konflikt lösen können.

Auch KHWE-Geschäftsführer Christian Jostes ist begeistert von der Aktion der Klasse: „Das ist eine super Idee der sozial eingestellten und uneigennützigen Schülerinnen – und das im dritten Ausbildungsjahr, wo das Geld oft ohnehin knapp ist.“

Startseite
ANZEIGE