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Güterwagen erhalten modernste Elektrik – verblüffende Baumbau-Methode

Sanftes Ankoppeln mit neuer Technik

Bad Driburg (WB). Wenn die Modellbauer auch ihr Hauptaugenmerk auf den Umzug nach Brakel richten, gibt es im ehemaligen Güterbahnhof in Bad Driburg keinen Stillstand. Karl Fischer und Norbert Sickmann tun das, was sie am liebsten machen: Sie tüfteln an Details und perfektionieren die Anlage.

Jürgen Köster

Norbert Sickmann zeigt die neue Technik, die sich im Inneren eines Wagens befindet. Foto: Jürgen Köster

Bis zum Jahresende müssen sie die Halle in Bad Driburg geräumt haben. Am Neubau im Brakeler Gewerbegebiet gibt es aufgrund schwieriger statischer Berechnungen einige Verzögerungen. »Wir werden die komplette Anlage wohl abbauen und in der neuen Halle unterbringen müssen, bevor die Innenarbeiten dort abgeschlossen sein können«, meint Norbert Sickmann. Das Modellbauer-Duo hat sich entschlossen, die Anlage in Bad Driburg noch ein letztes Mal an einigen Tagen zu öffnen.

Bestaunen können die Besucher dann dort eine technische Neuerung. »Auf die sind wir stolz wie Bolle«, sagt Fischer. Sickmann löst die Verkleidung eines Wagens, und darunter kommt – relativ unscheinbar – die Technik zum Vorschein: Das automatische Kupplungssystem wird nun mit Bremsen für den Güterwagen ergänzt.

Das hat zur Folge, dass der Güterzug – in diesem Fall mit einer Diesellok V 200 an der Spitze – auf die Rangiergleise im Bad Driburger Bahnhof rollen und einzelne Wagen absetzen und auch wieder ankuppeln kann. »Das war bisher nur schwer bis gar nicht möglich«, erklärt Fischer.

Aufgrund des geringen Gewichts der Güterwagen hätte die Lok immer nur mehrere Wagen an- oder abhängen können. Die neuen Güterwagendecoder, die der Hersteller nach Bad Driburg geliefert habe, seien nun mit einer Schnittstelle für Servomotoren ausgestattet. Sickmann: »Dieser Servomotor kann über einen Draht einzelne Achsen der Wagen blockieren. Bei angezogener Bremse wird das An- und Abkuppeln eines solchen Wagens nun deutlich erleichtert. Der Wagen kann nicht mehr wegrollen. Dadurch wird ein besonders sanftes Kuppeln bei sehr niedriger Geschwindigkeit möglich.«

Sonderöffnungszeiten

Die Bad Driburger Modellbauer zeigen die Anlage mit der neuen Technik noch einmal an folgenden Tagen:

1. bis 3. Oktober; in den Herbstferien (von dienstags bis sonntags) vom 24. bis 29. Oktober und vom 31. Oktober bis 5. November sowie an jedem Sonntag im November: 12., 19. und 26. November, jeweils von 11 bis 18 Uhr.

Durch diese Technik könne nun das realitätsnahe Rangierkonzept umgesetzt werden, was bisher nicht möglich gewesen sei, freut sich Fischer. Vier Wagen seien bisher mit der neuen Technik ausgerüstet. Norbert Sickmann hat mehrere Wochen dazu benötigt, die filigrane Arbeit auszuführen.

Parallel dazu haben die Modellbauer eine neue Baumbau-Methode von dem Niederländer Jos Geu­rds für ihre Anlage übernommen, bei der unter anderem Pinzetten und Nagelscheren zum Einsatz kommen. Wesentliches Hilfsmittel ist jedoch ein Elektrostat.

Mit dessen Hilfe werden Fasern in einer Größe zwischen 0,5 und 12 Millimetern an einem Drahtrohling verteilt. Dieser wurde zuvor mit einem Sprühkleber präpariert. Der sorgt dafür, dass die Fasern an den dünnen Drähten haften bleiben.

Mit Schere und Pinzette geht es dann an die Feinarbeit. Zwischen eineinhalb und acht Stunden Zeitaufwand sind für einen Baum nötig. »Schließlich soll alles möglichst naturähnlich aussehen«, sagt Fischer. 1500 Bäume stehen auf der jetzigen Anlage. Von denen werden viele nach und nach ausgetauscht, andere kommen neu hinzu.

Da die Anlage in Modulbauweise errichtet wurde, muss sie für den Umzug nach Brakel nicht komplett auseinandergebaut werden. »Um so wichtiger ist jedoch die Dokumentation«, sagt Sickmann. »Wenn ich am Ende an einem Modul zwei Drähte übrig habe, von denen ich nicht weiß, wo sie hingehören, wäre das nicht gut.«

Die neue Halle soll im November aufgestellt werden. Im ersten Quartal des kommenden Jahres folgen die Innenarbeiten und der Zusammenbau der Anlage.

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