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Thorben Bertgen von der Gesamtschule Bad Driburg hat ein großes Talent für Naturwissenschaften

Schüler studiert zusätzlich Chemie

Bad Driburg

Für Thorben Bertgen steht schon lange fest: Sein späterer Beruf soll irgendetwas mit Chemie zu tun haben, am liebsten etwas mit der Proteinbiosynthese in Zellen, denn da sei vieles noch nicht erforscht, meint der 16-jährige Bad Driburger. Er besucht aktuell die Erprobungsstufe (EF) an der Gesamtschule Bad Driburg. Das könne zum Beispiel etwas mit der Entwicklung von neuen Medikamenten zu tun haben.

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Thorben Bertgen ist Schüler der Gesamtschule Bad Driburg. Der 16-Jährige studiert in dem Programm „Studieren vor dem Abi“ über Online-Vorlesungen bereits in Paderborn Chemie. Foto: Gesamtschule Bad Driburg

Dass Thorben Bertgen nicht nur persönliches Interesse, sondern auch eine Begabung in diesem Bereich der Naturwissenschaften hat, erkannte auch sein damaliger Klassenlehrer Christian Scharf. Auf der Suche nach weiteren Fördermöglichkeiten nahm der engagierte Lehrer Kontakt zur Zentralen Studienberatung der Uni Paderborn auf, die ihn auf das Programm „Studieren vor dem Abi“ aufmerksam machten. Es bietet jungen Menschen bereits während der Schulzeit die Möglichkeit, Uniluft zu schnuppern.

Die Schüler können selbst wählen, wie viele Veranstaltungen sie für die Dauer eines Semesters in einem Fachbereich parallel zur Schule besuchen möchten. „Meine Lehrer und auch die Schulleitung haben sofort zugestimmt, mich für die wöchentliche Studienzeit für ein Semester vom Unterricht zu beurlauben. Für mich war damit aber auch klar, dass ich alle Aufgaben, die ich im Schulunterricht durch das Studium verpasse, nachholen muss, doch das nehme ich gerne in Kauf“, ist Thorben Bertgen sichtlich motiviert.

Die Vorfreude stieg und auch Prof. Dr. Michael Tiemann von der Fakultät für Naturwissenschaften aus dem Department Chemie an der Uni Paderborn stimmte dem Studium des jungen Talents zu. „Als ich dann im September vergangenen Jahres die Zulassungsbescheinigung in den Händen hielt, war ich doch ein bisschen stolz“, verrät der Bad Driburger. Er entschied sich nach einem Beratungsgespräch mit dem Professor für ein Modul aus der allgemeinen Chemie und eines aus der Biochemie, das er mit jeweils einer Vorlesung pro Woche belegt.

Auch wenn durch Corona alle Präsenzveranstaltungen ausfallen und alles über Online-Vorlesungen organisiert ist, freue er sich jedes Mal, sich endlich intensiver mit der Materie beschäftigen zu können. Vorher habe habe er sich oft Bücher gekauft, die über den Inhalt des regulären Schulbuches hinausgehen.

Im März wird er dann in jeder der besuchten Veranstaltungen eine Prüfung ablegen, die später – sollte die Wahl auf ein Chemiestudium schlussendlich fallen – angerechnet werden. „So kann ich noch schneller in meinen Traumberuf starten und die Studienzeit entsprechend verkürzen“, blickt Thorben motiviert auf die Zeit nach der Ausbildung.

Auf die Frage, woher dieses Interesse und die Begabung kommen, zuckt Thorben mit den Schultern. Vieles im Bereich der Chemie, zum Beispiel Atomorbitale, ist für ihn einfach logisch, sagt er. Thorbens Eltern, der Vater ist als Systemadministrator beschäftigt, die Mutter als biologisch-technische Assistentin, unterstützen ihren Sohn in seinem Talent gerne.

„Es macht Spaß zuzusehen, wenn die Interessen und Begabungen eines Kindes übereinstimmen und wie sehr Thorben sich gefreut hat, als er grünes Licht für sein Studium bekam. Für uns war klar: Er soll die Chance nutzen, wenn er möchte und an der Uni macht man das, was man gerne macht, weshalb wir ihn in seinem Vorhaben den Rücken stärken. Das Einzige, was die Stimmung anfangsgetrübt hat, war Corona. Thorben hatte schon eine ganz persönliche Vorstellung im Kopf: die Vorfreude auf die Kennenlerntage, auf die Hörsäle, auf die Kommilitonen war groß, doch dann kam alles anders. Aber nun macht er das Beste daraus und findet es dennoch spannend“, weiß Oliver Bertgen.

Der Blick auf die Schule hat sich bei Thorben während der vergangenen Monate verändert: „In der Schule bekommt man alles noch einmal erklärt, an der Uni muss man Wissenslücken eigenständig schließen, das wurde mir jetzt erst richtig klar.“

Doch eine spannende Frage bleibt: Gibt es etwas, was die Schule von der Universität lernen könne? „Darüber muss ich noch einmal nachdenken“, entgegnet Thorben mit einem Augenzwinkern.

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