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Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul Bad Driburg – neue Glocken hängen

„So etwas erlebe ich nie wieder“

Bad Driburg

Die neuen Glocken der Kirche St. Pater und Paul sind in den vergangenen Tagen aufgehängt worden. Nachdem sie Anfang Februar auf den Turmboden des Kirchturm gestellt wurden, sind sie am Mittwoch und Donnerstag in den Glockenstuhl gehängt worden

Reinhold Budde

Hochkonzentriert: Jonas Burmann (links) und Ulrich Ellersiek von der Firma HEW Herford beim Einhängen des Jochs samt Glocke in die vorgesehene halboffene Aufnahme. Hier geht es um Millimeter Passgenauigkeit Foto: Reinhold Budde

. Acht der insgesamt neun neuen Glocken– vier Bronzeglocken stammen aus einer Kirche in Leopoldshöhe – sind im Glockenturm untergebracht. Für sie wurde extra ein neuer Glockenstuhl gebaut. Der alte war aus Stahl. Die Kirchengemeinde entschied, diesen zu ersetzen und ein Glockenstuhl aus Eichenholz zu bauen, denn Eichenholz ist stabil und überträgt weniger Resonanzen beim Glockengeläut auf den Betonturm als Stahl.

Ein Glockenstuhl ist ein traditionell in aufwendiger Zimmermannsarbeit gefertigtes Tragwerk für eine oder mehrere freischwingende Glocken. Die Glockehängt im Glockenstuhl auf zwei Stützen mit Halblagern, dem so genannten Joch.

„Einige alte Glockenjochs konnten wir noch verwenden und aufarbeiten, andere mussten wir neu anfertigen lassen“, sagte Küsterin Lioba Kappe bei der Besichtigung der Arbeiten.

Blick auf den Glockenstuhl. Diese Glocke hängt bereits am Glockenjoch an der dafür vorgesehene Stelle. Weitere sieben Glocken sind im Turm der Kirche St. Peter und Paul montiert. Foto: Reinhold Budde

Obwohl die Balken eines hölzernen Glockenstuhls untereinander verzapft sind, werden zusätzlich Winkel und Spannstangen verwendet, die gegen Rost, im besten Fall aus V2A-Stahl gefertigt, zumindest aber feuerverzinkt sind. Beim Einbau des Glockenstuhls in einen Glockenturm ist darauf zu achten, dass der Stuhl keine Berührung oder gar Befestigung mit den Turmaußenwänden hat und im Idealfall auf einem eigenen Fundament steht. So ist es auch im Turm dieser Kirche. Das Fundament aus Holz ist mit massiven Stahlträgern verstärkt, die das jetzt höhere Gewicht zusätzlich stützen.

Beim Zusammensetzten des Glockenturmsist Millimeterarbeit angesagt, sonst passen die Jochs nicht korrekt auf den Stuhl. An beiden Enden der Jochs, an dem de Glocken hängen, sind Präzisionshalbkugellager aus Stahl angebracht, die das Schwingen der Glocken ermöglichen. Sind der Glockenstuhl exakt nach Plan gearbeitet und die Jochs ebenfalls, lassen sich die Kugellager passgenau und ohne Spiel in die Lageraufnahme im Glockenstuhl einführen. Bewegt werden die Glocken beim Einführen von einem Flaschenzug. Für einen schnelleren Herzschlag sorgt der Moment, wenn die Kugellager samt Joch in die endgültige Position gebracht werden.

So war es auch am Donnerstag bei Ulrich Ellersiek und Jonas Burmann von der Firma HEW aus Herford, als sie Glocke Nummer drei – „Johannes der Täufer“ – in die Endposition brachten und Dank präziser Vorarbeit alles passte.

„Johannes der Täufer“ ist mit 975 Kilogramm Gewicht die größte Glocke aus dem Lepoldshöher Geläut und wird demnächst zur Taufe läuten.

Ein leichter Probeschlag mit einem Metallgegenstand ließ erahnen, wie der Schlagton „F“ demnächst die Täuflinge begrüßt.

Nach und nach sind alle acht Glocken im Kirchturm aufgehängt worden. Die neunte Glocke ist dem Hl. Papst Johannes XXIII. geweiht, mit 100 Kilogramm die leichteste der neuen Glocken und hängt im Dachreiter gegenüber im Glockenturm.

Lioba Kappe, Küsterin mit Leib und Seele – „Meine Eltern und Großeltern waren hier schon Küster“ –, sagte beim Herabsteigen aus dem Glockenturm: „Ich bin täglich hier, um mir die faszinierenden Arbeiten anzuschauen. So etwas erlebe ich in meinem Leben nie wieder“.

Sie und alle anderen Mitglieder der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul Bad Driburg warten auf die Restaurierung der alten Kirchenuhr. Diese wird mit der Elektrik des Geläuts verbunden und gibt den Viertelstunden- und Stundentakt vor. Und dann kommt der große Moment, wenn alle neuen Glocken schlagen und die monatelange, glockenlose Zeit vorbei ist. „Das wird herrlich“, sagte Lioba Kappe voller Vorfreude.

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