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Übernachtungszahlen im Kreis Höxter sind in der Corona-Pandemie deutlich eingebrochen

Viele Hotelzimmer bleiben leer

Kreis Höxter

Corona hat die Übernachtungszahlen im Kreis Höxter deutlich einbrechen lassen. Im vergangenen Jahr kamen 159.936 Gäste in den Kreis Höxter, 39 Prozent weniger als im Vorjahr.

Marius Thöne

Heiner Eyers in einem leeren Zimmer: Der Inhaber des Hotels Am Rosenberg hofft auf einen Aufschwung des Inlandstourismus nach Corona. Foto: Dennis Pape

Die Zahl der Übernachtungen sank um 34 Prozent auf 761.310. In der Statistik des zuständigen Landesamtes sind Beherbergungsbetriebe mit mehr als zehn Betten erfasst. Die Experten sprechen NRW-weit von einem historischen Tief. „Dabei ist der Kreis Höxter wegen der vielen Klinikübernachtungen weniger betroffen gewesen als andere Regionen“, sagt Katja Krajewski, Tourismusexpertin bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung.

Heiner Eyers, Inhaber des Hotel und Restaurant Am Rosenberg in Bad Driburg, spricht von 85 Prozent Einbußen im Hotelbereich. Aktuell gebe es pro Woche zwei bis drei Geschäftsleute oder Kurgäste. „Lediglich im späten Sommer hatten wir zwei Monate, die annähernd auf Vorjahresniveau waren“, sagt Eyers im Gespräch mit dem WB – inklusive eines verhalten optimistischen Blickes in die Zukunft: „Das macht Hoffnung, dass der Inlandstourismus nach der Pandemie wächst. Die Leute wollen etwas unternehmen, aber nicht zu weit weg.“ Wichtig sei insbesondere für die Branche in Bad Driburg, dass sich Stadt und Graf im Kurparkstreit bald einigen.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Schon 2019 hatte für einen Aufschwung im Gastgewerbe gesorgt. 261.976 Gäste blieben insgesamt 1,15 Millionen Nächte, ein Plus von 8 bzw. 27 Prozent. Dass der Tourismus zwischen Diemel, Egge und Weser ein wichtiger Wirtschaftsfaktor zur Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze und zu Belebung des Standortes ist, belegt nun auch eine Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr in Berlin und München, die im Auftrag der OWL GmbH erstellt wurde. Demnach lag der touristische Gesamtumsatz im Kulturland Kreis Höxter im Jahr 2019 bei fast 242 Millionen Euro. Der Bereich der Übernachtungsgäste in gewerblichen Betrieben ab zehn Betten hatte mit 150 Millionen Euro den größten Anteil. Der Umsatz in Privatquartieren und im Bereich Camping lag bei 12,4 Millionen Euro und der Umsatz durch Tagesreisen bei 79,6 Millionen Euro.

„Die positiven Effekte des Tourismus drücken sich dabei nicht allein in den erwirtschafteten Umsätzen von Hotellerie, Gastronomie, Kulturanbietern und Einzelhandel aus“, so Krajewski. „Darüber hinaus sichert der Tourismus Arbeitsplätze in der Region, leistet einen Beitrag zur Erhöhung der Lebensqualität und ist ein wichtiges Argument für Unternehmen im überregionalen Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte. Dieses wiederum kann als Standortfaktor ausschlaggebend sein.“

Das unterstreicht auch das aus den Umsätzen resultierende Steueraufkommen, das sich im Jahr 2019 allein für Mehrwertsteuer und Einkommenssteuer auf 22,2 Millionen Euro belief. Dazu kommen noch durch den Tourismus hervorgerufene Gewerbesteuern, Grundsteuern, Zweitwohnungssteuern und Kurtaxen.

Einbrüche in der Branche schmerzlich

Auch vor diesem Hintergrund seien die coronabedingten Einbrüche in der Branche schmerzlich, so Krajewkski. Die ebenfalls ermittelten Zahlen für 2020 zeigen die Dramatik: Allein für die Monate März und April 2020 lag der Umsatzausfall im Kreis Höxter bei 29,7 Millionen Euro. Für die Monate März bis Dezember 2020 lag der Umsatzausfall im gesamten Reisegebiet Teutoburger Wald/OWL sogar bei 1,1 Milliarden Euro. Das ist ein Minus von mehr als 35 Prozent im Vergleich zu 2019. Der Übernachtungsbereich hatte mit 48 Prozent das größte Minus, der Tagestourismus büßte rund 29 Prozent ein. „Die errechneten prozentualen Ausfälle sind in vergleichbarer Höhe auch für den Kreis Höxter zu erwarten“, schätzt Krajewski und beruft sich auf die Zahlen des Statistischen Landesamtes.

„Gerade in dieser Situation ist es wichtig, die touristischen Unternehmen optimal zu unterstützen“, betont GfW-Geschäftsführer Michael Stolte. „Aus diesem Grund informieren wir nicht nur über alle bereits angelaufenen und verfügbaren Hilfsprogramme von Bund und Land, sondern haben auch im März letzten Jahres einen fünfstelligen Betrag in eine Sonderkampagne des Teutoburger Wald Tourismus zum Restart des Tourismus investiert.“

Denn der Tourismus sei eine klassische Querschnittsbranche. Egal ob Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleistende oder Zuliefernde wie regional Produzierende und Handwerksbetriebe: Es gebe kaum einen Wirtschaftsbereich, der nicht vom Tourismus profitiere. Deshalb lohnten sich Investitionen von Kommunen und Unternehmen in die tourismusbezogene Infrastruktur, in konkrete Produkte und in die touristische Vermarktung. „Um weitere attraktive Angebote für unsere Gäste zu schaffen, arbeiten der Kreis Höxter und die GfW aktuell an EU- und landesgeförderten Projekten für die Landesgartenschau 2023 sowie an der Ausschilderung neuer Themen-Radrouten und Infrastrukturmaßnahmen am Weser-Radweg“, so Stolte.

Die Zahlen aus den Städten im Kreis Höxter

Bad Driburg:51.765 Gästeankünfte (-43 Prozent), davon aus dem Ausland 1137 (-53 Prozent). 475.506 Übernachtungen (-34 Prozent). Aufenthaltsdauer: 9,2 Tage.

Beverungen: 17.981 Gästeankünfte (-37 Prozent), davon aus dem Ausland 713 (-46 Prozent). 41.872 Übernachtungen (-38 Prozent). Aufenthaltsdauer: 2,3 Tage.

Borgentreich:Das Statistische Landesamt gibt keine Werte für das Stadtgebiet Borgentreich an.

Brakel: 5.306 Gästeankünfte (-40 Prozent), davon aus dem Ausland 477 (-20 Prozent). 13.880 Übernachtungen (-29 Prozent). Aufenthaltsdauer: 2,6 Tage.

Höxter: 41.261 Gästeankünfte (-28 Prozent), davon aus dem Ausland 1813 (-69 Prozent). 122.716 Übernachtungen (-22 Prozent). Aufenthaltsdauer: 3,0 Tage.

Marienmünster:Das Statistische Landesamt gibt keine Werte für das Stadtgebiet Marienmünster an.

Nieheim: 4252 Gästeankünfte (-58 Prozent), davon aus dem Ausland 849 (-25 Prozent). 21.402 Übernachtungen (-34 Prozent). Aufenthaltsdauer: 5,0 Tage.

Steinheim: 5527 Gästeankünfte (-35 Prozent), davon aus dem Ausland 223 (-38 Prozent). 11.640 Übernachtungen (-19 Prozent). Aufenthaltsdauer: 2,1 Tage.

Warburg: 24.333 Gästeankünfte (-41 Prozent), davon aus dem Ausland 1327 (-51 Prozent). 48.312 Übernachtungen (-43 Prozent). Aufenthaltsdauer: 2 Tage.

Willebadessen: 6994 Gästeankünfte (-46 Prozent), davon aus dem Ausland 1327 (-51 Prozent). 48.312 Übernachtungen (-43 Prozent). Aufenthaltsdauer: 2,7 Tage.

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