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Protest gegen das geplante Zwischenlager am ehemaligen KKW in Beverungen

Bürger bilden lange Menschenkette

Beverungen (WB). Eine besondere Protestveranstaltung hat es jetzt in der Innenstadt von Beverungen gegeben. Mehr als 50 Personen waren der Einladung der örtlichen Sozialdemokraten gefolgt, um Flagge gegen das geplante Atommülllager in Würgassen zu zeigen.

Ellen Waldeyer

Die Teilnehmer, die sich in die Menschenkette eingereiht haben, teilen eine klare Meinung: Es darf kein Atommülllager in Beverungen-Würgassen geben. Foto:

Bürger hatten sich dazu am Freitag an der Ecke Lange Straße/Weserstraße versammelt, um eine Menschenkette zu bilden – damit sollte die Dimension des geplanten Lagers in Würgassen visualisiert werden.

325 Meter lang, 125 Meter breit und 16 Meter hoch: Das sind die Maße für das neue Zwischenlager in Würgassen, wo zukünftig schwach- bis mittelradioaktive Abfälle gelagert werden sollen. „Das sind Dimensionen, die sich niemand vorstellen kann“, meint SPD-Mitglied Rolf-Dieter Crois.

Die Idee, die Größe des Lagers in Form einer Menschenkette darzustellen, hatte Petra Pohl. Die Dalhäuserin, die ebenfalls in der SPD aktiv ist, spricht sich wie viele Politiker anderer Parteien klar gegen das geplante Zwischenlager aus. „Allein die vielen Lastwagen, die den Atommüll bringen und dann zusätzlich noch durch unser schönes Korbmacherdorf fahren, schrecken mich schon von der Idee des Lagers ab“, erklärt Pohl kopfschüttelnd. Sie wohnt direkt an der Bundesstraße 241 – eine sowieso schon viel befahrene Durchfahrtsstraße auf dem Weg zur Autobahn 44. Für die Zukunft seien dann rund 20 Atommülltransporte pro Monat möglich, die dann wohl alle durch das Beverdorf fahren müssten.

Die Protest-Idee von Petra Pohl scheint bei den Bürgern gut anzukommen: Zahlreiche Menschen – ausgerüstet mit leuchtenden Warnwesten und Mund-Nasen-Schutz – rufen „Hopp, hopp, hopp. Atommülllager Stopp!“ in ihre Megafone und verteilen sich am Straßenrand.

Als Verbindungsstück der Kette dient ein rot-weißes Flatterband, so dass auch während der Demonstration die Abstandsregeln eingehalten werden können.

An der Langen Straße führt die Menschenkette bis zur Q1-Tankstelle, an der Weserstraße bis zum AWO-Stübchen. Um auch die Höhe veranschaulichen zu können, halten die Gegner des geplanten Zwischenlagers rote mit Helium gefüllte Luftballons, die 16 Meter gen Himmel steigen.

„Wir wollen hiermit ein aussagekräftiges Zeichen setzen“, zeigen sich die Bürger einig.

Der Zeitpunkt der Demonstration war günstig gewählt, um reichlich Aufmerksamkeit zu erregen. Unzählige Autos und Lastwagen schlängeln sich nämlich jeden Freitag zur Feierabendzeit durch die Beverunger Innenstadt – an diesem Tag scheinen einige von ihnen aber noch langsamer zu fahren, um das Spektakel näher betrachten zu können. Die politisch Engagierten halten Schilder in den Händen, auf denen es heißt „Atomlager Würgassen – so groß soll es werden“ oder präsentieren die gelben „Ws“ – das bekannte Protestzeichen. Viele Passanten auf den Gehwegen scheinen überrascht. „Die lange Schlange ist ja nicht einmal aus einer Richtung einsehbar“, meint eine Dame erstaunt. „So groß hatte ich mir das Lager wirklich nicht vorgestellt“, sagt eine andere nachdenklich.

„Wir freuen uns, dass so viele an dieser Demonstration teilnehmen“, betont abschließend Rolf-Dieter Crois und weist darauf hin, dass auch die Parteikollegen aus Bad Karlshafen, Höxter, Lauenförde und Meinbrexen zur Unterstützung gekommen sind. „Ich sehe es als meine Pflicht an, der jüngeren Generation eine bessere Zukunft zu hinterlassen. Und diese Zukunft besteht meiner Meinung nach ohne ein Atommülllager in Würgassen“, erklärt Crois. „Wer kämpft, der kann vielleicht verlieren. Aber wer nicht kämpft, der hat schon verloren“, verdeutlicht Petra Pohl abschließend die Notwendigkeit der Demonstration und hofft, gemeinsam etwas verändern zu können. Mehr Fotos unter:

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