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Neugegründete Regionalgruppe der Kindertagespflege bringt im Kreis Höxter viel auf den Weg

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Bad Driburg/Kreis...

Kindertagespflege – dieser Begriff wird in Zeiten von Corona oft in einem Atemzug mit der Betreuung in Kindergärten genannt. Die Erzieherin Monika Gertkämper, Sprecherin der neu gegründeten Regionalgruppe der Berufsvereinigung der Kindertagespflege, freut sich über die hohe Wertschätzung von Seiten der Politik.

Frank Spiegel

In besten Händen: Die Kindertagespflege ist im Kreis Höxter sehr gut aufgestellt und erfährt inzwischen eine große Wertschätzung. Die neugegründete Regionalgruppe hat großen Anteil daran. Foto: dpa

„Leider ist dies in breiten Teilen der Bevölkerung noch nicht angekommen“, bedauert die Bad Driburgerin. Oft werde Kindertagespflege mit dem Begriff „Tagesmutter“ übersetzt. Damit werde ein Klischee bedient –nämlich das einer Hausfrau und Mutter, die mit einer Kaffeetasse vor dem Fernseher sitze und sozusagen nebenbei zu den eigenen Kindern noch ein paar weitere betreue, um ihr Haushaltsgeld aufzubessern. „Dieses Bild arbeitender Tagespflegeeltern existiert trotz starker qualitativer Verbesserungen leider immer noch sehr verbreitet“, bedauert Monika Gertkämper. Um genau dies zu ändern und das Bild der Kindertagespflege zu verbessern, habe sich die Regionalgruppe gegründet. Wie sie berichtet, besteht diese aus Vertreterinnen und Vertretern der Kindertagespflegepersonen im Kreis Höxter und profitiert von deren unterschiedlichen und jahrelangen Erfahrungen.

300 Stunden Ausbildung

„Kindertagespflege ist vielfältig und flexibel. Sie bietet quasi zwei Betreuungsformen für die Allerkleinsten. Oft werden aber auch Kinder, die älter sind, in den Randzeiten betreut“, berichtet Monika Gertkämper. Kinder würden so vor dem Kindergarten betreut, zu diesem gebracht und wieder abgeholt Der Altersschwerpunkt des Angebotes liege in der U3-Betreuung. Wie die staatlich anerkannte Erzieherin ausführt, bietet die Kindertagesbetreuung des immensen Vorteil der Kleinst- und Kleingruppen.

„Eine einzelne Tagespflegeperson darf bis zu fünf Kinder betreuen, Kolleginnen und Kollegen in der Tagesgroßpflege bis zu neun Kinder“, berichtet die Bad Driburgerin. Dabei seien die Kinder bei einer Tagespflegeperson im eigenen Haushalt komplett in die Familie und deren Alltag eingebunden. Gleichwohl gebe es auch hier pädagogische Angebote. Eine weitere Form seien Tagespflegepersonen, die allein Kinder in externen Räumen betreuen. „Die Gruppen sind klein, überschaubar und absolut bindungsorientiert“, beschreibt Monika Gertkämper.

> Michaela Spandler (von links), Claudia Arnold, Monika Gertkämper, Bianca Blum, Katja Soloveiko,Natalia Lang , Heike Spielberg haben gemeinsam die Regionalgruppe Tagespflege im Kreis Höxter gegründet. Foto: Regionalgruppe Kindertagespflege

Zudem gebe es die Tagesgroßpflege: „Hier kümmern sich zwei oder drei Tagespflegepersonen in externen Räumen um neun Kinder.“ Auch hier sei die Betreuung bindungsorientiert. Die Gruppengröße biete zudem eine größere Auswahl an sozialen Kontakten.

„Trotzdem verstehen sich die Tagesgroßpflegestellen nicht als Mini-Kitas, da die engen Beziehungen zu den Kinder wie auch zu den Eltern prägend sind“, verweist Monika Gertkämper auf den Unterschied.

Die Personen, die Kinder betreuen, hätten durchweg eine pädagogische Qualifikation: „Das ist vielen Eltern besonders wichtig.“ Insgesamt 300 Stunden Ausbildung müsse eine Tagespflegeperson mit Abschlussprüfung, Curiculum und entsprechenden Praktika absolvieren. Erst dann gebe es das Zertifikat des Kreises Höxter, das mit einer fünfjährigen Pflegeerlaubnis verbunden sei.

Mit Herzblut dabei

Die Bad Driburgerin: ­„Viele Tagespflegepersonen kommen aber von Haus aus aus sozialpädagogischen Berufen, sind Erzieher, Heilerziehungspfleger, Sozialpädagogen oder ähnliches. Sie alle haben sich mit viel Herzblut der Allerkleinsten verschrieben.“

Dabei habe jede Tagespflegeperson ihr eigenes und individuelles Konzept. So hätten die Eltern die Möglichkeit, sich anhand dieser Alleinstellungsmerkmale bei der Auswahl zu orientieren. Beispielsweise gebe es bilinguale Betreuung ebenso wie Gruppen mit dem Schwerpunkt Bewegung oder Kreativität. Andere Gruppen seien wiederum spielzeugfrei oder tiergestützt. Es gebe auch Waldgruppen.

Beim Begriff Kindertagespflege sei der Zusatz „pflege“ im zweiten Teil des Wortes irritierend. Gleichwohl hätten die Gruppen nach dem Kinderbildungsgesetz den gleichen Bildungsauftrag wie Kindertageseinrichtungen. Es gebe hier ebenso unter anderem Förderung, Dokumentation und Elterngespräche.

Zur Regionalgruppe gehören neben Monika Gertkämper, die für den Bereich Bad Driburg zuständig und Sprecherin der Regionalgruppe ist, Michaela Spandler (Bereich Höxter), Katja Soloveiko (Bereich Willebadessen), Heike Spielberg (Bereich Brakel), die auch stellvertretende Regionalsprecherin ist, Claudia Arnold (Bereich Beverungen), Bianca Blume (Bereich Steinheim) und Natalia Lang (Bereich Warburg). Regelmäßig würden die Frauen zu Netzwerktreffen zusammenkommen, um sich auszutauschen.

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