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Die Nachbarn Wolfgang Janzen und Danilo Reth teilen ihre Begeisterung für Oldtimer

Aus Liebe zu den „alten Schätzchen“

Herstelle (WB). Wolfgang Janzen ist schon „etwas länger“ Rentner. Der Senior aus Herstelle ist 80 Jahre alt, hat aber gerne immer etwas zu tun. Da kommt ihm sein Nachbar Danilo Reth gerade recht. Der 39-Jährige ist Autoschrauber aus Leidenschaft und kann alles, was Räder hat, nicht stehen sehen. Fahren muss es. Beide bezeichnen sich selber als „zwei etwas verrückte Nachbarn“.

Alexandra Rüther

Fast 250 Jahre Auto unter der etwa 400 Jahre alten Teichlinde in Herstelle (von links): Wolfgang Janzen mit seiner roten Ente und der Zündapp seines Sohnes, Peggy und Danilo Reth mit dem Opel Rekord und Kadett „Jorgi“– sowie Heike Janzen mit ihrer Eifel-erprobten weißen Ente. Foto: Alexandra Rüther

200 statt 60 PS

Wobei die Bezeichnung „Autoschrauber“ bei Danilo Reth viel zu allgemein formuliert ist. Er hat sich nämlich auf eine Marke festgelegt. Reth, gelernter Kfz-Mechaniker und Werkstattleiter im Autohaus Benkel in Beverungen, ist Opel-Fan – durch und durch.

Sein erstes Auto, ein Opel Kadett, hegt und pflegt er bis heute. Mit „Jorgi“, so nennt er das Auto, sammelte er früh Erfahrungen auf Tuning-Treffen. Denn sein Kadett sieht zwar von außen noch so aus wie vor 30 Jahren (selbst der rote Lack ist noch original), innen allerdings hat sich einiges getan.

Der 60-PS-Motor etwa musste einem 200 PS starken Antrieb weichen. Und der Kofferraum taugt nicht mehr wirklich für den Transport von Einkäufen oder Gepäck. Er ist ausgefüllt mit einer 4000-Watt-Soundanlage. Das Auto verfügt über drei Monitore mit DVD-Player, eine Lasershow und Unterbodenbeleuchtung. Danilo Reth hat also stets sein eigenes Autokino dabei. Mit seinem Jorgi hat er schon viele Pokale bei Wettbewerben gewonnen. Er ist „sein Heiligtum“. Als er ihn im Alter von 18 Jahren gekauft hat, war er neun Jahre alt und hatte 26.000 Kilometer auf der Uhr. Im Winter wurde er stets geschont. Dass der Wagen aufgrund der Umbauten kein H-Kennzeichen bekommt, fällt da nicht weiter ins Gewicht.

Gemütliche Ausfahrten

Die „Oldtimer-Prüfung“ voll und ganz bestanden hat dagegen der Rekord A, Baujahr 1964, den er vor acht Jahren seinem Chef abgekauft hat. „Das Auto wurde 1980 in Zahlung genommen und stand Jahre lang bei uns in der Firma“, erzählt Danilo Reth. Irgendwann habe er seinem Chef dann gesagt: „Der Wagen muss jetzt raus.“ „Ich konnte ihn einfach nicht stehen sehen“, sagt er. Also überholte er das Auto und kaufte es letztendlich. Sehr zur Freude seiner Frau Peggy, mit der er damit gemütlich durch die Gegend cruist. Auch bei der Oldtimer-Rundfahrt „Mobile Schätzchen“ von WESTFALEN-BLATT und AC Höxter waren sie schon mehrmals dabei.

Nette Gespräche

Eher gemütlich geht es auch bei Wolfgang Janzen zu. Er fährt gerne mit seiner schönen roten Ente spazieren. „Bei den Ausfahrten entstehen immer wieder nette Gespräche mit ganz fremden Leuten“, sagt er. Behilflich bei der Anschaffung der Ente war – klar – sein Auto-verrückter Nachbar Danilo Reth. Aber auch Janzens Tochter Heike ist nicht unschuldig. Sie machte ihren Vater erst aufmerksam auf den Citroen 2V C6. Und so war schnell auch eine weiße Ente in Janzens Besitz – ein Geschenk an seine Tochter.

Beide sind Baujahr 1989 und mit 27 PS ausgestattet. „Wir waren damit gerade erst in der Eifel“, erzählt Tochter Heike. Die Ente war voll bepackt mit einer kompletten Campingausrüstung – Gepäck, Zelt, Stühle, Kühltasche – wir sind die Berge hoch und runter, alles kein Problem. Und man kommt unheimlich schnell mit den Menschen ins Gespräch“, berichtet sie. Beide Enten stammen übrigens aus der letzten Baureihe in Portugal. Danach wurde das Auto nicht mehr gebaut.

Nachbarschaftshilfe

Zurück zu der „Nachbarschaftshilfe“. Im Gespräch mit Danilo Reth erwähnte Wolfgang Janzen eines Tages eine Zündapp X 25 – die Mofa, mit der sein Sohn Peter im Alter von 14 Jahren zum ersten Mal mobil war. Seit 25 Jahren stehe sie nun unbenutzt in der Garage. Und weil Danilo Reth – wie schon einmal erwähnt – nichts stehen sehen kann, erweckte er die alte Zündapp kurzerhand aus dem Dornröschenschlaf.

Heute fährt Wolfgang Janzen damit gerne durch die Hersteller Feldmark und genießt die Natur. Dabei kann es ihm passieren, dass er Danilo Reth begegnet – mit einer Simson Duo. Dieses ausschließlich handbetriebene Krankenfahrzeug für Gehbehinderte aus DDR-Zeiten bekam er von seiner Frau zum 30. Geburtstag geschenkt. „Wir stammen beide aus der Spreewald-Region und kennen diese Fahrzeuge noch aus unserer Kindheit“, erzählt Peggy Reth. Gefunden hat sie die Simson letztendlich ganz in der Nähe – bei einem älteren Herrn aus Erkeln.

Kamelritt

Auch Wolfgang Janzen hat seinen Fuhrpark noch einmal aufgestockt – und zwar in Form einer Ape (Biene), Baujahr 1993, von Piaggio, ein Nutzfahrzeug aus Italien. Es wird für kurze Ausflüge und als Werbefahrzeug genutzt. Für Wolfgang Janzen gleicht das Fahren mit dem Dreirad einem Kamelritt – „man spürt jedes noch so kleine Schlagloch“. Auch ein 60 Jahre altes Kettcar ist inzwischen aufgearbeitet.

Steak mit Opel-Branding

Danilo Reth plant derweil schon sein neuestes Projekt, sprechen will er aber nicht drüber – es sei eine Überraschung. Überrascht ist tatsächlich auch derjenige, dem Danilo Reth mehr von seiner Opel-Leidenschaft erzählt. Denn es gibt ja nicht nur die fünf Autos.

Es gibt eine Garage, die frisch renoviert und auf Hochglanz poliert ist, ausgestattet mit dem berühmten Blitz – einem Leuchtobjekt aus den 70er Jahren –, und einem Opel-Schriftzug aus den 90er Jahren, einer Vitrine mit Opel-Modellen und einem Original-Opel-Kühlschrank aus den 50er Jahren. Wer Danilo Reth dann zuhause besucht, überlegt, ob er nicht vielleicht tatsächlich etwas „Opel-verrückt“ ist: Auf seiner Rasenfläche hat er ein gigantisches Opel-Zeichen „eingemäht“ und beim Grillen mit Freunden wandert kein Steak auf seinen Teller, dem er nicht zuvor das Opel-Branding verpasst hat, den unverkennbaren Blitz.

Zu viel versprochen haben Wolfgang Janzen und Danilo Reth also nicht, als sie sich als „zwei etwas verrückte Nachbarn aus Herstelle“ vorgestellt haben.

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