1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bad-driburg
  6. >
  7. Zeitzeugen berichten vom Holocaust

  8. >

Mehr als 200 Schüler tauschen sich nach Dokumentarfilm „Wir sind Juden aus Breslau“ aus

Zeitzeugen berichten vom Holocaust

Bad Driburg/Brakel (WB). Um auf den Internationalen Holocaust-Gedenktag aufmerksam zu machen, hat Regisseurin Karin Kaper Kinos in ganz Deutschland besucht und ihren preisgekrönten Dokumentarfilm „Wir sind Juden aus Breslau“ gezeigt.

Erinnerten an die Opfer des Holocaust: (von links) Kinobetreiber Thomas Wirth, Birgit Wiemers (Elternpflegschaft), Karin Kaper (Regisseurin), Tuija Niederheide (Kommunales Integrationszentrum), Eileen Bachmann (Lehrerin Gesamtschule Brakel) und Claus Dietrich (pensionierter Lehrer). Foto: Kreis Höxter

Auf Einladung des Kommunalen Integrationszentrums des Kreises Höxter kam sie für zwei Vorstellungen nach Bad Driburg und Brakel. Im Anschluss an die Vorführungen tauschte sich die Berlinerin mit insgesamt etwa 200 Schülern aus und beantwortete Fragen.

14 Überlebende berichten

Breslau – das heutige Wroclaw in Polen – war vor dem zweiten Weltkrieg die viertgrößte deutsche Stadt mit einer der größten jüdischen Gemeinden. In dem Film „Wir sind Juden aus Breslau“ berichten 14 Überlebende von ihren Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus. Es sind bewegende Geschichten über Verfolgung und Flucht. Die Protagonisten erzählen von Überlebenskämpfen und wie sie nach Kriegsende ein neues Leben begannen.

Teile des Films sind während eines Workshops mit Bremer und Wroclawer Schülern entstanden. Gezeigt werden die Gespräche der Schüler mit den Überlebenden. Gemeinsam reisten sie an die Orte der Geschichten. Begleitet von der Kamera erzählen die Protagonisten dort ihre Erlebnisse. Auch Archivmaterial aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen verdeutlicht die Zustände für die Verfolgten des NS-Regimes.

„Der Film lässt die Menschen zu Wort kommen, die diese furchtbare Zeit hautnah miterlebt haben“, sagt der pensionierte Lehrer Claus Dietrich, der gemeinsam mit Schülern der zehnten Klassen der Gesamtschule in Brakel die Vorstellung besuchte. „Die Berichte der Zeitzeugen sind eine Aufforderung an uns, so etwas nie wieder zuzulassen.“ Genau dieses Ziel verfolgt auch die Regisseurin Karin Kaper.

Erneute Aufklärungsarbeit

„Die aktuelle politische Lage und der 75. Holocaust-Gedenktag machen deutlich, dass erneute Aufklärungsarbeit wichtig ist. Der Film bietet den Schülern einen emotionalen Bezug zu dem Thema“, erläutert Karin Kaper. „Die Protagonisten waren damals im gleichen Alter oder sogar jünger als Schüler.“

Rüdiger Gleisberg vom Kommunalen Integrationszentrum bezeichnet den Film als wichtiges Archiv der Erinnerung. „Die Interviews mit den Zeitzeugen sind wichtig, um das Bewusstsein über diesen furchtbaren Teil der Geschichte lebendig zu halten. Die Berichte werden so für nachfolgende Generationen erhalten.“

Startseite