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Motiv der Bluttat von Bad Driburg noch nicht bekannt

Waren Eheprobleme der Auslöser?

Bad Driburg (WB). Mutter, Vater, zwei Töchter und ein Sohn: Auf dem Foto, das Marcin S. (33) auf seine Facebook-Seite gestellt hat, sitzt die fünfköpfige Familie vor einem geschmückten Weihnachtsbaum, und alle lächeln in die Kamera. So wird es nie wieder sein.

Christian Althoff

Beamte der Spurensicherung am Eingang des Achtfamilienhauses. Foto: dpa

Die Dringenberger Straße in Bad Driburg, ein rotgeklinkertes Achtfamilienhaus. In der Wohnung über dem Sonnenstudio im Erdgeschoss lebte Stuckateur Marcin S. mit seiner Frau (28) und den drei gemeinsamen Kindern. Jetzt ist die Wohnungstür von der Mordkommission versiegelt.

Die Frau liegt im Krankenhaus und wird psychologisch betreut, ihre dreijährige Tochter ist bei Verwandten. Und die anderen drei Familienmitglieder sind tot. Bis zum frühen Morgen haben Beamte der Spurensicherung den Tatort untersucht und dokumentiert. Jetzt ist die Wohnung verlassen, die Jalousien sind unten.

Nachbar: »Liebe Kinder waren das«

Dietrich Barz (78) kommt aus dem Nachbarhaus – zum Morgenspaziergang. »Das ist schrecklich, was passiert ist«, sagt er.  Mehr als eine Stunde habe er in der Nacht am Fenster gestanden und Polizisten und Sanitäter beobachtet. »Bei gutem Wetter haben die Kinder fast jeden Tag bei uns im Garten gespielt, weil bei ihnen am Haus kein Platz ist. Liebe Kinder waren das.«

Das Paar hatte sich in Polen kennengelernt und soll vor etwa vier Jahren nach Deutschland gekommen sein. Auf Facebook schrieb Marcin S., sie hätten im Februar 2013 geheiratet. Nach einem Arbeitsunfall soll er seine Stelle verloren haben.

Familie war Polizei nicht bekannt

In der Ehe kriselte es seit langem. Im Umfeld des Ehemanns wird erzählt, er habe sich von der Familie seiner Frau seit Jahren massiv drangsaliert gefühlt. Er soll deshalb viel getrunken und so seinen Führerschein verloren haben. Angeblich sei er auch schon mal weinend aus der Wohnung gelaufen. »Dazu können wir noch gar nichts sagen«, erklärt Oberstaatsanwalt Ralf Meyer. »Die Befragungen durch die Mordkommission haben gerade erst begonnen.«

Die Familie soll der Polizei vorher nicht bekannt gewesen sein. »Dort hat es nie irgendwelche Einsätze gegeben«, sagt Achim Ridder aus dem Polizeipräsidium Bielefeld. »Die Streifenbeamten aus Höxter mussten am Mittwochabend von einem normalen Ehestreit ausgehen.« Die Ehefrau, die beim Eintreffen der Polizisten vor dem Haus gestanden habe, sei unverletzt gewesen. »Es gab keinen Hinweis darauf, dass ihr Mann den Kindern in der Wohnung etwas antun könnte.«

Caspar (8) und Natalie (5) wurden wohl erstochen

Alle Versuche der Beamten, zu Marcin S. Kontakt zu bekommen, scheiterten. Da wurde plötzlich die Wohnungstür von innen geöffnet, und die dreijährige Tochter blickte die Polizisten an. »Sie war körperlich unversehrt«, sagt Polizeisprecher Ridder. Das Mädchen und seine Mutter wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.

In der Wohnung fanden die Streifenbeamten drei Tote – die ältere Tochter Natalie (5) und ihren Bruder Cas­per (8) sowie den Vater. Ein Notarzt stellte noch am Tatort den Tod aller drei fest.

Nach den vorläufigen Ermittlungen der Mordkommission soll Marcin S. die beiden Kinder erstochen und sich anschließend auf die gleiche Weise getötet haben.

Verwandter: »Er griff schnell zur Flasche«

Gewissheit soll die Obduktion bringen, die Rechtsmediziner der Universität Münster heute durchführen wollen. Ein entfernter Verwandter sagte: »Ich kann einfach nicht verstehen, dass Marcin die Kinder getötet hat. Er liebte sie über alles. Aber er griff eben auch schnell zur Flasche, wenn er Probleme hatte.«

Die Frage, warum der Vater seine dreijährige Tochter verschont hat, konnte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag noch nicht beantworten. Eine Bekannte glaubt dagegen, den Grund zu kennen: »Wenn die Eltern sich gestritten haben, hat die Kleine sich immer in der Wohnung versteckt. Vielleicht war es auch am Mittwoch so, und sie ist erst wieder aus ihrem Versteck gekommen, als alles still war.«

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