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Stimmen aus dem Kreis Höxter zum Tod des ehemaligen Oberkreisdirektors – Kreis-Neugliederung maßgeblich beeinflusst

“Vater des Kreises“: Früherer OKD Paul Sellmann gestorben

Höxter

Im Alter von 87 Jahren ist der langjährige Höxteraner Oberkreisdirektor Paul Sellmann nach längerer Krankheit gestorben. Sellmann gilt als „Vater des modernen Kreises Höxter“. Der OKD, so wurde er Jahrzehnte respektvoll genannt, war ein politisches Urgestein, ein Verwaltungsfuchs, eine Kämpfernatur mit mentaler Stärke und Belastbarkeit und eine bekannte Persönlichkeit in NRW. Er verbrachte den Ruhestand in seinem Haus in Höxter.

Michael Robrecht

Der frühere Oberkreisdirektor Paul Sellmann ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Das Foto zeigt ihn auf einer CDU-Veranstaltung im Hotel Niedersachsen in Höxter. Foto: Michael Robrecht

Die Trauerfeier findet am Freitag, 19. Februar, um 14 Uhr auf dem Friedhof in Höxter statt. Es wird eine Audio-Übertragung aus der Kapelle auf den Vorplatz geben. Die Beisetzung erfolgt im Anschluss.

Paul Sellmann war für Führungsstärke, Verhandlungsgeschick, seine direkte Art und sein sehr gutes Zahlengedächtnis bekannt. Die Dienstaufsicht nahm der OKD sehr genau – preußische Tugenden wurden ihm nicht ohne Grund bescheinigt. Auf der anderen Seite bezeichnete er sich als Naturmensch, und er war praktizierender Katholik.

Nach dem Besuch der Volksschule, des Gymnasiums und dem Erhalt des Abiturs absolvierte Paul Sellmann (geboren am 29. Juli 1933 in Werdohl/Kreis Altena) 1957 ein Rechtspflegerexamen. 1961 erfolgte das erste und 1965 das zweite juristisches Staatsexamen. Von 1965 bis 1968 fungierte er sehr jung als Erster Beigeordneter der Stadt Neheim-Hüsten. Ab April 1968 war er mit erst 34 Jahren bis 1996 als Oberkreisdirektor des Kreises Höxter tätig. Der Verstorbene zog mit seiner Frau vier Söhne groß.

Historisches Foto: OKD Paul Sellmann an der Kreisgrenze nachdem die Würfel für die Neuordnung des Kreises Höxter in Düsseldorf gefallen waren. Kreissitz wurde damals Höxter. Und: Höxter ging mit Warburg zusammen. Foto: Repro: M. Robrecht

Sellmann machte sich als rühriger JU-Landesvorsitzender von Westfalen-Lippe in den 1960er Jahren einen Namen. Sellmann war auch Landesvorstandsmitglied der CDU Westfalen-Lippe. Als Ratsherr der Stadt Werdohl übte er von 1961 bis 1965 sein Mandat aus. Paul Sellmann setzte sich von 1970 bis 1975 als direkt gewähltes Mitglied des NRW-Landtages für den Wahlkreis Höxter ein – er holte damals 69,1 Prozent.

„Mit ihm verlieren wir eine herausragende Persönlichkeit, die unseren Kreis nicht nur geprägt, sondern auch geformt hat“, würdigte Landrat Michael Stickeln sein Wirken. In den Geschichtsbüchern werde sein Name untrennbar mit der Entstehung und Entwicklung des Kreises Höxter verbunden bleiben.

Paul

Sellmann gilt als Ideengeber für viele Infrastruktur-Projekte kreisweit: Weserbrücken, Straßenbau, Hilfen für die klammen Städte am Ausgleichsstock, Förderung für den strukturschwachen ländlichen Raum. Als begeisterter Radfahrer plante er am R1 mit. Sehr vorausschauend hat er sich für den Ausbau des Radwegenetzes im Kreis Höxter und dessen überregionale Anbindung eingesetzt. Das Krankenhauswesen (St. Ansgar Höxter) und der Anschluss ans Ferngasnetz – auch alles Sellmann-Themen. Landrat Stickeln hebt hervor: „Wer ihn kannte, erinnert sich auch gern an sein unterhaltsames Talent, an den Humor und seine Geselligkeit.“

Nach der Wiedervereinigung kümmerte sich Paul Sellmann um Höxters Patenkreis Herzberg beim Verwaltungsaufbau. Auch hier setzte er, wie 1974 in Höxter, Herzberg gegen Widerstände als Kreissitz durch.

Landrat Dr. Karl Schneider sagte beim 25-jährigen OKD-Dienstjubiläum 1993 einen wahren Satz: „Ein reiner Verwaltungsdirektor ist Paul Sellmann nie gewesen. Ein Oberschreibtischdirektor wollte er nie sein.“ Sprühend von Ideen wollte Sellmann sein politisches Talent, den Gestaltungswillen und das Pflegen seine Netzwerkes nie stoppen. Reden halten oder Beiträge verfassen, dabei blühte er auf. Mut und Entschlossenheit, darüber sprechen viele Mitarbeiter von Kreis und Polizei (Leiter der Kreispolizeibehörde war er auch) noch heute mit Respekt. „Carpe diem“ (nutze den Tag) war sein Motto – bis zuletzt.

DRK und CDU im Kreis Höxter trauern um Paul Sellmann, der am Dienstag gestorben ist.

Friedhelm Spieker, Vorsitzender Präsidium DRK Höxter:„Wir verlieren mit Paul Sellmann einen wertvollen und auf allen DRK-Ebenen geschätzten Kreispräsidiumsvorsitzenden, der die Arbeit des DRK-Kreisverbandes Höxter von 1969 bis 2008 als Kreispräsidiumsvorsitzender und seither als Ehrenvorsitzender entscheidend prägte. Seine besonderen Verdienste lagen im stetigen Ausbau der vielfältigen Aufgaben sowohl des DRK-Kreisverbandes als auch der DRK-Ortsvereine, die ihm stets sehr am Herzen lagen. Es ist ihm gelungen, das DRK im Kreisverband Höxter zu einem allseits geschätzten Partner sowohl im Bevölkerungsschutz als auch in der Wohlfahrtsarbeit zu etablieren. Das Wirken war durch sein soziales und menschliches Engagement geprägt. Seine positive Einstellung zu den vielfältigen Aufgaben des DRK war und ist für viele ein großes Vorbild.“

Christian Haase, MdB und CDU-Kreisvorsitzender:„Wir verlieren als CDU im Kreis Höxter einen Gestalter, Macher, Förderer und Ratgeber. Ich kenne Paul Sellmann aus meiner Zeit bei der Kreisverwaltung in Höxter. Mit seiner geradlinigen Art ist er durchaus auch mal angeeckt. Für ihn stand das politische Ziel aber im Zweifel immer an erster Stelle. Wahrscheinlich ist deshalb die Liste seiner Erfolge auch so lang. Imponiert hat mir sein Einsatz für die Pflege und Aufbau der Partnerschaften zu unseren Partnerkreisen in Herzberg und Kielce.“

Ehrungen

1975 Bundesverdienstkreuz, 1975 Goldener Ehrenring der Kreisstadt Höxter, 1981 Feuerwehrmedaille des Feuerwehrverbandes, 1983 Dr. Johann-Christian-Eberle-Medaille WL-Sparkassen- und Giroverbandes, 1983 Ehrennadel der 7. Westfälischen Panzer-Division der Bundeswehr, 1988 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse durch Bundespräsident von Weizsäcker, 1989 Verdienstmedaille des Landesverbandes des DRK, 1990 Goldene Ehrennadel des Volksbundes der Kriegsgräberfürsorge, 1993 Goldene Ehrennadel des Kreises Höxter, 1996 Goldene Ehrenmünze des Kreises Höxter, 2000 Ehrenkreuz des Bundesverbandes des DRK.

Kommunale Neugliederung im Kreis Höxter als Meisterstück

Die Kommunale Neugliederung gilt als politisches Meisterstück von Paul Sellmann. Wie der heutigen Kreis Höxter aufgestellt ist, das trägt seine Handschrift. Die Neuordnung mit Warburg war keine Liebesheirat und hat jahrelange Narben hinterlassen, denn die Warburger wollten zu Paderborn. Auch das verlorene Kreisstadtduell Höxter-Brakel erregt die Brakeler bis heute.

Hier eröffnet OKD Paul Sellmann mit Landrat Alex Brunnberg 1982 die neue Weserbrücke bei Würgassen. Foto: Herbert Sobireg

Paul Sellmann hat verhindert, dass das Großgebilde eines Hochstiftkreises im Landtag eine Mehrheit fand – und kämpfte in Personalunion als OKD und CDU-Landtagsabgeordneter für die Höxter-Warburg-Lösung. Auch Kritiker sahen später, dass die Weichenstellung richtig war, weil Höxter und Warburg mit ihren vielen kleinen Orten als Peripherie zur wachsenden Großstadt Paderborn kaum mehr Beachtung und Förderung gefunden hätten. Der pfiffige “PS“ flog damals mit dem NRW-Verwaltungsreform-Ausschuss das riesige Hochstiftgebiet im Flugzeug ab, was die Super-Kreisidee schnell in Luft auflöste („fast so groß wie das Saarland“). Die Stunde der Wahrheit schlug nach hitziger Debatte 1974 im NRW-Landtag: Höxter und Warburg und Paderborn und Büren bildeten ab 1975 zwei neue Kreise. Sellmann musste mit Landrat Alex Brunnberg zügig die Orte zusammenführen. Bei der Kreissitz-Abstimmung gewann Höxter mit 97 gegen Brakel mit 91 Stimmen.

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