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Gerd Jobst gelingt nach fünf Jahren Durchbruch bei Eigentümergemeinschaft

Schandfleck soll saniert werden

Bad Driburg (WB). Als Baubetreuer und Finanzierungsberater braucht man einen langen Atem – kaum einer weiß das besser als Gerd Jobst aus Salzgitter. Seit fünf Jahren arbeitet er daran, die 64 Eigentümer des Hochhauses Sulburgring 11 unter einen Hut zu bekommen, um das Gebäude zu sanieren. Jetzt ist es gelungen.

Frank Spiegel

Das Haus Sulburgring 11 wurde 1970 errichtet, seit Jahren ist es unbewohnt und gilt als Schandfleck der Kur- und Badestadt. Das soll sich ändern. Foto: Frank Spiegel

»Ich habe schon andere Kühe vom Eis geholt«, hat der mittlerweile 70-Jährige vor fünf Jahren im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT gesagt. Dass die Angelegenheit derart verzwickt werden würde, damit hatte der erfahrene Baubetreuer allerdings nicht gerechnet. Unter anderem ein verschollener Wohnungseigentümer und ein uneinsichtiger Ex-Verwalter haben ihm das Leben schwer gemacht.

Nur ein Öltank ist noch übrig

Um das Haus sanieren zu können, brauchte Jobst grünes Licht aller 64 Parteien. Er will die Apartments verkaufen, aus den derzeit 64 Wohneinheiten 32 machen. Wer das Haus jetzt sieht, kann sich das kaum vorstellen. Das Gebäude steht leer, selbst Heizkörper sind abmontiert und mitgenommen worden. »Das einzige, was an Inventar noch da ist, ist ein Öltank im Keller«, weiß Jobst.

Aber er hat Ideen, wie er die Wohnungen auf Vordermann bringen will. »Das Gebäude kann man praktisch als Rohbau betrachten. Denn die Substanz ist hervorragend«, erläutert er. Aus diesem Rohbau entstehe dann ein völlig neues Haus. »Auf den Balkonen zum Beispiel ist allenfalls Platz zum Fenster putzen«, nennt er ein Beispiel. Das wolle er ändern, indem ein Stück Wand nach vorn und eins nach hinten versetzt werde. »So entsteht ein kleiner Balkon, auf dem man auch mal sitzen kann«, beschreibt er.

Aus zwei Wohnungen wird eine

Die als Lagerräume genutzten Aufbauten auf dem Dach des achtstöckigen Gebäudes sollen verschwinden. »Dadurch, dass aus zwei Wohnungen eine wird, besteht die Möglichkeit dort einen Vorratsraum zu integrieren«, so der 70-Jährige. Auch das Äußere des Hauses soll mit gestalterischen Elementen dem Umfeld angepasst werden.

Den noch vor fünf Jahren gefassten Plan, in dem Haus betreutes Wohnen einzurichten und es einem Träger zu übergeben, hat der Hausverwalter verworfen.

»In dem Bereich ist der Markt inzwischen überlaufen«, ist er überzeugt. Auch die Auflagen seien zu hoch. Seine Zielgruppe sind nun Kapitalanleger, die die Wohnungen erwerben. Dazu sei es notwendig, dass das Grundbuch lastenfrei sei. Alle Wohnungen seien verschuldet. Inzwischen sei man aber so weit, dass diese für den Fall, dass die Gläubiger stur seien, zwangsversteigert werden könnten.

Eigentümer stürzt beim Wandern in Gletscherspalte

Die Ausschreibung laufe, das Konzept sei fertig, sagt Gerd Jobst. Dass sich die Angelegenheit so sehr in die Länge gezogen hat, hat nach seinen Ausführungen unter anderem daran gelegen, dass einer der 64 Eigentümer beim Wandern in den Bergen in eine Gletscherspalte gestürzt sei und dieses Unglück nicht überlebt habe. Die Angelegenheit habe sich erst im vergangenen März regeln lassen. Dann habe es einen ehemaligen Hausverwalter gegeben, der meinte noch Forderungen an die Eigentümer zu durchsetzen zu wollen. Dem habe das Oberlandesgericht einen Riegel vorgeschoben.

Wegen des Umfangs der Sanierung ist ein neuer Bauantrag notwendig. Gerd Jobst schätzt, dass die Arbeiten in spätestens drei Jahren abgeschlossen sein werden.

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